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Marpingen: In der Aula sind Schillers Räuber(innen)

Marpingen : In der Aula sind Schillers Räuber(innen)

Theater AG der Gemeinschaftsschule Marpingen heimst für ihre 15. Aufführung Lob und reichlich Applaus ein.

„Ich, oder besser wir, haben Euer Spiel sehr genossen“, dankte die Schulleiterin der Gemeinschaftsschule Marpingen. Petra Brenner-Wolffs Lob galt den jungen Mimen der Theater AG, die soeben das 15. Stück in der Aula der Schule auf die Bühne gebracht hatten – mit Erfolg, wie der lang anhaltende Applaus unterstrich. „Es ist Euch wieder einmal gelungen, uns mit einem toll gespielten und originell inszenierten Stück zwei Stunden lang prächtig zu unterhalten. Hut ab vor Eurer Spielleidenschaft und dem Fleiß und vor allem der Energie, die es braucht, solch endlos lange Texte so gekonnt auf die Bühne zu bringen“, würdigte die Schulleiterin die AG-Mitglieder. Und deren Leiter.

Die Regisseure Martina Pape und Klemens Bott hatten mit den Schülern das Stück „Räuber.Schiller – Für Uns“ von Marlene Skala einstudiert. Dabei handelt es sich um eine Adaption von Schillers „Die Räuber“, ursprünglich ein Männerstück, im dem nur Männerwille, Männerschwüre und Schwerter zählten, wie Petra Brenner-Wolff erläuterte. „Ihr habt das gekonnt ins Hier und Jetzt übertragen. Die männlichen Rollen bei Schiller wurden von Euch in zeitgemäße, weibliche Rebellen und Aussteigerinnen verwandelt. Hinsichtlich Gewaltbereitschaft, krimineller Energie und Idealismus seid Ihr dabei aber Euren literarischen Brüdern in nichts nachgestanden“, fasste Brenner-Wolff zusammen.

Seit 15 Jahren ist die Aufführung der Theater AG ein Höhepunkte eines jeden Schuljahres. „Wie viele Schüler haben in dieser Zeit wohl die Bretter, die die Welt bedeuten, betreten?“, fragte sie sich und die Gäste. Einige der ehemaligen Darsteller haben auch den Weg zur großen Bühne gesucht und sich bei den einschlägigen Akademien und Kunsthochschulen beworben. Vielleicht ist das in diesem Jahr ja auch so und vielleicht haben die Gäste der 15. Aufführung der Theater-AG den Beginn einer großen Theaterkarriere miterlebt.

Der Bogen der Aufführungen spannte sich in den vergangenen 15 Jahren kreuz und quer durch die Theater- und Weltgeschichte. Angefangen hat alles bei verirrten Schülern in dem Stück „Die Lawine“, das später unter dem Titel „Die Welle“ zu Berühmtheit gelangte. Weiter ging es mit einem Besuch bei den Griechen und Römern mit „Lysistrata“ und „Romulus der Große“. Die Zeit der französischen Revolution wurde lebendig in dem Stück „Der grüne Kakadu“, Wiener Gemütlichkeit und Schmäh bot sich in „Geschichten aus dem Wienerwald“. In die bigotte Welt der amerikanischen Kleinstadt entführte die Zuschauer das Stück „Hexenjagd“ und die französische Provinz wurde lebendig in „Chocolat. Mit Shakespeare ging die Reise in „Was ihr wollt“ in das England des 17. Jahrhunderts. „Don Juan und die Liebe zur Geometrie“ nahm die Gäste mit nach Spanien und in die Schweizer Dörflichkeit führte „Der Besuch der alten Dame“. Die Neuzeit wurde präsent mit „Luzifers Nöte mit der Demokratie und der Autobahn“, die Geschichte ausgelaugter Manager thematisiert in „Top Dogs“, selbständiges Denke gefordert und gefördert mit dem „Club der toten Dichter“, sowie mit dem Verwirrspiel „Er hatte zwei Pistolen und seine Augen waren schwarz und weiß“.

Franziska (Luise Haben) und Charlottes Liebhaber Volker (Jonas Norden) kommen sich näher. Foto: Ralf Mohr

„Das muss uns erst mal jemand nachmachen, ein solch arbeitsintensives Projekt über 15 Jahre auf die Beine zu stellen und am Leben zu erhalten“, schloss die Schulleiterin ihre Betrachtungen.