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Bürger dsikutierten Bau nahe der Freizeitanlage Scheib in Namborn

Geld für klamme Gemeinde-Kasse : Eine Photovoltaikanlage für Namborn?

Mehr als 40 Männer und Frauen waren zur Bürgerversammlung gekommen. Es gab Zustimmung und Skepsis.

In der Nähe der Scheib, einem Namborner Freizeitgelände, soll eine Photovoltaikanlage entstehen. Darüber wurden die Namborner kürzlich in einer Bürgerversammlung zunächst informiert – anschließend wurde diskutiert. Auf Einladung der Namborner Gemeindeverwaltung waren mehr als 40 Bürger in den örtlichen Dorfgemeinschaftsraum gekommen. „Der Landkreis St. Wendel hat das Ziel, bis zum Jahr 2050 seinen Energiebedarf vollständig CO2-neutral zu gestalten“, erklärte Namborns Bürgermeister Sascha Hilpüsch (SPD). An der Umsetzung dieses ehrgeizigen Vorhabens möchte sich die Gemeinde Namborn in Form einer Photovoltaikanlage beteiligen. Und das durchaus aus Eigennutz, wie Hilpüsch mit Blick auf den finanziellen Aspekt klar machte: „Mit der Photovoltaikanlage könnten wir jährlich mit zirka 5000 Euro Pachteinnahmen und 5000 Euro Gewerbesteuer rechnen. Geld, das die klamme Gemeinde gut gebrauchen könnte.“

Möglicher Betreiber der Anlage könnte der saarländische Energieversorger VSE sein. „Die Klimakrise ist die größte Herausforderung der Menschen“, sagte Frank Schmeer, Leiter Erneuerbare Energie bei der VSE. Laut Schmeer wurde bereits erfolgreich geprüft, ob die Möglichkeit eines elektrischen Anschlusses im Nahbereich der Scheib gegeben ist. Nun müssten Nutzungsverträge mit Grundstückseigentümern – überwiegend ist das die Gemeinde Namborn – abgeschlossen, ein Bebauungsplan aufgestellt und der Flächennutzungsplan teilweise geändert werden. „Die Namborner Photovoltaikanlage mit insgesamt 11 076 Modulen würde jährlich eine Strommenge von zirka 3,35 Millionen Kilowattstunden produzieren. Die elektrische Versorgung ist für 1000 Drei-Personen-Haushalte ausgelegt und wird jährlich eine Ersparnis von 1260 Tonnen CO2 bringen“, erläuterte Schmeer.

„Die Scheib ist eines der schönsten Naturschutzgebiete mit zahlreichen wild lebenden Tieren und sollte nicht zugebaut werden“, sagte hingegen Britta Klein und fragte, ob wirklich keine Bäume gefällt werden? „Nein, es würden keine Bäume gefällt“, versicherte Frank Schmeer und wies darauf hin, dass die Anlage nicht zusammenhängend gebaut würde. Vorgesehen sei ein Nordteil mit einem Flächenbedarf von zirka 1,1 Hektar und ein Südteil mit zirka 2,1 Hektar, was einen Flächenbedarf von zirka insgesamt 3,2 Hektar ergebe.

Gerold Hoffmann sieht in der Photovoltaikanlage auf „Der Scheib“ mit mehreren Wildwechseln einen Einschnitt für die gesamte Wildbiologie und eine Abwertung der Freizeitanlage. „Die Freizeitanlage wird durch die Photovoltaikanlage nicht beeinträchtigt“, versicherte der Namborner Verwaltungschef. Der frühere Namborner Ortsvorsteher Hugo Frei wollte wissen, wie eine Entschädigung der Jagdgenossenschaft und des Landwirtes Bernd Klein, für den die Scheib eine große Futterquelle sei, aussehen soll? „Wir sind mit Klein im Gespräch und können ihm vielleicht eine Ausgleichsfläche anbieten“, antwortete Hilpüsch.

Eine ganze Reihe von Anfragen von Anwohnern bezog sich auf den Geräuschpegel und die Nähe zu ihren Häusern. „Der Abstand zu den Häusern ist gegeben und es entsteht keine Geräuschbelästigung“, beruhigte Franz Schmeer. Rainer Klein fragte, ob Photovoltaikanlagen überhaupt helfen können, Stromengpässe auszugleichen und sagte: „Meine Erfahrung mit meiner kleinen Anlage zeigt, dass an einem sonnigen Tag locker 60 Kilowatt und an einem nebeligen Novembertag nur sechs Kilowatt produziert werden – und der Stromverbrauch ist nicht geringer.“ Klein fragte auch, wie es mit einer Speichermöglichkeit der geplanten Photovoltaikanlage aussieht? „Die Technik ist noch nicht so weit, um nicht verbrauchten Strom zu speichern“, räumte Schmeer ein.

Die Leiterin des Namborner Umweltamtes, Caroline Müller, beruhigte: Der Entwurf des Bebauungsplanes müsse offen gelegt und die Träger der öffentlichen Belange gehört werden. „Die Entscheidung über das Projekt Photovoltaikanlage dürfte wohl Ende des nächsten Jahres fallen“, befand Müller.

Auch der Ortsrat von Namborn-Heisterberg hat sich in seiner jüngsten Sitzung mit der geplanten Photovoltaikanlage befasst. MIt dem Fazit, dass zu dem Vorhaben noch viele Detailfragen zu klären sind. Namborns Bürgermeister hielt fest, dass der Ortsrat hier nur beratend tätig werden könne, die Entscheidung über die Photovoltaikanlage auf „Der Scheib“ liege allein beim Gemeinderat.