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Modellprojekt Hauptamt stärkt Ehrenamt läuft im Landkreis St. Wendel an

Kostenpflichtiger Inhalt: Pilotprojekt im Landkreis St. Wendel : Den Vereinen tatkräftig unter die Arme greifen

„Hauptamt stärkt Ehrenamt“. Das ist der Titel eines neuen Förderprogrammes des Bundes, für das der Landkreis St. Wendel ausgewählt wurde. 450 000 Euro fließen in die Region.

1400 Vereine gibt es im St. Wendeler Land. Rund 44 000 Menschen sind in ihnen organisiert, fast jeder zweite Einwohner der Region. Ohne Vereine wäre das Leben in den Dörfern des Landkreises um einiges ärmer. Deshalb wundert es nicht, wenn Landrat Udo Recktenwald (CDU) unterstreicht: „Das Ehrenamt ist Teil eines funktionierenden Gemeinwesens.“

Dieses zu unterstützen hat sich der Landkreis seit Jahren auf die Fahne geschrieben, zuletzt erfolgreich im Projekt „Mitmacher gesucht – Verein(t)“ innerhalb des Bundes-Modellvorhabens Landaufschwung,  das Ende dieses Jahres ausläuft.

Da passt es optimal, dass der Landkreis für ein neues bundesweites Projekt ausgewählt wurde, das am 1. Januar 2020 startet. Der Titel „Hauptamt stärkt Ehrenamt“. 450 000 Euro stehen dem Landkreis in den kommenden drei Jahren zur Verfügung. 58 Landkreise aus ganz Deutschland hatten sich beworben, 18 wurden ausgewählt, darunter das St. Wendeler Land als einziger Landkreis im Saarland. Am Mittwoch gab es die Bescheide in Berlin. Recktenwald stellte im SZ-Gespräch das neue Förderprogramm vor.

„Hauptamt stärkt Ehrenamt“ ist ein Modellvorhaben  des Bundesministeriums für den ländlichen Raum, unterstützt vom Deutschen Landkreistag. Erfolgversprechende und nachhaltige Strukturen zur Stärkung und Begleitung des Ehrenamtes sollen in den Landkreisen aufgebaut und verbessert werden.

Wobei St. Wendel auf den Erfahrungen des Projektes „Mitmacher gesucht“ aufbauen wird. Projektkoordinatorin war hier Tina Noack. Sie wird diese Aufgabe auch bei dem neuen Programm übernehmen. Noack  hat in dem Vorgängerprojekt zahlreiche Vereinsgespräche und Workshops für die Vereine organisiert. Auch schon  erste Erfahrungen mit Web-Seminaren gemacht. Eine wichtige Plattform  ist die Internetseite vereinsplatz-wnd.de.  Diese wird nicht nur beibehalten, sondern ausgebaut.

Vereinsgespräche, Seminare, Beratungen, Schulungen für Ehrenamtliche wird es auch im neuen Programm geben. Verstärkt  wird aber die digitale Kommunikation, zum Beispiel die Web-Seminare, kurz Webinare genannt.  Eine weitere Idee sei die digitale Sprechstunde, so Tina Noack.  In Podcasts können Experten zu verschiedenen Themen zu Wort kommen. Geplant ist auch eine Datenbank auf der Vereins-Internetseite, eine so genannte Wissenscloud. „Möglichst einfach müssen diese Angebote zu nutzen sein“, erklärt  Noack.  Digitalisierung spielt in dem St. Wendeler Projekt also eine große Rolle. Aber die persönliche Ansprache werde nicht wegfallen. Unter anderem sollen ehrenamtliche Dorfcoaches gesucht und ausgebildet werden, die vor Ort Ansprechpartner der Vereinsvertreter sein können.

Im Modellvorhaben „Hauptamt stärkt Ehrenamt“ geht es also nicht darum, dass mit den Bundesgeldern einzelne ehrenamtliche Projekte gefördert werden. Sondern es geht darum herauszufinden, wie hauptamtliche Strukturen die Ehrenamtlichen unterstützen und begleiten können. Dies ist laut Recktenwald wichtig. Denn die Vereine stünden vor großen Herausforderungen: Mitgliederschwund, demografischer Wandel, Digitalisierung, Vorschriftenflut. Der Landrat: „Mit dem Verbundprojekt ergeben sich ganz neue Chancen, eine professionellere, vor allem stetige Unterstützung des Ehrenamtes zu installieren.“ Diese sehe die zuständige Bundesministerin Julia Klöckner (CDU) genauso: „Engagierten müssen wir den Rücken freihalten, weniger Bürokratie, mehr Unterstützung. Mit unserem Projekt wollen wir es Bürgern noch einfacher und attraktiver machen, für andere aktiv zu werden“, erklärt  Klöckner in einer Pressemitteilung.

Seit 1999 gibt es beim Landkreis die Ehrenamtsbörse, daran erinnert Thomas Gebel, Leiter des Amtes für die Entwicklung des ländlichen Raumes beim Landkreis. Diese werde nun zu der Koordinierungsstelle für das Ehrenamt ausgebaut. Auch ein Arbeitskreis aus Vertretern der Verwaltung sowie eine Lenkungsgruppe, in der die Kommunen, Organisationen und Verbände mitarbeiten können, sollen gegründet werden.

Die in  den 18 Landkreisen gewonnenen Erkenntnisse werden  in einen Praxis-Leitfaden einfließen, der dann auch anderen Landkreisen bei der Unterstützung des Ehrenamtes helfen sollen.

Regionalentwicklung brauche Zeit, Geld, Konzepte und Netzwerke, betont Recktenwald abschließend: „Die Stärkung des Ehrenamtes ist ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Regionalentwicklung in unserer Heimat.“ Es gehe um nicht weniger als die Zukunft der Region.