In einem Kunstwerk leben

Kunst wird bei öffentlichen Bauten gern als Häubchen draufgesetzt. Der Saarbrücker Bildhauer Martin Steinert durfte an einem Privathaus ran, und seine schier lebende Skulptur wuchs mit dem Bauwerk.

Wenn Architekten Häuser für sich selbst planen, kann es spektakulär und kunstvoll werden. Da dürfen sie nämlich nach Herzenslust Sachen bauen, die von den Klienten nicht jeden Tag verlangt werden. So hat nun Michel Leinenbach aus Illingen in einen Namborner Steilhang mit Südlage und Blick auf den Schaumberg ein Holzhaus gestellt, wie man es nicht oft sieht: ein Holz-Skelett-Bauwerk, das von Holzpfeilern getragen wird und mit Lärche verkleidet ist - futuristisch anmutend, im Kern puristisch.

Leinenbach versichert, "kein Gramm Gipskarton und so wenig Technik wie möglich verbaut" zu haben. Teile der Innenausstattung sind sogar aus ausgesuchter zweiter Hand, so etwa Stahlstützen aus der ehemaligen evangelischen Kirche von der Röchlinghöhe. Versorgt wird das Haus mit seinen 180 Quadratmetern Wohnfläche plus Garage von einer Photovoltaikanlage plus Holzofen. Leinenbach und seine Frau Irina haben vieles in Eigenleistung erbracht - so "30 Prozent Baukosten gespart".

Da war also noch ein wenig Geld übrig, um sich Kunst am Bau - "Architektur und Kunst sind Zwillingsschwestern" - zu leisten. Die Kunst enstand im Gleichschritt mit dem Haus. Es handelt sich um eine Skulptur des befreundeten Saarbrücker Bildhauers Martin Steinert.

Angelehnt an seine jüngsten Arbeiten in Saarbrücken (KuBa), Reden ("Gegenort") und Feldkirch/Österreich (Johanniterkirche) entwarf Steinert für die überdachte Außenterrasse eine Figur aus Fichtenholzlatten, die einen Kontrast zur strengen Geometrie des Hauses bildet und regelrecht zu leben scheint. Die sechs mal 3,50 Meter große Skulptur, die mit Schrauben zusammengehalten wird, durfte ja auch, um Gottes willen, niemals nach großer Tischlampe aussehen. Tut sie denn auch nicht, sondern eher wie ein Reptil, das um die Ecke guckt.