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Justiz muss nah am Bürger bleiben

Justiz muss nah am Bürger bleiben

St. Wendel. Sie bereitet sich gerne gründlich vor, studiert sorgfältig die Akten, liest sich in Themen ein. Schließlich war die Aktenarbeit bei ihrer früheren Aufgabe als Richterin am Finanzgericht des Saarlandes dominant. Seit vier Monaten kommen zahlreiche Gespräche hinzu. Die Rede ist von der Juristin Anke Morsch (SPD) aus Marpingen-Berschweiler

St. Wendel. Sie bereitet sich gerne gründlich vor, studiert sorgfältig die Akten, liest sich in Themen ein. Schließlich war die Aktenarbeit bei ihrer früheren Aufgabe als Richterin am Finanzgericht des Saarlandes dominant. Seit vier Monaten kommen zahlreiche Gespräche hinzu. Die Rede ist von der Juristin Anke Morsch (SPD) aus Marpingen-Berschweiler. Die Staatssekretärin ist die einzige Vertreterin aus dem Landkreis St. Wendel in der neuen saarländischen Landesregierung.Die 43-jährige Morsch ist seit Mai Staatssekretärin im Justizministerium, dort die rechte Hand von Umwelt- und Justizministerin Anke Rehlinger. Im SZ-Redaktionsgespräch berichtet sie über ihre neue Arbeit, die politischen Schwerpunkte und Ziele.

In ihrer neuen Aufgabe spielen organisatorische und Verwaltungsaufgaben eine deutlich größere Rolle als früher. Schließlich arbeiten 85 Mitarbeiter direkt im Justizministerium. Rechnet man die nachgeordneten Behörden hinzu, die Gerichte und Staatsanwaltschaften, den Justizvollzug und die saarländische Klinik für forensische Psychiatrie, so sind dies 2200 Bedienstete.

Da kommt es Morsch zugute, dass sie von 1999 bis 2007 in der Finanzverwaltung des Landes gearbeitet hat, unter anderem als Referatsleiterin im Finanzministerium: "Da sind einem die Arbeitsabläufe in einem Ministerium schon vertraut", so Morsch.

Zudem laufe der Verwaltungsapparat ja trotz neuer Regierung normal weiter. Morsch: "Sie kommen in ein laufendes Geschäft. Und müssen sich möglichst schnell einarbeiten." Das habe sie getan. Viel gelesen, viele Gespräche geführt, die ersten Außenstellen besucht. Bis Jahresende will sie bei allen gewesen sein. Das erste Amtsgericht, in dem die Staatssekretärin zu Gast war, war übrigens das in St. Wendel.

Das Land muss sparen. Davon ist auch das Justizministerium nicht ausgenommen. Morsch beziffert die Einsparungen im kommenden Jahr auf 1,1 Millionen Euro. Standortschließungen kommen für sie aber nicht in Betracht. Anke Morsch: "Die Bürgernähe der Justiz ist ein wesentliches Merkmal. Wir wollen alle Standorte erhalten, und das wird auch so sein." Wenn man aber nicht am Rechtsschutz für die Bürger sparen wolle, müsse man die Strukturen effektiver machen.

Wie das aussehen kann, will Morsch zunächst intern erarbeiten und erst dann der Öffentlichkeit vorstellen. Das ist für sie der richtige Weg. Morsch: "Da will ich die Personalvertreter und Behörden mit ins Boot nehmen."

Politische Schwerpunkte will das Ministerium in den Bereichen Bekämpfung der Jugendkriminalität und Opferschutz setzen. Hier sei man in einem intensiven Austausch mit den anderen Bundesländern, schaue dort nach Erfolgsmodellen. Die Staatssekretärin: "Wir müssen das Rad ja nicht immer neu erfinden." Bei der Sicherungsverwahrung von Straftätern arbeitet das Saarland mit Rheinland-Pfalz zusammen. Die Betroffenen werden in Dietz untergebracht. Für Morsch ein Beispiel länderübergreifender Kooperation.

Die Staatssekretäre bereiten die Kabinettssitzungen der Landesregierung vor. Da fallen auch schon mal Vorentscheidungen. Hier kann und will sich Anke Morsch auch bei für das St. Wendeler Land wichtigen Themen einbringen, die nichts direkt mit dem Justizministerium zu tun haben. Schließlich ist sie das einzige Regierungsmitglied aus dem Landkreis.

Macht ihr die neue Aufgabe Spaß? "Ja", sagt sie, ohne zu zögern. Auch wenn wenig Zeit für ihre Hobbys bleiben. "Früher bin ich gerne gerudert, dafür ist jetzt keine Zeit. Ich habe aber die Hoffnung, dass es um Neujahr mit dem Skifahren klappt." Seit dem Jahr 2000 ist Anke Morsch SPD-Mitglied, seit 2010 auch im Kreisvorstand. Parteipolitisch will sie sich weiter engagieren. Der Kreisvorstand hat sie für den Kreisparteitag an diesem Samstag, 29. September, als stellvertretende Kreisvorsitzende nominiert.