Tuppen auf dem Dorffest in Urexweiler

Urexweiler Dorffest : Auch Kebap-Kurt ließ sich tuppen

Während des Urexweiler Dorffestes wurden wieder Bürger in die Dorfgemeinschaft aufgenommen.

Fleißig getuppt wurde auf dem 40. Urexweiler Dorffest. Bei dieser besonderen Zeremonie werden Zugezogene und Neugeborene „mit allen Rechten und Pflichten“ in die Dorfgemeinschaft aufgenommen.

„Getuppt wird in Urexweiler nachweislich seit Mitte der 1950er-Jahre“, berichtet Werner Stockhammer vom Urexweiler Vereinsring. „Aber es kann auch gut sein, dass dieser Brauch schon seit dem Ende des 30-jährigen Krieges im Jahre 1648 gepflegt wird, als unser entvölkerter Ort viele Zuwanderer bekam“, witzelt er weiter. Der Getuppte macht dabei Bekanntschaft mit einem Birnbaum, wobei sein Kopf gegen den Stamm des Baumes geschlagen wird. Hierzu diente in den 50er-Jahren ein vor dem örtlichen Gasthaus Zur Linde stehender Birnbaum. „Vor diesem Gasthaus trafen sich früher alltäglich in großer Zahl die Bergleute und warteten auf die Busse, um von hier aus zu ihrer Früh-, Mittag- oder Nachtschicht zu fahren. Dabei haben sie sich so allerlei Unfug ausgedacht und angestellt“, weiß Stockhammer. Der Baum musste aber schließlich dem Bau der Ortsdurchgangsstraße weichen und wurde im September 1964 gefällt.

Ein Teil des Stamms wurde allerdings für weitere Tupp-Aktionen zurückbehalten. „Diesen Birnbaumklotz habe ich 1974 von Pongo (ein Urexweiler Bürger namens Edgar Klein, Anm. d. Red.) erhalten“, erzählt Stockhammer weiter. Zur besseren Verwendung ist das Stammteil in einen Metallring mit Kette eingefasst. Dieses Klotzstück wird seitdem beim Tuppen den Kandidaten aus allen vier Himmelsrichtungen gegen den Kopf geschlagen. Zuvor muss die Person einen Eid schwören, ihr Leben und ihre Aufgaben in der Dorfgemeinschaft mit allen Rechten und Pflichten wahrnehmen zu wollen.

So auch am Sonntag, als sich Roland John – seit 24 Jahren als Zugezogener in Urexweiler wohnhaft – offiziell in die Dorfgemeinschaft aufnehmen ließ. Ihm folgten unter großem Beifall der Dorffestgäste Kebap Kurt (Kurt Kubat) und dessen Ehefrau. Seit nunmehr 30 Jahren wohnen die aus der Türkei stammenden Eheleute nun in Urexweiler und sind mit Ihrem Imbissstand wohl jedem Urexweiler bekannt. Aber auch vor den jüngsten Ortsbewohnern machte das Tuppen nicht halt. Der fünfjährige Yanis mit seiner Mutter Anica Naumann ließ das Zeremoniell unaufgeregt und etwas erstaunt über sich ergehen.

Für die Ausführung des Aufnahmerituals stehen ausgesuchte Personen zur Verfügung, denn nicht ein jeder ist zum Tuppen berechtigt. Neben Obertuppmeister Fuzzi (Toni Brehm) obliegt auch dem jeweiligen Ortsvorsteher, momentan somit Ortsvorsteherin Margret Geiger, die Ausübung dieser Tätigkeit. Nach der Ursache des Tuppens befragt antwortet Toni Brehm: „Die Urexweller sind alle bekloppt, also müssen es auch alle Neubürger sein.“ Ortsvorsteherin Geiger hingegen hat hierfür eine etwas menschenfreundlichere Auslegung: „Das Tuppen fördert bestimmte Hirnregionen, die beim ungetuppten Normalbürger brachliegen. Es stärkt in der Folge die Intelligenz und den Charakter der betreffenden Person.“

Im Laufe der Jahre hat dieses Aufnahmeritual auch unter vielen Prominenten Gefallen gefunden. Der erste Promi-Getuppte war Dieter Thomas Heck. In einem 1976 ausgestrahlten Fernsehfilm mit dem Titel „Das Saarland für Ungetuppte“ war die Tuppszene mit dem TV- Moderator zu sehen. Damit war der Anfang gemacht. Es folgten weitere bekannte Persönlichkeiten des politischen und öffentlichen Lebens. So wurden unter anderem der ehemalige Ministerpräsident Peter Müller (CDU), Landrat Udo Recktenwald (CDU), die Bürgermeister Werner Laub (SPD) und Volker Weber (SPD), Marpingens Pastor Volker Teklik und am vergangenen Sonntag auch die stellvertretende Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) getuppt.

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