Maria zu Ehren

Vor 140 Jahren soll drei Marpinger Mädchen die Muttergottes im Härtelwald erschienen sein. Auch wenn die Kirche die „Erscheinungen“ nie anerkannt hat, ist der Härtelwald eine Pilgerstätte für Gläubige weit über die Region hinaus. 40 000 Besucher kommen jedes Jahr, so die Rechnung der Gemeinde. Ab Samstag feiert Marpingen „140 Jahre Härtelwald“ mit einer Jubiläumswoche.

Das junge Grün der Blätter ist überwältigend, das Konzert der Vögel nicht zu überhören. Kaum eine Menschenseele ist am Donnerstagmorgen auf dem Kreuzweg im Härtelwald zu sehen. Andächtig betet ein Mann an der lebensgroßen Kreuzigungsgruppe. Ein anderer kommt mit seinem Hund vom Morgenspaziergang zurück. In der Marienkapelle brennen Kerzen. Draußen sind zwei Mitarbeiter der Gemeinde dabei, die Beete zu pflegen. Eine Momentaufnahme am frühen Morgen.

Am Nachmittag ist deutlich mehr Betrieb im Härtelwald. Unter anderem ist ein Bus mit Pilgern angereist. Gläubige zieht es das ganze Jahr über zu der Marienverehrungsstätte. Und das seit 140 Jahren. Die Gemeinde schätzt die Besucherzahl auf 40 000 im Jahr. Mit einer Pilgerwoche feiern Kirchen- und Zivilgemeinde das Jubiläum 140 Jahre Härtelwald. Die Jubiläumswoche beginnt diesen Samstag, 14. Mai, mit der Abendmesse um 19 Uhr in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt in Marpingen .

"Für viele Marpinger und darüber hinaus ist der Härtelwald ein wichtiger Ort", sagt Pastor Volker Teklik: "Dort finden sie Zuflucht." Für ihn und sein Seelsorgeteam ist die Wallfahrtsstätte von großer Bedeutung, regelmäßig gibt es Andachten in der Kapelle, zwei Mal im Jahr hat der Trierer Bischof dort Pilgermessen erlaubt, die gut angenommen werden. "Viele Pilgergruppen sind auch in unserer Pfarrkirche zu Gast", so Teklik.

Die Marienverehrung in der Kirchengemeinde hat eine lange Tradition. Vor rund 500 Jahren an einem 23. Mai legten die Marpinger ihr Mariengelübde ab, damit die Gottesmutter sie vor einer Seuchengefahr schütze. Die Pilgerwoche endet übrigens genau an diesem Gelübdetag mit einem Gottesdienst um 19 Uhr an der Marienquelle im Härtelwald.

"Für die Marpinger ist der Härtelwald identitätsstiftend", ist sich Bürgermeister Werner Laub sicher. Auf der anderen Seite habe er auch eine touristische und wirtschaftliche Bedeutung. Laub: "Der Härtelwald ist beides, eine religiöse Stätte für die, die Trost suchen, aber auch ein Naherholungsgebiet." Dazu zählt er die Wander- und Pilgerwege rund um die Pilgerstätte und die Kneippanlage nahe der Quelle.

Zur Marienverehrungsstätte Härtelwald gehören die eigentliche Kapelle mit einer Außenverehrungsstätte und einem Besucherzentrum, der Kreuzweg mit 14 Stationsbildern. Dieser führt den Hang hinauf an die etwa 400 Meter entfernte Marienquelle mit einer überdachten Andachtsstätte und einer Kneippanlage.

Die schlichte Kapelle selbst ist in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts an der Stelle gebaut worden, an der die Muttergottes am 3. Juli 1876 erstmals drei achtjährigen Mädchen aus Marpingen erschienen sein soll. So heißt es in den umfangreichen Informationen, die die Gemeinde zusammengestellt hat. Der Kreuzweg an dem steil ansteigenden Waldweg von der Kapelle bis zur Quelle wurde 1962 angelegt, die Kreuzigungsgruppe Ende der 60er-Jahre aufgestellt.

