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Lässig lernen: Faust im Film und auf der Bühne

Lässig lernen: Faust im Film und auf der Bühne

Kursarbeit mal anders: Das erlebten Schüler der Gemeinschaftsschule Marpingen. Sie näherten sich Johann Wolfgang Goethes „Faust“ nicht auf vollgeschriebenen DIN-A4-Seiten, sondern gestalteten eine Szene auf der Bühne oder auf Video. Die Ergebnisse wurde jetzt vorgestellt.

"Das also war des Pudels Kern?", "Ich bin der Geist, der stets verneint.", "Es irrt der Mensch, solang' er strebt." Jedem, der sich für klassische Literatur interessiert, sind diese Sätze aus Johann Wolfgang Goethes Tragödie "Faust" geläufig. Und so steht dieses Meisterwerk stets auf dem Lehrplan der Abiturklassen. In der Gesamtschule Marpingen beschritt man neue Wege, um Schülern diesen Klassiker zu vermitteln. Der Lehrplan für die Abiturklassen im Fach Deutsch macht es möglich: Eine von vier Kursarbeiten im Schuljahr kann seit neuestem durch eine mündliche Arbeit ersetzt werden. Elf Schülerinnen der Klasse 12b wählten dazu mehrere Szenen aus der Tragödie, die sie szenisch umsetzten und anschließend präsentierten.

Zur Auswahl stand eine szenische Umsetzung oder eine Verfilmung. Letztere wurde von zwei Gruppen gewählt. Hanna Roßfeld, Sofie Hoffmann und Joline Bauer gelang es mit der filmischen Umsetzung der Szene "Martens Garten", die Erotik im Spiel der Figuren, musikalisch und tänzerisch durch einen Tango begleitet, in mitreißender Weise darzustellen. Celine Metzger, Lisa Gard und Janina Lerner überraschten mit einer modernisierten Gestaltung der ersten Gretchenszenen, die sich dabei aber im Text genauestens am Original orientierte. Gleich an drei Orten wurde gedreht, Musik eingespielt und das Material professionell zu einem Gesamtwerk zusammengeschnitten. Das Ergebnis ist umwerfend: ein Gretchen, das auf Madonnas "Like a Virgin" tanzt. Ein Faust, der gierig nach dem Mädchen trachtet. Und ein weiblicher Mephisto, der Faust, aber auch die Zuschauer in den Bann zieht. Eine dritte Gruppe wählte die Szene "Hexenküche", die sie als Theaterstück inszenierte: Hierbei wurde beim Bühnenbild selbst auf kleinste Details geachtet. So brodelten im Hexenkessel Knochen eines menschlichen Gerippes. Fausts Blick in den Spiegel, in dem er Helena erblickt, wurde begleitet von Helene Fischers "Atemlos". Jana Klein und Zoé Vignal (die Tiere), Vanessa Pesch als Hexe, Sally König als Faust und in der Paraderolle Johanna Petermann als Mephisto spielten grandios und absolut textsicher. Alle Kostüme und Masken waren hervorragend gewählt, die Bewegungen auf der Bühne sorgsam und bewusst einstudiert, Gestik, Mimik und Stimmlage zielgerichtet eingesetzt.

Die "Hexenküche" wurde nach der schulinternen Präsentation erneut am Tag der offenen Tür vor einem größeren Publikum in der Aula der Gesamtschule aufgeführt. Der minutenlange Applaus der Zuschauer bestätigte die hohe Qualität der Aufführung.

Alle drei Gruppen waren in der Erarbeitungszeit auf sich alleine gestellt und wählten alle Details der Umsetzung eigenständig aus. Das Ergebnis zeigt, dass auch heute noch junge Menschen für literarische Klassiker, für Verssprache und Theater zu begeistern sind.