Umfeld soll nicht heimelig sein

Marpingen. Marpingen, Am Flugplatz 6. Das Haus ist unscheinbar, noch im Rohbau. Seit fünf Jahren wird dort gebaut, erzählt Inhaber Bertram Quirin. Nächstes Jahr will er einziehen. Doch schon jetzt hatte das halbfertige Haus seinen großen Auftritt

Marpingen. Marpingen, Am Flugplatz 6. Das Haus ist unscheinbar, noch im Rohbau. Seit fünf Jahren wird dort gebaut, erzählt Inhaber Bertram Quirin. Nächstes Jahr will er einziehen. Doch schon jetzt hatte das halbfertige Haus seinen großen Auftritt. Das Team des Saarländischen Rundfunks drehte dort am Donnerstag seinen neuesten Tatort, der den Arbeitstitel "Heimatfront" trägt (wir berichteten). Es geht um Soldaten, die aus Afghanistan heimkehren. Und einer dieser Soldaten lebt in diesem Haus oberhalb des Marpinger Sportplatzes. Diesen Soldaten beschreibt der zuständige SR-Redakteur Christian Bauer als einen "seltsamen Typen". Und da passe dieses halbfertige Haus genau: "Sein Umfeld sollte nicht heimelig schön sein."Den Ausstatter des SR hatte Patrick Stoll auf dieses Haus seines Bekannten aufmerksam gemacht. Stoll restauriert alte, militärische Fahrzeuge und stellt diese Filmteams zur Verfügung. So waren seine Autos und Motorräder unter anderem in "Walküre" mit Tom Cruise zu sehen. Für den SR arbeitet er als militärischer Berater. Auch die Luftlandebrigade in Saarlouis unterstützt das Filmteam. Wenn auch das Bundesverteidigungsministerium eine Drehgenehmigung in Saarlouis verweigert habe: "Das hat uns schon enttäuscht", sagt Bauer. Der Tatort vermittele wohl nicht die richtige Botschaft, vermutet Bauer. Schließlich geht es um Soldaten, die aus dem Einsatz zurück kommen und sich in ihrem alten Leben nicht mehr zurecht finden. So drehte das Team um Regisseur und Oscar-Preisträger Jochen Alexander Freydank am Donnerstagnachmittag unter anderem eine Szene, in der ein Soldat, gespielt von Martin Kiefer, betrunken im Bett liegt. Die Möbel haben die Leute vom Film mitgebracht. Schließlich ist das Haus ja noch nicht bewohnt. "Sie haben die Wohnung komplett eingerichtet", erzählt Quirin. Jetzt ist er gespannt, wie sein Haus im Fernsehen rüberkommt: "Das ist schon spannend." Im Januar 2011 soll "Heimatfront" gesendet werden.Dann ist das Thema wohl immer noch aktuell, denkt Bauer: "Geschichten von Bundeswehr-Heimkehrern werden uns bestimmt noch den ganzen Sommer beschäftigen." Und genau damit passe das Thema ins saarländische Tatort-Konzept. Bauer: "Wir wollen gesellschaftlich relevante Themen aufgreifen, am Puls der Zeit sein." Und da sei so eine Geschichte von jungen Soldaten "spannender als mordende Juweliers-Gattinnen", wie es Bauer ausdrückt. Von Mord war am Donnerstag noch nichts zu sehen - die Szene wird wohl erst an diesem Samstag gedreht. Für Quirin, der die Dreharbeiten lange beobachtete, war es trotzdem ein besonderer Tag. Schließlich ist er ein Tatort-Fan.