Festival "Wheels and Stones" auf der Baltersweiler Höhe

Drei Tage Festival : Benzin in der Luft und Rock’n’Roll im Blut

Motorrad-Fans feierten sich und ihre Leidenschaft für Zweiräder beim Wheels-and-Stones-Festival auf der Baltersweiler Höhe.

Gehört und gesehen werden: Tausende Liebhaber spezieller Motorräder trafen sich drei Tage beim vierten Wheels-and-Stones-Festival auf der Baltersweiler Höhe. Eigens für das PS-Spektakel war der graue Asphaltteppich ausgelegt und die L 132 zwischen Baltersweiler und St. Wendel für den Durchgangsverkehr gesperrt worden. Auf dem Festivalgelände röhrten, röchelten und donnerten die Motoren der Bikes internationale Geräusche. Es war ein Multi-Kulti-Markentreffen der Zweiradszene mit Konstrukteur-und Händlermeile für Umbauten. Hier ein Moped auf heruntergekommen getrimmt, nebendran eine mit viel Bling-Bling aufgemotzte BMW oder ein nach Sprit riechender Café Racer sowie die Scheckheft gepflegte Nobel-Harley aus dem Schaufenster.

Vieles schrie nach Vintage-Stil, aber alles individuell. „Die Besucher gehören zu einer motorradbegeisterten Szene, sie schrauben selbst oder bauen ihr Moped um – das ist Lifestyle“, sagte der Hirzweiler Händler und Kradwandler, Dirk Spaniol. Dass diese Szene boome, sei nichts Neues. Und dieses Lebensgefühl kosteten die Biker auch zwischen den Steinen der Skulpturenstraße aus. „Hier ist ein völlig stressfreies Festival, man unterhält sich, informiert sich und feiert miteinander“, freute sich Andreas Reisbacher aus Singen am Hohentwiel.

Nicht nur Benzin, sondern der Geist des Rock’n’Roll schwebte ständig in der Luft. Typen, die Kultikone James Dean vom Aussehen nachahmten, hingen mit kunstvoll tätowierten „Bräuten“ auf der Motorhaube eines alten Cadillacs ab. Hier stimmte auch die Kulisse. Selbst der Barber mit dem Rasiermesser fehlte nicht. Verpflegt wurde sich mit Streetfood, und Accessoires gab es ebenso wie Motorrad-Ersatzteile. „Realy nice here (Es ist sehr schön hier)“, schwärmte der Engländer Nick Glover. Am Sonntag ging es für ihn mit dem von einem Moto-Guzzi-Motor angetriebenen Trike (Dreirad) zurück zur Kanalinsel Jersey.

Zwischendrin unterbrach ohrenbetäubender Lärm die Benzingespräche, wenn Marius Krämer das Startergirl Jasmin mit dem „Piggi“, einem propellerlosen Leichtflugzeug der Marke Piaggio P 149, zum Rundkurs chauffierte. „Wir wollten mal etwas anderes machen. Momentan ist der Flat-Track-Run hip“, erklärte Wheels-and-Stones-Mitorganisator Christoph Gebert. Das staubige Driften im Kreis löste den Showsprint über die Achtelmeile auf der L 132 aus den Vorjahren ab. Auf dem kleinen Motocross ähnlichen Kurs drehten 24 Piloten im Sattel der unterschiedlichsten Maschinen jeweils vier Runden. Für den Engländer Glover hinter dem Lenker des Trikes Spaß ohne Ende. Und wie es sich für einen britischen Snob gehört, hatte er im Gepäckträger den Picknickkorb samt Teeservice verstaut.

Derweil rollten immer mehr Gäste an. Deren Garderobe bewahrte die bundesweit sozial engagierte Streetbunnycrew, rosa gekleidete Motorradhasen, an ihrem Stand für eine Gebühr auf. „So sammeln wir Geld für den guten Zweck“, erläuterte Streetbunnie Tony. In den Abendstunden war dann die Wiese mit Bikern übersät. Auf der Bühne zuppelte die Saarbrücker Band Honey Creek mit Vollgas-Bluesrock am Gashebel. Die abgebremsten Songs klangen nach Balladen. Auch ohne Schminke könnte der in Kalifornien geborenen Sänger James Maitland Boyle mit seinem Zauselbart den ZZ Top-Frontmann Billy Gibbons doubeln. „Ich sehe zwei Musikern von ZZ Top nur etwas ähnlich“, verglich Boyle. Zum Steilgehen spielte die Band neben eigenen Kompositionen den ZZ Top-Klassiker „Waitin’ for the bus“. Tags darauf trat die Rock´n`Roll-Band Hellabama Honky Tonks auf. An der guten Stimmung wollte Sänger Goldi nichts ändern. „Let the good times roll“, sagte er kurz und knapp. Am Sonntag machten sich die Biker auf den Heimweg.

Mächtig Staub wirbelte dieser Fahrer auf dem Rundkurs beim Wheels-and-Stones-Festival auf. Foto: Frank Faber
Eine Leidenschaft, die verbindet: Selbst der Nachwuchs ist beim Motorrad-Treffen mit Begeisterung am Start. Foto: Frank Faber
James Boyle von Honey Creek griff zur Mundharmonika. Foto: Frank Faber
Der Engländer Nick Glover mit seinem Trike. Foto: Frank Faber
Marius Krämer chauffierte mit seinem propellerlosem Flugzeug Startergirl Jasmin (oben links) übers Festivalgelände. Foto: Frank Faber

Laut Mitorganisator Gebert findet das Festival künftig alle zwei Jahre im Wechsel mit der Motorsport-Klassik statt.

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