Partysause und Wundenlecken

Nach dem haushohen Sieg des sozialdemokratischen Bürgermeisterkandidaten Volker Weber feierte seine Partei just dort ausgelassen, wo im September die CDU ihren Bewerber nominiert hatte.

 Vom Stuhl spricht Werner Laub zu den Anhängern. Neben ihm Volker Weber, Anke Rehlinger.
Vom Stuhl spricht Werner Laub zu den Anhängern. Neben ihm Volker Weber, Anke Rehlinger.
 Der unterlegene Manfred Wegmann erklomm einen Stuhl, um sich für die Hilfe zu bedanken.
Der unterlegene Manfred Wegmann erklomm einen Stuhl, um sich für die Hilfe zu bedanken.
 Symbolträchtig mit Kehrbesen, Putzeimer, Rechen wartete Sabine Nowaczyk im Marpinger Pavillon das Ergebnis ab. Wie in den Wochen zuvor, war sie mit blauem Klapprad da. Fotos: B&K (3)/hgn (2)
Symbolträchtig mit Kehrbesen, Putzeimer, Rechen wartete Sabine Nowaczyk im Marpinger Pavillon das Ergebnis ab. Wie in den Wochen zuvor, war sie mit blauem Klapprad da. Fotos: B&K (3)/hgn (2)
Partysause und Wundenlecken

Triumphaler Siegestaumel und Niedergeschlagenheit lagen am Sonntagabend räumlich ganz dicht beieinander. Während der künftige Marpinger Bürgermeister Volker Weber (SPD ) mit seinen Getreuen in der Klosterschänke ein rauschendes Fest zelebrierte, standen nur wenige Meter weiter in Beates Pilsstube der unterlegene Manfred Wegmann und sein Team zusammen, trugen Trauermiene.

Dabei hatte der Polit-Neuling Wegmann, den die CDU im Kampf um den Verwaltungschefposten ins Rennen geschickt hatte, ein paar Tage zuvor während der SZ/SR-Podiumsdiskussion noch optimistisch erklärt: "Man muss nicht direkt aus der Politik kommen." Der 57-Jährige spielte auf den Waderner Rathausleiter Jochen Kuttler an. Der ist eigentlich Journalist. Also wie Kfz-Meister Wegmann Quereinsteiger. Darum rechnete er sich durchaus Chancen aus, das Rennen gegen den jungen Polit-Profi Weber (31) zu machen. Obwohl er erst seit anderthalb Jahren Ortsvorsteher seines Heimatdorfes Marpingen ist.

Doch noch nicht einmal dort hat Wegmann die Wählermehrheit für sich gewonnen. Lediglich 36,86 Prozent votierten für den Christdemokraten.

Gemeindeweit räumte sein 31-jähriger Kontrahent Weber ab. 3429 Wähler stimmten für ihn, was 57 Prozent entspricht. Auf Wegmann entfielen 2161 Stimmen (35,9 Prozent). Einzelbewerberin Sabine Nowaczyk (parteilos) erzielte 428 Stimmen (7,1 Prozent).

Nichtsdestotrotz stieß der unterlegene Wegmann mit denen an, die ihn seit Monaten im Wahlkampf unterstützt hatten, darunter auch zahlreiche Vertreter der Parteikaderschmiede Junge Union (JU). "Wir haben mit mehr gerechnet", gestand Marpingens CDU-Vorsitzender Karl Rauber. Und lobte: "Wir hatten einen guten Kandidaten. Er hat alles gegeben." Dies sah auch Kreis-Unionschef Andreas Veit so. Dennoch: "Die Überraschung ist uns nicht gelungen." Die Enttäuschung war Wegmann anzusehen, der dennoch seine Mannschaft für die kommende Arbeit aufzumuntern versuchte.

Ganz anders die Stimmung bei den Sozialdemokraten. Sie feierten ausgelassen den Sieg ihres Kandidaten - ausgerechnet dort, wo die Union ihren Herausforderer im September inthronisiert hatte. Die Redner überschlugen sich förmlich vor Begeisterung. Der strahlende Gewinner Weber bedankte sich in dem proppenvollen Saal insbesondere bei seiner Familie. Ihm rann im völlig aufgeheizten Saal der Schweiß, während er sich an seine Anhänger wandte, erhöht auf einem Stuhl stehend. Den erklomm anschließend SPD-Kreisvorsitzender Magnus Jung . Er habe nie an einem Wahlsieg gezweifelt. "Ich freue mich wie ein kleines Kind." Vor Selbstvertrauen strotzend ließ er wissen: "Wir stellen im Landkreis St. Wendel vier von acht Bürgermeistern. Das heißt: Ohne die SPD geht nichts."

Um gemeinsam auf den Erfolg anzustoßen, machte Jung sein Versprechen wahr, stiftete noch am Abend ein 50-Liter-Bierfass. Der scheidende Bürgermeister Werner Laub wollte sich da nicht lumpen lassen: "Wenn das ausgeht, gebe ich auch eins aus." Jubel brandete auf.

Selten haben Beobachter einen in der Öffentlichkeit so gelöst heiteren Laub gesehen, der, ebenfalls auf dem Stuhl stehend, in die Menge rief: "Das ist ein richtig geiles Gefühl. Ich mache heute einen drauf und brauche morgen einen Vertreter." Womit er auf seinen designierten Nachfolger Weber anspielte, der ohnehin als bislang Erster Beigeordneter sein Stellvertreter ist.

Einzelbewerberin Sabine Nowaczyk hatte abgeschieden beim Marpinger Pavillon in der Dorfmitte das Wahlergebnis abgewartet. An diesem Ort war sie während der zurückliegenden Wochen mehrmals aufgetaucht, um mit Bürgern über deren Wünsche zu reden. Ansonsten hielt sich die Hülzweilerin (52) mit öffentlichen Auftritten zurück.