Karnevalisten kirchlicher Vereine kamen zum Nostalgietreffen in Marpingen zusammen

KKV-Nostalgietreffen in Marpingen : Faasendbooze schwelgen in Nostalgie

Ehemalige Karnevalisten kirchlicher Vereine kamen zum Treffen in Beates Gaststätte in Marpingen zusammen, um über alte Zeiten zu plaudern.

Kostüme, Kamelle, Klamauk: Für die Narren hat am Montag um 11.11 Uhr die wohl schönste Jahreszeit begonnen. Sieben Stunden später kamen ehemalige Fastnachtsakteure aus Marpingen in Beates Gaststätte zu einem Nostalgietreffen zusammen.

Gerald Wind, von 1975 bis 1980 Präsident des KKV (Karnevalisten kirchlicher Vereine), trommelte die Narrenschar zusammen. Noch ein Gläschen Sekt zur Begrüßung – und es konnte losgehen. „Es ist richtig schön, über die alten Zeiten zu plaudern“, sagte die frühere Büttenrednerin Marlene Rudolphy. Heutzutage besteht die Fastnachtssession in Marpingen aus dem Rathaussturm, dem großen Umzug und einer Sitzung der katholischen Frauengemeinschaft.

Rückblick. 1977 zogen die Narren vom Gasthaus Dewese in die Schulaula. Die katholische Frauengemeinschaft, die Kolpingfamilie, der Kirchenchor und die später ausgestiegene DJK St. Michael bildeten den Zusammenschluss der KKV. „Die Akteure formten bei einem Faschingsplausch ein komplettes Unterhaltungsprogramm“, berichtete seinerzeit SZ-Reporter Udo Recktenwald. Zu ersten Kappensitzungen erschienen 800 Besucher, der Eintritt kostete fünf Mark. Nach fünf Jahren übergab Präsident Wind die Narrenschar an seinen Nachfolger Friedel Fuchs.

Der langjährige Büttenredner Franz Brehm ließ in der Narrenrunde einige Bilder rundgehen. Früher machte der mittlerweile 89-Jährige während eines Auftritts Klimmzüge an einer Reckstange, führte mal einen umweltfreundlichen Esel mit Katalysator auf die Bühne, brachte ein feuerspuckendes Pferd mit oder eine Ente, ein langsamer Brüter, der auf einem Laxembottich hockte. „Dazu habe ich dann meine Reden geschwungen“, erzählte Senior Brehm.

Neben Rudolphy und Brehm zog auch Birgit Ohlmann heftig vom Leder. Kaplan Franz-Peter Rech meldete sich genauso zu Wort wie der erst elfjährige Thomas Huber. Manche Witze fielen schon einmal der Zensur zum Opfer. Nicht die über den geplanten Tourismusmagnet „Alstalsee“ zwischen Berschweiler und Marpingen. Bühnenbildner Ernst Schramm konzipierte die aufwendige Dekoration beispielsweise zu den „Rheinischen Nächten“ und der „Gaudi in Marpingens Hofbräuhaus“.

Renate Huber trimmte die Gardemädels und Birgit Fuchs-Groß tüftelte immer neue Parodien aus. Die erste Garde mit Gardemajor Anke Leist, trainiert von Renate Leist, hatte Auftritte in Trier und Tholey und wurde als Majorettengruppe in Metz, Saarbrücken und Saargemünd engagiert. 1991 beim „Feuerwerk der guten Laune“ standen allein neun Akteure in der Bütt. „Das war damals mit dem Auf- und Abbau in der Aula ein enormer Aufwand“, erinnerte sich Klaus Recktenwald. Rund 90 Personen seien auf, hinter und um die Bühne im Einsatz gewesen.

Damals tobten die Marpinger in drei Kappensitzungen, weil die närrische Chor- und Musikgemeinschaft ebenfalls in der Kampagne mitmischte. Am Fetten Donnerstag feierte zudem die Frauengemeinschaft im Pfarrheim. „Die Besucherzahlen sind dann auch zurückgegangen, es waren so um die 500“, meinte Klaus Recktenwald, dass es immer schwerer wurde, die Motivation aufrechtzuerhalten. Im Jahre 1993 war die letzte KKV-Sitzung in der Schulaula.

Wie zu besten Zeiten bat Ex-Präsident Wind zwischendrin um Aufmerksamkeit und hängte den ehemaligen Akteuren den Nostalgietreffen-Orden um. Wenn demnächst die eigentliche Saalfastnacht richtig losgeht, bleibt es ruhig in Marpingen. Doch der Name fällt mehrfach in den Sitzungen der Vereine in den Nachbarorten. Dann werden die Akteure in Berschweiler, Alsweiler und Urexweiler ihre Witze über Marpingen vom Stapel lassen. Es gab Zeiten, da war dies genau umgekehrt.

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