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Tornado im Saarland hinterlässt Bild der Verwüstung (Videos)

Bild der Verwüstung : Tornado in Urexweiler: „Bäume wie Streichhölzer durch die Luft geschleudert“ (Fotos & Videos)

Der Tornado in Urexweiler im Saarland hat mehr als 50 Häuser beschädigt. Durch den bis zu 70 Meter hohen Tornado waren große Bäume durch die Luft gewirbelt und auch Autos demoliert worden.

Update, 18. November, 18.14 Uhr: Wie hoch die Schaden nach dem Tornado in Urexweiler sind, lässt sich bisher noch nicht abschätzen. „So schlimm Schäden an Gebäuden, Fahrzeugen und anderem auch sind: Welch’ ein großes Glück, dass niemand verletzt wurde“, sagte Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD). Die Häuser seien größtenteils noch bewohnbar. „Eine Familie wurde bei Verwandten untergebracht“, so Dirk Schäfer, Leiter des Katastrophenschutzamtes beim Landkreis St. Wendel. Die Aufräumarbeiten nach dem Tornado im Saarland werden aber wohl noch Wochen dauern.

Update, 18. November, 13.23 Uhr: Die Aufräumarbeiten nach dem Tornado in Urexweiler laufen noch. Kachelmann-Wetterexperte Jens Motsch geht davon aus, dass der Tornado am Donnerstag tatsächlich um die 70 Meter Höhe hatte. „Das würde zum Schadensbild und den Videos passen“, sagte Motsch. Das Interview zum Tornado im Saarland lesen Sie hier.

Ursprungsmeldung: Am Donnerstagabend machten sich Innenminister Reinhold Jost (SPD) sowie der Marpinger Bürgermeister Volker Weber (SPD) und Urexweiler Ortsvorsteher Christian Bost ein Bild von der Situation vor Ort. In Urexweiler war gegen 14.45 Uhr eine Windhose durch den Ort gefegt. Die Zahl der beschädigten Häuser war zunächst auf gut 20 beziffert worden. Mittlerweile ist die Zahl deutlich angestiegen.

„Bäume wurden wie Streichhölzer durch die Luft geschleudert“

Jost sagte der Saarbrücker Zeitung, dass die Zahl der geschädigten Häuser auf insgesamt 50 angewachsen sei. Die Gemeinde habe am Nachmittag die Situation erlebt, wie machtlos der Mensch im Angesicht der Naturgewalt sei. „Wir haben Erlebnisse geschildert bekommen, wie Bäume – mannsdick – wie Streichhölzer durch die Luft geschleudert wurden“, sagte Jost der SZ. Bei dem Tornado waren demnach auch einige Autos demoliert worden. Der Sprecher der Feuerwehr kann die Zahl zwar nicht genau nennen, spricht aber kurz und knapp von „Vielen“

Personen wurden nicht verletzt. Weder bei der Feuerwehr noch bei den Anwohnern oder Helfern.

Von der Windhose waren laut Marpinger Bürgermeister Weber vor allem zwei Straßen stark betroffen gewesen. Am Donnerstag gab es Sicherungsarbeiten von Feuerwehr und THW an den Häusern. Etwa müssten Ziegel, die derzeit noch drohten herabzustürzen, gesichert, Planen über die abgedeckten Dächer angebracht werden. Die Feuerwehr war bis etwa halb zwei Uhr nachts im Einsatz, um die Dächer der beschädigten Gebäude notdürftig abzudecken. Dadurch konnte verhindert werden, dass der Starkregen in der Nacht weitere Schäden verursachte. So konnten auch alle Bewohner in ihren Häusern übernachten und mussten nicht in Notunterkünfte gebracht werden.

Bürgermeister Volker Weber hat bereits am Donnerstag angekündigt, am Freitag Container in den betroffenen Bereichen aufstellen zu lassen, damit die Bürger den größten Schutt entsorgen können.

Erneuter Einsatz am Freitagmorgen

Am Freitagmorgen wurde die Feuerwehr gegen 7:30 Uhr erneut alarmiert. In Remmesweiler drohte ein Baum umzufallen. Vor Ort mussten die Einsatzkräfte feststellen, dass ein Ast auf dem Dach und einer Photovoltaikanlage liegt. Hierzu wurde eine Fachfirma beauftragt, da dies keine Aufgabe für die Feuerwehr.

So erlebte ein Augenzeuge den Tornado in Urexweiler

Laut Augenzeugenberichten habe der Tornado große Schäden in der Illinger Straße und der Grubenstraße angerichtet. „Bäume sind umgestürzt, Dächer abgedeckt. Die Straßen und Höfe liegen voller Geröll“, schildert Thomas Martini. Der dreifache Familienvater hat live miterlebt, wie sich die Windhose entwickelte.

Augenzeuge in Urexweiler berichtet: Tornado wuchs auf etwa 70 Meter an

„Ich habe draußen an meinem Haus in der Dillwiesstraße gearbeitet und merkte, dass das Wetter immer schlechter wurde“, erzählt er. Auf einmal habe er ein lautes Donnern gehört – „als ob jemand einen Hänger voller Steine abgeschüttet hätte“. Unsicher, ob das Geräusch von einem Gewitter oder der nahegelegenen Baustelle stammte, versuchte er, den Ursprung zu lokalisieren. „Als ich Richtung Bergstraße schaute, sah ich, wie sich dort eine Windhose entwickelte. Etwa 250 Meter Luftlinie von mir entfernt.“ Innerhalb weniger Sekunden sei das Monster auf etwa 60 bis 70 Meter angewachsen.

