Musikalisches Feuerwerk zum 85.

Primstal. Wenn ein so gestandener Dirigent und Komponist wie Bert Appermont den auf ihn einprasselnden Beifallsturm an die Musiker weiter gibt, dann muss im vorangegangen Konzertabschnitt etwas Außergewöhnliches passiert sein. "Wir haben sehr gut zusammen musiziert", sagte der 36-jährige Belgier mit zittriger Stimme in gebrochenem Deutsch. Ein Blick zurück

 Im ersten Programmteil des Jubiläumskonzertes gab der belgische Komponist und Kapellmeister Bert Appermont den Takt vor. Foto: Frank Faber

Im ersten Programmteil des Jubiläumskonzertes gab der belgische Komponist und Kapellmeister Bert Appermont den Takt vor. Foto: Frank Faber

Primstal. Wenn ein so gestandener Dirigent und Komponist wie Bert Appermont den auf ihn einprasselnden Beifallsturm an die Musiker weiter gibt, dann muss im vorangegangen Konzertabschnitt etwas Außergewöhnliches passiert sein. "Wir haben sehr gut zusammen musiziert", sagte der 36-jährige Belgier mit zittriger Stimme in gebrochenem Deutsch. Ein Blick zurück. Dirigent Stefan Barth hatte mit seinem Orchester Appermonts-Werke einstudiert, die der Komponist in einer Generalprobe nochmals verfeinerte und optimierte. "Die Musiker wurden von Stefan Barth unheimlich gut vorbereitet", lobte Appermont die Arbeit des MV-Dirigenten.Im Eröffnungsstück schwamm "Noahs Ark" von epischer Breite getragen durch ein Klangmeer, das einer Titelmusik ähnelte, die einen Monumentalfilm einleitet, dessen Happy-End aber schnell verflogen war. Vorhang auf und herzlich willkommen im Kopfkino zu einer emotionalen Reise in vier Sätzen durch die "Saga Candida". Wie gefesselt, von der bildlich sprechenden Musik in ihren Bann gezogen, entführte das Ensemble das Publikum ins Mittelalter, und ließ sie teilhaben an einem "Hexenprozess" in einem lichtarmen Kellerverlies. Dunkle und subtile Klänge vermittelten tiefe Depressionen, die sich zu einem "Liebeslieb" kurzfristig erhellten. Abgefahrene jazzige Passagen mit den Soloeinlagen von Saxophon und Posaune, und das Geflüster der Musiker rief im "diabolischen Tango" den Teufel auf den Plan. Bedrohliche Töne machten sich in der Halle breit, die Melancholie wich, als der Scheiterhaufen nahte, was blieb, war ein tränenreicher "Trauermarsch". "Es war sehr anstrengend, hat aber viel Spaß gemacht. Auf der Bühne herrschte unter uns eine unheimliche Spannung", schilderte Posaunist Matthias Klässner seine Eindrücke während des komplexen Werkes. Mit meditativen Gesang begleitete Solistin Sandra Weiss das Stück "Rubicon", dass den emotionalen wie spannungsgeladenen ersten Programmteil abschloss. Auf eine Reise nach Amerika lud Hausdirigent Barth das Publikum im zweiten Akt ein. Locker flockig kamen die symphonischen "Armenischen Tänze" von Albert Reed daher. Die Stimmung in der Halle stieg als das Orchester über ein mexikanisches Volksfest schlenderte. Eine Mariachi-Band spielte zur farbenfrohen "Fiesta" (Clifton Williams) auf, man tanzte den weltberühmten "Jarabe Tapatio", und ließ sich von Tijuana-Klängen zum Stierkampf locken. Mit einem grandiosem Duett mit Sängerin Sandra Weiss begeisterte das Orchester in zwei Songs aus der "West Side Story", ehe der Marsch "The Stars and Stripes Forever" den offiziellen Teil des Konzerts beendete. Das völlig euphorisierte Publikum dankte sofort mit einem Beifallsorkan und stehenden Ovationen. "Ich bin schon so lange Musiker, aber so etwas habe noch nie erlebt", gestand der MV-Vorsitzende Franz-Josef Barth. Besucher Michael Lermen brachte das Konzerterlebnis treffend auf den Punkt. "Einfach phänomenal ein Konzert mit zwei verschiedenen Dirigenten", schwärmte der Selbacher. Dirigent Barth ließ dagegen lieber seine Musiker sprechen. Mit "Anthem" aus dem Abba-Musical brannte das Orchester als Zugabe nochmals ein musikalisches Feuerwerk ab.