Marpingen möchte die Gesamtschule im Ortszentrum halten

Kostenpflichtiger Inhalt: Großprojekt in Marpingen : Bildungs- und Sportcampus soll Probleme lösen

Projektskizze für den künftigen Marpinger Ortskern wurde vorgestellt: Geplantes Großprojekt im Alsbachtal wird langsam konkreter.

Nein, es geht nicht um Handball. Dennoch möchte Marpingen, wo derzeit die Moskitos die dritte Handball-Liga durchwirbeln, den großen Wurf landen. „Es gibt mehrere große Herausforderungen, die die Gemeinde Marpingen in den kommenden Jahren zu bewältigen hat“, sagt Bürgermeister Volker Weber (SPD). Das fängt mit der 2008 eingeweihten Grundschule an – beziehungsweise mit mangelndem Platz für die Nachmittagsbetreuung. Das gleiche Problem plagt die angrenzende Gemeinschaftsschule, deren Träger der Landkreis St. Wendel ist. Der kommunale Kindergarten samt Krippe in Alsweiler ist ob des Bedarfs an Betreuungsplätzen in der Gemeinde ebenfalls an seine Kapazitätsgrenze gestoßen. Das Marpinger Sportheim des FC Hellas ist stark sanierungsbedürftig – oder, wie Bürgermeister Weber sagt, neubaubedürftig. Gleiches gilt für den Kunstrasenbelag im Alsbachstadion. Die Cafeteria der benachbarten Sporthalle könnte einen behindertengerechten Zugang vertragen. Und nicht zuletzt ist die Marienstraße ein Problem, beziehungsweise der Verkehr dort.

Vor allem morgens vor Schulbeginn und mittags nach Schulschluss. Dann stauen und behindern sich in dem verkehrstechnischen Flaschenhals zahlreiche Elterntaxis und Busse. „18 Busse müssen innerhalb weniger Minuten in die Marienstraße rein und wieder raus“, berichtet Florian Rech, Sprecher der Marpinger Kommunalverwaltung.

Nun hätte man hingehen und peu à peu sämtliche Punkte abarbeiten können. Oder man fasst alle Einzelposten in einem Großprojekt zusammen und geht das Konglomerat in einem Guss an. Marpingen hat sich für die zweite Variante entschieden. Denn im Juni 2018 beschloss der Gemeinderat die Vergabe einer konzeptionellen Grobplanung für die Dorfmitte. Damit beauftragt wurde das Illinger Planungsbüro Kernplan. Die Konzeption ist inzwischen fertig und wurde den Mitgliedern des Gemeinderats in deren jüngster Sitzung vorgestellt.

In der Projektskizze wandert die Grundschule von ihrem aktuellen Standort in den Bereich des jetzigen Mitfahrerparkplatzes und des Bolzplatzes am Hellasheim. Das soll komplett abgerissen und an die Stirnseite der Sporthalle samt Umkleidekabinen angebaut werden. Das Dach des Sportheims könnte dann der Cafeteria als Terrasse und behindertengerechter Zugang dienen. Angedacht ist auch der Bau einer Erschließungsstraße entlang des Alsbachs – so bautechnisch möglich. Dafür müsste die Tartanbahn weichen und der Fußballplatz selbst verkleinert beziehungsweise in Richtung Stehränge verschoben werden. Die jetzige Grundschule würde Marpingen an den Landkreis St. Wendel veräußern, womit laut Weber, der sich dabei auf ein Gespräch mit der zuständigen Stelle im Landratsamt bezieht, der Raumbedarf für die Gesamtschule abgedeckt wäre. Dazu gab es wohl auch schon erste Gespräche zwischen Landrat Udo Recktenwald (CDU) und Weber, wozu der Bauausschuss den Bürgermeister im September einstimmig beauftragt hatte.

Die neue Grundschule würde größtenteils über die Berschweilerstraße und die Straße Zum Flugplatz angefahren. Auch müssten die Schulbusse, die die Gesamtschüler transportieren, nicht mehr durch die Marienstraße zurückfahren, sondern könnten die neue Erschließungsstraße nutzen. „Das alles würde die Marienstraße verkehrstechnisch enorm entlasten“, sagt Weber.