Die Windhose sei bergab zur Illinger Straße, weiter runter bis zur Ill und auf der anderen Flussseite wieder bergauf bis zur Grubenstraße gefegt. Sie habe alles, was im Weg stand, weggerissen. „Ich habe nur noch Zeug rumfliegen sehen“, erzählt der 37-Jährige, der solch eine Naturgewalt bisher noch nicht erlebt hat. Um Fotos zu schießen, sei ihm keine Zeit geblieben. „Ich bin schnell ins Haus und habe die Rollläden runtergelassen. Ich wusste ja nicht, ob die Windhose vielleicht ihre Richtung ändern würde“, sagt Martini.

Ziegel flogen „wie wild durch die Gegend“

Als die Gefahr vorbei war, sei er durch in die Illinger Straße aufgebrochen, um den Anwohnern zu helfen. Ihm habe sich ein Bild der Verwüstung geboten. Etwa 20 Häuser seien stark in Mitleidenschaft gezogen worden. „Die Leute sind überfordert, das Wort Reizüberflutung ist auch gefallen“, berichtet der Urexweiler. Zwischenzeitlich habe es in Strömen geregnet. Die Feuerwehr sei angerückt. „Ich konnte in dem Moment leider nichts tun. Obwohl es so viel zu tun gegeben hätte. Aber die Einsatzkräfte mussten sich erst mal einen Überblick verschaffen.“

Straßen teilweise auch am Freitag noch gesperrt

Neben dem Einsatzschwerpunkt in Urexweiler musste die Feuerwehr St. Wendel auch im Bereich Remmesweiler, Oberlinxweiler sowie Niederlinxweiler aufgrund umgestürzter Bäume und verschmutzen Fahrbahnen ausrücken. Die B41 zwischen Oberlinxweiler und Niederlinxweiler war etwa 1,5 Stunden für den Verkehr gesperrt.

Auch auf der Autobahn 1 bei Dirmingen waren Bäume auf die Fahrbahn gestürzt, sodass die Fahrbahn teilweise gesperrt wurde, wie die Polizei am Freitagmorgen mitteilt.

Aufgrund der aktuell hohen Gefahr durch umstürzende Bäume wird die Landstraße zwischen Remmesweiler und Urexweiler noch bis Freitag gesperrt bleiben.

Feuerwehrsprecher bestätigt Vorfälle

Dies bestätigt Feuerwehrsprecher Lukas Becker, der aktuell vor Ort ist. „In der Grubenstraße und der Illinger Straße sind etwa 20 bis 25 Dächer abgedeckt“, teilt er am Donnerstagmittag mit. Die Helfer seien dabei, die Schäden zu begutachten und die Dächer abzusichern. Ob noch alle Gebäude bewohnbar sind, könne er zurzeit noch nicht sagen. „Die Fahrbahn ist mit Ziegeln bedeckt. Die waren hier wie wild durch die Gegend geflogen. Die Bäume sind nicht nur umgestürzt, sondern regelrecht abgeknickt“, erzählt Becker. Teilweise seien auch Stromleitungen beschädigt. „Ich gehe mal davon aus, dass die Haushalte in den beiden betroffenen Straßen ohne Strom sind“, sagt er. Neben den Feuerwehren der Gemeinde Marpingen, die von Helfern aus St. Wendel unterstützt werden, seien daher auch Mitarbeiter der Energis im Einsatz.

Katastrophenschutzbeauftragter des Landkreises schildert die Lage

In einem Video des Landkreises erläutert der Beauftragte für Katastrophenschutz im Landkreis St. Wendel, Dirk Schäfer, was passiert ist. „Gegen 14:45 Uhr ist, nach jetzigem Kenntnisstand, ein Tornado aus dem Eppelborner Ortsteil Dirmingen über Urexweiler, Richtung Remmesweiler und Oberlinxweiler gezogen“, beginnt Schäfer seine die Erklärung. In Urexweiler ging der Tornado durch bewohntes Gebiet. Schäfer spricht von einer Schneise mit einer Breite von etwa 200 Metern. Schon früh wurde der Alarm durch mehrere die Bewohner ausgelöst. Für die Feuerwehr bot sich vor Ort eine „noch nie dagewesene Lage“, wie Schäfer erläutert. An 53 Einsatzstellen mussten die Einsatzkräfte anpacken und über 40 Gebäude wurden laut Schäfer beschädigt. Unterstützung erhielt die Feuerwehr aus dem Landkreis St. Wendel auch von Helfern aus dem Landkreis Neunkirchen, da die Zufahrt nach Urexweiler teilweise eingeschränkt war, weshalb Feuerwehren aus St. Wendel nur schwierig an den Einsatzort kamen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Drohnenfotos und Bilder der Schäden: Urexweiler am Tag nach dem Tornado