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Umweltverbände kritisieren geplanten Marktstandort in Urexweiler

Am Ortsrand von Urexweiler : Umweltverbände kritisieren geplanten Marktstandort

Die drei staatlich anerkannten saarländischen Naturschutz-Vereinigungen sehen die jüngst bekannt gewordenen Pläne der Gemeinde Marpingen, völlig losgelöst von der Urexweiler Ortslage an der L 130 einen Netto-Einkaufsmarkt anzusiedeln, überaus kritisch.

„Hier trifft ein uralter Bebauungsplan für ein seit Jahrzehnten leerstehendes und daher nie erschlossenes Gewerbegebiet auf eine kurzfristige, für eine Einzelhandelsnutzung ursprünglich gar nicht konzipierte Notlösung“, sagt Julia Michely, Landesvorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu). Dies geschehe, um einem einzelnen Investor gerecht zu werden. Sämtliche übrigen planerischen Aspekte im Sinne einer nachhaltigen Nahversorgung und Dorfentwicklung sowie des Natur- und Landschaftsschutzes seien dabei weitgehend außer Acht gelassen worden.

Ähnlich sieht es Christoph Hassel, Chef des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND): „Wir haben vorliegend einen in den Siedlungsbereich überhaupt nicht integrierten Marktstandort, der in nach EU-Recht geschütztes Grünland mit bisher nicht untersuchten planungsrelevanten Arten eingreift.“ Darüber hinaus existiere unmittelbar angrenzend ein Natura-2000-Schutzgebiet, dessen potenzielle Beeinträchtigungen durch das Vorhaben erst einmal über ein Fachgutachten ausgeschlossen werden müsse. „Sorgt die Gemeinde nicht selbst für die Behebung dieser Mängel, liegt das Risiko einer Umweltschadenshaftung beim Investor beziehungsweise Bauherrn“, betont Hassel. Die Gemeinde täte seiner Ansicht nach daher gut daran, dies über eine Bebauungsplan-Änderung auch gleich für den gesamten Geltungsbereich zu regeln.

Aribert von Pock, der Landesvorsitzende des Saarwald-Vereins, ist überzeugt: „Die Realisierung eines Marktes an diesem Standort würde dem bisher noch harmonisch in die Landschaft eingebetteten Dorf Urexweiler durch eine irreversible Entwertung des östlichen Ortseingangsbildes dauerhaften Schaden zufügen.“ Dabei brauche gerade der Landkreis St. Wendel, der in besonderem Maße auf den Tourismus setzt, einladende Dörfer und eine weitgehend intakte Landschaft.

Einig sind sich die drei Landesvorsitzenden, dass dieses Negativbeispiel im Land nicht Schule machen dürfe. Auch könnten die zweifellos von der Gemeinde Marpingen anderenorts erworbenen besonderen Verdienste im Naturschutz eine derartige, offenbar aus kurzfristigen Erwägungen getroffene Entscheidung nicht einfach kompensieren. Insofern ergehe seitens der Verbände der eindringliche Appell an die verantwortlichen Gemeinderatsfraktionen, ihr bisheriges Votum für diesen Standort noch einmal grundlegend zu überdenken.