Klimawandel und Privatwald waren Themen eines Vortrags in Alsweiler

Votrag in Alsweiler : Wie lässt sich der Wald retten?

Experte erklärt: So ist es um die Gesundheit der Bäume bestellt.

„Unser Wald ist klimakrank“: So lautete die Kernbotschaft eines Fachvortrages vor rund 50 Privatwaldbesitzern im Alsweiler Schützenhaus. Der Klimawandel und die Zukunft des Privatwaldes waren Thema einer Vortragsveranstaltung, zu der die Forstbetriebsgemeinschaft Saar, ein Zusammenschluss von Privatwaldbesitzern und einzelnen Kommunen im Saarland, geladen hatte.

Ulrich Matthes, Klimaexperte und Mitarbeiter im Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen der Forschungsanstalt für Waldökologie und Forstwirtschaft Rheinland-Pfalz, gab den Zuhörern umfangreiche Informationen zur klimatischen Situation als auch Anregungen zu einer künftigen Waldbewirtschaftung.

„Seit 1990 nimmt die jährliche Durchschnittstemperatur rasant zu, im Saarland mittlerweile um insgesamt 1,6 Grad Celsius. Dieser Wert liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt an der Obergrenze der Temperaturzunahme und ist schon bedenklich“, so der Experte. Im Laufe der vergangenen Jahrzehnte habe sich auch die „phänologische Uhr“, das heißt der Zeitpunkt von Laubaustrieb und Laubfall der Bäume, entscheidend verändert. Mittlerweile seien die Winter um 16 Tage kürzer, das Frühjahr und auch der Herbst setzten deutlich früher ein. „Die Bäume verdunsten nun mehr Wasser und das macht ihnen oft Probleme“, berichtete Matthes. Der Wald müsse darüber hinaus extreme Klimasituationen wie Hitzewellen, Orkane und Starkregenereignisse bewältigen. „Die Witterungsvariabilität hat zugenommen und auch hierauf können sich die Bäume nicht einstellen, ohne Schaden zu nehmen“. Die trocken warme Witterung fördere zudem die Einwanderung neuer bisher nicht einheimischer Konkurrenzpflanzen wie Stechpalme und Kirschlorbeer. Außerdem werde hierdurch die Populationsentwicklung von Waldschädlingen wie Borkenkäfer (Fichte), Gallmücke (Douglasie) oder Gallwespe (Esskastanie) gefördert. Ein weiteres Negativkriterium sei der zu verzeichnende Blattverlust. „Die Bäume blühen und fruchten stärker. Dadurch wird die Blattbildung aufgrund Nährstoffmangels rückläufig, die Baumkronen lassen mehr Licht auf den Waldboden, was zu weiteren Nachteilen für die Bäume führt“, erklärte der Fachmann.

Zur künftigen Bewirtschaftung des Privatwaldes appellierte Matthes, auf Baumartenvielfalt und Bestandsverjüngung mit klimastabilen, Wärme und Trockenheit ertragenden Baumarten zu setzen. Weiterhin sei die Stabilität und Vitalität des Waldes durch eine saubere Waldwirtschaft mit guter Durchforstung, rascher Entfernung kranker Bäume, Kontrolle von Konkurrenzpflanzen und durch Bodenschutzkalkungen zu gewährleisten. Wie der Klimaexperte weiter ausführte, ist die Fichte klimalabil, sie gehört in höhere Mittelgebirgslagen. „Wir sollten die Sukzession (natürlich nachwachsende Pflanzenfolge) fördern und in Reinbestände Buchen oder Douglasien reinbringen. Auch Eiche und Kiefer werden weiterhin geeignet sein, nicht jedoch in den Tiefenlagen“, so der Ratschlag des Experten. Zu den Baumarten, die sich in die Bestände integrieren lassen und durch Krankheiten und Schädlinge weniger gefährdet sind, zählen etwa Laubbäume wie Felsenahorn, Baumhasel, Blumenesche und Zerreiche oder aber unter den Nadelhölzern die Atlas-Zeder, die korsische Schwarzkiefer und die griechische Tanne.

In der anschließenden Diskussion wurde bemängelt, dass in den Baumschulen derzeit kein geeignetes Auf- und Nachzuchtmaterial zur Verfügung steht. Daher könne momentan nur die Naturverjüngung zur Anwendung gelangen, nicht aber die Nachpflanzung mit herkunftsgesicherten klimaresistenten Baumarten.

Abgestorbene Fichten, die die Trockenheit der vergangenen zwei Jahre nicht überstanden haben, stehen zwischen gesunden Nadel- und Laubbäumen in einem Waldgebiet im Landkreis Märkisch-Oderland. Auch im Saarland gibt es Schäden, allerdings nicht allerorten. Dennoch sollten Privatwaldbesitzer auch hierzulande verstärkt auf Baumartenvielfalt und Bestandsverjüngung mit klimastabilen Baumarten setzen, empfiehlt ein Experte. Foto: ZB/Patrick Pleul

„Wir müssen alle Potenziale des jeweiligen Standortes ausnutzen, das Ausfallrisiko streuen und dennoch die Vermarktung im Blick behalten. Keinesfalls sollten wir ausschließlich zur Gewinnung zugesagter Förder-mittel pflanzen und nicht geförderte Baumarten ausgrenzen, die gute Anwuchsfähigkeiten haben“, so die abschließende Empfehlung von Michael Klein, dem Vorsitzenden der Forstbetriebsgemeinschaft Saar.

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