1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. Marpingen

Schöne Zeit bei der Tagesmutter

Schöne Zeit bei der Tagesmutter

Um Tagesmutter zu werden, müssen etliche Auflagen des Jugendamtes erfüllt sein. Am wichtigsten dabei ist die Liebe zu den Kleinsten der Gesellschaft. Anette Fries hat alle Voraussetzungen erfüllt. Sie hat fünf Kinder in ihrer Obhut. Wir besuchten die 53-Jährige.

Als wir Anette Fries vor zwei Wochen erstmals begegneten, schob sie einen Kinderwagen mit vier Kindern durch das Gewimmel des Heusweiler Wochenmarktes. Ein weiteres Kind tippelte neben dem ungewöhnlichen Gefährt her. Neugierig fragten wir die Frau: "Sind Sie Mutter von Vierlingen"? Die Antwort: "Nein, ich habe die fünf Kleinen als Tagesmutter in der Obhut." Wir erfuhren, dass Anette Fries mit Ihrem Ehemann Robert im Heusweiler Ortsteil Berschweiler wohnt. "Besuchen sie uns und machen sich ein Bild von meiner Arbeit", schlug sie vor. Machten wir!

Wiese mit Spielgeräten

Beim Betreten des Anwesens fiel als erstes eine eingezäumte Wiese hinter dem Haus auf, mit Spielgeräten. Am Rande waren ein Kindertisch und -stühle, ein kleines Planschbecken und ein weiterer Tisch mit einem eingelassenen Sandkasten aufgebaut. Die Tagesmutter hatte für den SZ-Fotografen vier Kinder um den Sandkasten versammelt. Das fünfte weinte bitterlich und lief davon, weil es wohl Angst vor dem fremden Mann hatte. Anette Fries berichtet, dass sie und ihr Mann auch einen Raum im Haus als Spielzimmer eingerichtet und einige kindgerechte Änderungen in der Wohnung vorgenommen haben.

Wie kam die frühere Mitarbeiterin der Firma Schröder zu ihrem jetzigen Beruf? Sie erzählt: "1989, als unser Sohn Jens zur Welt kam, habe ich ab und zu auf Kinder aus der Nachbarschaft aufgepasst. Als ich in jenen Tagen von einer Bekannten gefragt wurde, ob ich nicht als Tagesmutter arbeiten wollte, informierte ich mich beim Jugendamt über die Bedingungen. Meine Entscheidung für den Beruf fiel sofort."

Jährliche Schulungen

Nachdem die heute 53-Jährige alle notwendigen Anforderungen der Behörde erfüllt und die Prüfung bestanden hatte, konnte sie die ersten Schützlinge übernehmen.

"Auch nach 25 Jahren habe ich meine Entscheidung nicht bereut, obwohl die Arbeit mit fremden Kindern nicht immer leicht ist. Ich habe Kinder immer noch genau so gerne wie damals, als ich anfing." Das Jugendamt verlangt von ihr jährliche Schulungen sowie Schwerpunktthemen für die Arbeit. In diesem Jahr habe sie "Waldpädagogik" gewählt.

"Die Kinder sollen die Natur erfahren und aus ihr lernen", erklärt sie. Spaziergänge oder Fahrten mit dem Bus nach Obersalbach zum Naturpark Kallenborn sind daher auch keine Seltenheit. Da die Familie Fries selbst Hühner, Enten und Kaninchen hält, lernen Kinder direkt am Haus, "wo die Eier herkommen", wie die Tagesmutter schmunzelnd berichtet.