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Loriot-Theaterabend in Alsweiler

Loriot : „Ein Klavier, ein Klavier!“

Die Schauspieler der Theatergruppe „Steinlaus“ brachten in Alsweiler Sketch-Klassiker von Loriot auf die Bühne.

„Ein Klavier, ein Klavier!“ Wer kennt ihn nicht, den unvergleichlichen Sketch mit der Familie Hoppenstedt, die sich im Wohnzimmer versammelt, um unter der pingeligen Regie von Papa Hoppenstedt die bevorstehende Anlieferung des von der Mutter väterlicherseits vererbten Instruments feierlich zu zelebrieren. Dieser und viele andere Sketche haben durch die einzigartige Präsentation von Loriot (alias Vicco von Bülow) und Evelyn Hamann Kultcharakter erreicht. Mehr als 100 Theaterfreunde erlebten diesen und weitere Loriot-Sketche am Samstag im Pfarrheim in Alsweiler.

Das Kulturamt der Gemeinde Marpingen hatte diesen außergewöhnlichen Abend mit der Amateurtheatergruppe „Steinlaus“ aus dem rheinland-pfälzischen Flonheim geplant. Für die Pfälzer Schauspieler war es eine Saarland-Premiere. Der Kontakt zur Gruppe kam über Ensemblemitglied Reinhold Schmudde zustande. „Herr Schmudde stammt aus unserer Gemeinde und ist heute noch Mitglied der Marpinger Gruppe Samba Total. Für viele unserer Besucher wird heute die Begegnung mit den Loriot-Sketchen, dargestellt von anderen Schauspielern auf der Bühne, zu einem neuen Erlebnis“, erklärt Gregor Hinsberger vom Marpinger Kulturamt.

Schwungvolle Marschmusik läutet den Theaterabend ein. Es geht los mit dem bekannten Sketch der Nachrichtensprecherin, die beim Verlesen einer Meldung zunehmend über den für die kontinentale Zunge ungewohnten „th“-Laut stolpert. Steffi Leidenheimer mimt diese Rolle hervorragend. Bis zum letzten Punkt rezitiert sie den Text, kampfhaft bemüht, nicht die Fassung und den roten Faden zu verlieren.

Das Bühnenlicht blendet aus. Bistro-Musik erklingt und leitet zum nächsten Sketch über. „Obwohl jeder diesen Text fast schon auswendig kann und weiß, was kommt, ist es immer wieder ein Lachgenuss, wenn man ihn hört“, sagt eine begeisterte Besucherin. So ist es. Das Publikum verfolgt diesen und andere wohl bekannte Sketche hochamüsiert.

Loriot bringt in seinen Sketchen Szenen aus dem Alltagsleben so trocken auf die Spitze, hinterlegt mit seinem unvergleichbar bissig-liebevollen Humor. Nicht ohne Grund wird Loriot auch heute noch als der Meister des feinsinnigen Humors gefeiert.

Die Steinlaus-Theatergruppe gibt in Alsweiler in einem zweistündigen Programm Sketch-Klassiker wie „Das Frühstücksei“, „Schmeckt’s?“, „Interview im K 2000 Bunker“, „Der Lottogewinner“ und die „Herren im Bad“ auf die Bühne. Das Ensemble verkörpert überzeugend die von Loriot scharfsinnig beobachteten und in seine Sketche verpackten Alltagssituationen.

Verblüffend ist die Ähnlichkeit des Schauspiels von Michael Ritter mit Loriot. Sein monotoner Tonfall, seine trockene Aussprache und gar seine beinahe lethargische Mimik kommen dem Vorbild ungeheuer nahe. Bemerkenswert ist auch Sven Blumers Interpretation der Loriot-Figuren. Mit einer bestechend-trockenen Beharrlichkeit in seiner Stimme mimt er unter anderem in dem Sketch „Schmeckt’s?“ den Restaurantbesucher, der verzweifelt versucht, sein Mahl zu sich zu nehmen, immer wieder gestört von den Kommentaren der Protagonisten im Lokal.

Auch der Schauspielnachwuchs, Lara und Lilli Ritter, spielen ihre Rollen mit Bravour. Die Begeisterung für die Bühne ist von Vater Michael Ritter auf die die zehn- und zwölfjährigen Mädchen übergesprungen.

Bewundernswert ist der Ernst, mit dem die Schauspieler ihre Rollen, die geradezu zum Lachen ermuntern, präsentieren, während im Publikum nach Herzenslust gelacht werden darf. „Wenn wir in den Proben unsere Stücke einstudieren, lachen wir auch schon mal“, verrät Michael Ritter. Die Sketche orientieren sich in ihrer langsamen, akkuraten Spielweise haarscharf am Original. Mit sparsam eingesetzter Mimik und Gestik mimt jeder seine Rolle. „Unser Publikum will die Loriot-Sketche so sehen, wie es sie kennt“, verrät Michael Ritter.

Foto Loriot Nachrichtensprecherin: Steffi Leidenheimer liest sich mit Fassung durch den „th“-Dschungel einer Nachricht. Foto: Marion Schmidt Foto: Marion Schmidt

Das bestätigt auch Besucherin Anja Hille aus Augsburg: „Mir gefällt die Familie Hoppenstedt am besten. Die Sprechweise hat mich sehr an Loriot erinnert.“ Karsten Grausam aus Leitzweiler ist begeistert von dem unterhaltsamen Theaterabend und macht in der ersten Spielhälfte eine besondere Beobachtung: „In einer Restaurantszene dachte ich, jetzt lachen die Darsteller doch gleich los, weil einer wohl unbeabsichtigt ein Bäuerchen losgelassen hat.“ Auch Edith Marx aus Güdesweiler lobt am Ende den gelungenen Theaterabend: „Ich bin begeistert. Das war kurzweilige, erfrischend herzhafte Unterhaltung.“