Junger Mann mit Zielen

Premiere für die Deutsche Meisterschaft der Bogenschützen in St. Wendel: Am kommenden Wochenende werden mehr als 500 Teilnehmer im Wald mit Pfeil und Bogen unterwegs sein. Ausrichter ist der 25-jährige David Kossmann aus Urexweiler.

Katniss Everdeen schießt sich mit ihm zum Sieg der "Hunger Games" in "Die Tribute von Panem ". Robin Hood hat ihn schon seit Jahrzehnten immer dabei und auch im "Hobbit" oder in "Avatar" spielt er eine Rolle. Die Rede ist vom Bogen, der dank dieser Filme einen wahren "Hype" erlebt, wie es David Kossmann ausdrückt. Er ist mit seiner Bogen-Firma "Bow Factory" Ausrichter der Deutschen Meisterschaft im Feldbogenschießen am kommenden Wochenende in St. Wendel. Und er sagt: "Ich bin dem Kino sehr dankbar." Denn: "Irgendein Held hat immer einen Bogen dabei." Und das bringe den Sport ins Bewusstsein. "Die Tribute von Panem " habe zu einem Zuwachs von mindestens 30 Prozent bei den Damen im Bogensport geführt.

Vielleicht auch durch die Filme bedingt: Die Sportschützen kehren wieder zu traditionellen Bogen zurück, sagt Kossmann: "Bei der DM schießen 400 von 500 Teilnehmern ohne Visier, also instinktiv." Das sei mal ganz anders gewesen. Aber dank des Kinos seien Hightech-Geräte mit Zielhilfe nicht mehr so im Trend. Für Kossmann, der selbst seit seinem zehnten Lebensjahr mit Pfeil und Bogen schießt, macht gerade das Schießen ohne technische Hilfe den Reiz, die Faszination seines Sports aus: "Man schießt aus dem Bauch heraus - und aus welcher Entfernung auch immer, trifft man ein Ziel."

In St. Wendel sind die Ziele zwischen fünf und 54 Meter weit entfernt. Für das Stellen der Ziele ist Kossmann, der auch Schießsportleiter beim Verband (DFBV) ist, verantwortlich. "Und ich bin bekannt dafür, dass ich die Ziele schwierig stelle." Drei Parcours hat er im Keimbachwald (in Richtung Werschweiler) zu stellen. Daher verbringt er derzeit viel Zeit im Wald. Die Entfernungen sind für den Schützen unbekannt; "sie sind schwer abzuschätzen", sagt Kossmann.

Am Veranstaltungswochenende selbst kann sich Kossmann auf Hilfe aus den Vereinen verlassen. Die Damen III der Handballerinnen der DJK Marpingen stellen etwa zehn Helfer, die die jungen Teilnehmer betreuen. Kossmann: "Es starten 80 Kinder im Alter zwischen fünf und 17 Jahren." Außerdem werden die Black Bulls, Handballer aus Alsweiler, mit 15 Mann freitags die Bewirtung übernehmen. Am Samstag und Sonntag kümmert sich der Förderkreis Kirkeler Burg mit etwa 25 Leuten um die Bewirtung. Außerdem stellt Kossmann selbst noch 20 Helfer, auch das DRK ist vor Ort. Aber Kossmann, der mit seinen 25 Jahren nach eigenen Angaben der jüngste Ausrichter einer DM überhaupt ist, beruhigt: "Schussverletzungen hat es bisher noch nie gegeben." Dass ein Teilnehmer im Wald mal umknickt, das sei schon eher wahrscheinlich.

WM ist das Ziel

Jede Menge Unterstützung hat Kossmann, der seit einem Jahr am Planen ist, auch von der Stadt St. Wendel. Bei Genehmigungen etwa. Der Bauhof hilft, unter anderem beim Aufbauen der Zelte oder der Bühne. Die Stadt stelle außerdem das Sportzentrum und Material zur Verfügung. "So eine professionelle DM hat es bisher noch nicht gegeben", ist sich Kossmann sicher.

Gute Aussichten also für St. Wendel, auch Ausrichter einer Europa- oder Weltmeisterschaft zu werden. "Wir wären deutschlandweit erste Wahl", weiß Kossmann von den Sympathien gegenüber St. Wendel. Und das wäre dann eine Riesen-Sache, meint er. "Wir reden dann von 5000 Gästen." Schon jetzt, bei der DM, seien sämtliche Hotels in der Stadt ausgebucht. Dazu Kossmann: "Die Gäste buchen jetzt schon im Ferienpark am Bostalsee."

Übrigens: Wer sich selbst am Bogenschießen probieren möchte, der hat am Samstag und Sonntag im Keimbachwald die Möglichkeit dazu.