Die Quelle befindet sich mitten im Härtelwald. Bereits unmittelbar nach den "Marienerscheinungen " 1876 und ersten vermeldeten Heilungen rückte die Quelle in den Mittelpunkt des Interesses von Pilgern. Sie wurde noch im 19. Jahrhundert gefasst und später durch eine provisorische Andachtsstätte und eine kleine Badeanstalt erweitert. Das mit Quellwasser versorgte Bad war bis in die 70er-Jahre in Betrieb.

2002 übernahm die Gemeinde das zuvor an einen Kapellenverein verpachtete Gelände, renovierte die Wallfahrtsstätte in den folgenden Jahren und baute diese aus. So wurde die Kapelle saniert, das Umfeld neu gestaltet, ein kleiner Verkaufspavillon zu einem Besucherzentrum ausgebaut.

Die Kreuzigungsgruppe wurde 2010/2011 restauriert. Die Quelle wurde ab 2005 saniert und umgestaltet. Dort entstand eine neue Andachtsstätte mit einer Stele zur Wasserentnahme.

Am Standort des abgerissenen Badehauses wurde eine Wasseraufbereitungsanlage gebaut. Hier gibt es nun wie am Verkaufspavillon Toiletten. Seit 2011 existiert eine Kneippanlage mit Tret- und Armbecken, ebenfalls von Quellwasser gespeist. Ausgebaut wurden ebenfalls die Parkplätze rund um die Wallfahrtsstätte. Insgesamt investierte die Gemeinde Marpingen 2,5 Millionen Euro, 1,75 Millionen davon kamen als Zuschuss vom Saarland. > Seite C3: weiterer Bericht

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Auf einen Blick 140 Jahre Härtelwald, das wird mit einer Jubiläumswoche 23. Mai gefeiert. Die Veranstaltungen haben die Kirchen- und Zivilgemeinde sowie die Stiftung Marpinger Kulturbesitz organisiert. Die Pilgerwoche soll über das Jubiläumsjahr hinaus künftig ein fester Bestandteil des Veranstaltungsprogrammes im Härtelwald werden. Das Programm im Überblick: Samstag, 14. Mai: 19 Uhr: Auftakt ist die Vorabendmesse in der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt Marpingen . Pfingstsonntag, 15. Mai, 10.30 Uhr: Pontifikalamt mit Weihbischof Robert Brahm in der Pfarrkirche St. Mauritius Alsweiler. Pfingstsonntag, 15. Mai, 15 Uhr: Geistliches Konzert mit Tanja Endres-Klemm und Helga Koster im Kulturzentrum Alte Mühle in Marpingen . Pfingstmontag, 16. Mai, 17 Uhr: Geistliches Konzert mit Theateraufführung mit dem Kammerchor Belle Canto und dem Theater- und Karnevalverein Alsweiler an der Marienquelle im Härtelwald. Mittwoch, 18. Mai, 18 Uhr: Musikalische Andacht mit dem Glockenkreis Selbach und Pastor Volker Teklik an der Marienquelle im Härtelwald. Freitag, 20. Mai, 14 Uhr: Marien-Rallye für Kinder von der Pfarrkirche bis zur Marienkapelle. Samstag, 21. Mai, 14 Uhr: Wanderung auf dem Marien-Rundweg im Anschluss an eine Andacht in der Marienkapelle. Anmeldung beim Kulturamt der Gemeinde, Kristin Klos, Tel. (0 68 53) 9 11 61 22. Sonntag, 22. Mai, 15 Uhr: Andacht in der Marienkapelle im Härtelwald . Sonntag, 22. Mai, 16 Uhr: Eröffnung der Ausstellung "Marpingen , das deutsche Lourdes - 140 Jahre Härtelwald" in der Alten Mühle. Montag, 23. Mai, 19 Uhr: Abschluss der Pilgerwoche ist die Sternwanderung mit anschließender heiliger Messe an der Marienquelle im Härtelwald. Beginn der Messe ist um 19 Uhr. red