Kinder aus Tschernobyl beuschen Dampfbahnclub in Namborn

Zu Besuch in Namborn : Kinder aus Tschernobyl genießen die Fahrt

27 junge Gäste aus der Ukraine sind derzeit im Saarland zu Besuch, um ihre Immunsystem zu stärken. Am Mittwoch machten sie einen Abstecher zum Dampfbahnclub in Namborn.

Wenn der Dampfbahnclub Namborn Mitten in der Woche seine Gartenbahn öffnet, Kinder kostenlos ihre Runden drehen lässt und sie zudem mit Getränken, Brötchen und Eis versorgt, dann muss es ein besonderer Anlass sein. Am Mittwoch waren 27 junge Gäste von neun bis 15 Jahren aus Tschernobyl mit ihren Gasteltern und Betreuern zu Besuch.

Laut einer entsprechenden Mitteilung war es die einzige Aktion im Landkreis St. Wendel zu diesem Ferienprogramm für Kinder aus Tschernobyl. Und warum ausgerechnet zum Dampfbahnclub Namborn? „Kerstin Chodorski ist meine Arbeitskollegin beim Zoll und ihr Vater Peter Chodorski ist Vorsitzender der Saarländischen Kinderhilfe – Leben nach Tschernobyl“, klärte der Vorsitzende des Dampfbahnclub Namborn, Hans-Jürgen Haßdenteufel, auf. Und so sei die Verbindung zustande gekommen. Der Vereinschef begrüßte die Gäste und erklärte den Bau der Gartenbahnanlage mit einem Meer an Blumen und Sträuchern. „Wir haben 1995 mit fünf, sechs Leuten damit begonnen und feierten 1999 unser erstes Dampfbahnfest.“ Anschließend war Haßdenteufel als Lokomotivführer gefordert. Die Kinder aus Tschernobyl standen auf dem Namborner Bahnhof Schlange und hatten offensichtlich viel Spaß bei den Fahrten auf der 800 Meter langen Strecke.

Die Kinder aus der Umgebung von Tschernobyl sind bei ihrem Aufenthalt in Deutschland von 22 Gasteltern aufgenommen worden. Die Gasteltern Barbara und Günther Schwenk aus Ottweiler haben, wie sie sagten, zum dritten Mal Kinder aufgenommen. Diesmal sind es mit Valeria (13) und Anna (14) zwei Mädchen. Bei der Familie Simone Berg aus Saarlouis ist Veronika (neun) untergebracht. „Sie verstand sich mit unseren eigenen Kindern Johanna und Lukas auf Anhieb gut. Es läuft alles reibungslos und es gibt keine Situation, wo wir nicht zurecht kommen“, erklärte Simone Berg.

Die deutschsprachigen Betreuerinnen Ludmilla Garbar und Larissa Tschetuko seien ein wichtiges Bindemitglied zwischen den Gasteltern und den Kindern aus Tschernobyl. Peter Chodorski dankte dem Dampfbahnclub für die Einladung. „Ich bin total überrascht, was der Verein mit 28 Mitgliedern, auf die Beine gestellt hat. Es ist eine Vorzeigeanlage“, lobte Chodorski.

Er erklärte: „Den Verein Saarländische Kinderhilfe – Leben nach Tschernobyl gibt es seit 24 Jahren und ich bin seit zehn Jahren der Vorsitzende.“ Mit fünf Jungen und zwei Mädchen, die am 23. Juli 1994 in den Saarpfalz-Kreis kamen, begannen die Sommererholungen für Kinder aus Tschernobyl. In den folgenden 24 Jahren konnten insgesamt 1030 Kinder begrüßt werden. „Das wesentliche Anliegen dieser Kindererholung ist der gesundheitliche Aspekt, nämlich mit der Erholungsmaßnahme das Immunsystem der Kinder zu stärken, denn sie leben in den armen Walddörfern.“ Auch heute noch – mehr als 30 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl – erkranken Kindern in den verseuchten Gebieten von Weißrussland, erläuterte Peter Chodorski.

Die Aktion sei längst zu einem Selbstläufer geworden und der Verein besuche die Gastfamilien im Voraus, um sich ein Bild von der Familie zu schaffen. „Ich wurde von einem Freund angesprochen, eine Studienfahrt nach Tschernobyl mitzumachen und seitdem lassen mich die Bilder von dort nicht mehr los. Wir stellen unser eigenes Interesse zurück und sind froh, Kinder aus Tschernobyl helfen zu können“, sagte Chodorski und fügte an: „Wir haben im vergangenen Jahr zum 40. Mal ein Konv0i mit 15 Tonnen Hilfsgüter in 950 Paketen nach Tschernobyl gebracht und wissen, dass diese Hilfe an der richtigen Stelle ankommt.“

Neben den Aufenthalten in den Familien und dem Besuch in Namborn erwarten die Kinder in den drei Wochen noch viele weitere Attraktionen. Die 26-stündige Rückfahrt ist für Dienstag, 13 August, geplant.

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