Die Kosten des Projekts „Bildungs- und Sportcampus Ortsmitte Marpingen“ betragen schätzungsweise zwischen 15 und 16 Millionen Euro. Ein ordentlicher Batzen für die Kommune. „Das geht nur mit Zuschüssen und Landesmitteln. Dafür gilt es jetzt zu streiten, zu kämpfen und zu werben“, sagte Weber gegenüber der Saarbrücker Zeitung. In der jüngsten Gemeinderatssitzung betonte er, dass er genau jetzt ein Zeitfenster sehe, in dem es sinnvoll sei, das Großprojekt anzugehen. Weber betonte zudem, dass es sich bei der Projektskizze um einen Entwurf handele, um einen Vorschlag, „dessen Details noch genau abgestimmt werden müssen“. Grundsätzlich sei es ihm aber wichtig, „dass wir so viel Infrastruktur in der Ortsmitte halten wie möglich. Andere Kommunen geben viel Geld aus, um den Innenbereich zu beleben. Hier ist alles da“. Somit erteilte er auch einem CDU-Antrag eine Absage.

Die Christdemokraten hatten zwar im Bauausschuss dem geplanten Vorgehen der Gemeinde zugestimmt, aber dennoch einen eigenen Ergänzungsantrag in die Ratssitzung eingebracht. Darin heißt es: „Vom Grundsatz her waren sich die Fraktionen einig, das Konzept auf fachliche und finanzielle Machbarkeit prüfen zu lassen.“ Das vorliegende Konzept beziehe sich aber ausschließlich darauf, die Ortsmitte baulich so zu verändern, dass alle Einrichtungen auch weiter dort untergebracht seien. „Aus unserer Sicht ist es wert, sich über ein Alternativkonzept Gedanken zu machen. Denn mit der Umsetzung der jetzigen Projektskizze wäre eine künftige Weiterentwicklung des Ortszentrums nicht mehr möglich.“ Daher sollte der Bürgermeister nach dem Willen der CDU beauftragt werden, Gespräche mit den zuständigen Stellen zu führen und zu klären, ob die Gemeinschaftsschule nicht an einen anderen Standort verlegt werden könnte. Sollte es einen alternativen Standort geben, wäre dieser zu bevorzugen.

Mit diesem Ansinnen traf die CDU bei den anderen Ratsmitgliedern jedoch auf wenig Gegenliebe. Zumal Weber nach eigener Aussage ja bereits vom Bauausschuss beauftragt wurde, mit dem Schulträger abzuklären, wo genau dieser den besten Standort und die Lösung seines Platzproblems sieht. SPD-Fraktionsführer Lars Vogel wollte in der anschließenden Diskussion von der CDU wissen, was denn genau bei einem Neubau der Gesamt-
schule mit dem Altbau geschehen sollte. Doch darauf gab es keine Antwort. Im zurückliegenden Kommunal-Wahlkampf hatte die CDU jedoch für eine Eventhalle in Marpingen geworben.

Blick von der Sporthalle ins Alsbachstadion: Die Tartanbahn links soll weg und stattdessen eine Straße neben den Alsbach gebaut werden. Auch das Clubheim des FC Hellas soll abgerissen und auf der gegenüberliegenden Seite neu gebaut werden. Foto: Gemeinde Marpingen/Florian Rech

„Uns ist es wichtig klarzustellen, dass es nicht nur diese eine Möglichkeit gibt“, positionierte sich CDU-Fraktionsführer Peter Kessler. Daher würde es seine Fraktion nicht verstehen, wenn die SPD den Ergänzungsantrag der CDU ablehne. Vogel entgegnete, dass es klar sei, dass es mehr als eine Möglichkeit gebe, „und dem trägt der Beschluss des Bauausschusses Rechnung“. SPD-Mitglied Alfred Neis sprach von einem „Verzögerungsantrag“. Kessler wollte daraufhin wissen, warum die Genossen im Ausschuss befürwortet hätten, dass Weber Gespräche mit dem Landrat führt, wenn die SPD doch gar keine Verlagerung wolle. Daraufhin entgegnete der Bürgermeister, dass der Landkreis ja nun mal der Entscheidungsträger sei. „Wir reden über ein Gebäude, das der Gemeinde nicht gehört.“ Sollte der Landkreis einen Neubau auf der grünen Wiese – möglicherweise neben dem Wertstoffhof – favorisieren, dann sei das so hinzunehmen. Aber die Stoßrichtung für Marpingen sollte klar sein: Die Schule soll im Ort bleiben und nicht ausgelagert werden. Und so wurde der CDU-Antrag mehrheitlich abgelehnt.

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