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Zehntscheune erhält besondere Anerkennung

Zehntscheune erhält besondere Anerkennung

Berschweiler/Alsweiler. Zwei Tage lang reiste eine neunköpfige Jury durch das Saarland auf der Suche nach dem schönsten Bauernhaus. Erstmals war auch eine Scheune unter den 13 Objekten, die die Fachkommission in Augenschein nahm

Berschweiler/Alsweiler. Zwei Tage lang reiste eine neunköpfige Jury durch das Saarland auf der Suche nach dem schönsten Bauernhaus. Erstmals war auch eine Scheune unter den 13 Objekten, die die Fachkommission in Augenschein nahm. Die Zehntscheune von Raimund Backes, Im Engstereck 21, in Berschweiler wurde beim Wettbewerb "Saarländische Bauernhäuser - Zeugen unserer Heimat" mit einer Sonder-Anerkennung in Höhe von 500 Euro prämiert. Heinz Quasten, Vorsitzender der Landesjury, erklärte warum: "Die Zehntscheune in Berschweiler stellt einen Sondertyp im Wettbewerb dar, weil sie kein Bauernhaus im eigentlichen Sinne ist, da ihr der konstituierende Teil eines Bauernhauses, der Wohnteil, fehlt." Die Juroren entschlossen, sich das Objekt mit in die Bewertung zu nehmen und es auszuzeichnen. "Weil es ein bemerkenswerter, alter, historisch wertvoller und ortsbildprägender Bestandteil des Dorfes ist, der vor allem auch das bäuerliche Erbe des Dorfes repräsentiert", begründete Quasten.Der Fachwerkbau ähnele dem des Hiwwelhauses in Alsweiler, befand die Jury dazu vor Ort. Als Besitzer Raimund Backes von der Auszeichnung erfuhr, war der in Illingen wohnende 57-Jährige völlig überrascht. "Damit habe ich nie gerechnet", so der verblüffte Eigentümer. Er habe nur auf Anraten und auf Initiative des Landkreises St. Wendel am Wettbewerb teilgenommen. "Mir dient die Scheune bislang als Stau- und Abstellraum", sagte Backes.

Ohne bauliche Nachweise fand der Fachwerkbau in den Grundbüchern aus dem Jahre 1703 eine erste Erwähnung, anhand von Skizzen im Jahre 1763. Der nach dem Dreißigjährigen Krieg aus der Schweiz eingewanderte Beatus Brunner (oder Bronder), ein Vorfahr von Besitzer Backes, und Peter Recktenwald nutzten seinerzeit das Gebäude für Zimmermannsarbeiten. Später wurde daraus eine von zwei Zehntscheunen in Berschweiler. "Hier wurde der Naturalzehnt von den Bauern zusammengelagert", erzählte Backes. Später sei die Scheune dann in den privaten Besitz übergegangen. In ein paar Jahren will Backes in der Zehntscheune ein Heimatmuseum einrichten. "Ich will mich gezielt im Hinblick auf den Charakter des Gebäudes auf die Ausstellung von landwirtschaftlichen Geräten konzentrieren", verriet Backes seine Zukunftspläne.

Als zweites Objekt aus dem Landkreis St. Wendel hat das lothringische Langhaus von Jörg Hammermeister, Brunnenstraße 3, in Alsweiler am diesjährigen Wettbewerb teilgenommen.

Auf einen Blick

Der Wettbewerb "Saarländische Bauernhäuser - Zeugnisse unserer Heimat" findet alle zwei Jahre statt. Er wurde vom Institut für Landeskunde und dem Umweltministerium ins Leben gerufen. Teilnahmeberechtigt sind Häuser, die vor 1914 gebaut wurden. Der Wettbewerb ist mit insgesamt 10 000 Euro dotiert. Platz eins: Klaus Recktenwald aus Erfweiler-Ehlingen (2500 Euro), Platz zwei ging an Familie Primm aus Merzig-Mechern (2000 Euro), den dritten Platz teilen sich, mit jeweils 1000 Euro, Familie Petry aus Schmelz-Michelbach, Michael Meyer aus Mettlach-Nohn, Petra Stragand aus Ottweiler-Mainzweiler und die Geschwister Maurer aus Riegelsberg. frf