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„Ich will mehr Kommunikation“

„Ich will mehr Kommunikation“

Elf Fragen, die persönliche Geständnisse hervorlocken sollen – von dem, was am meisten ärgert, bis zu dem, das Wegmann an seinem politischen Gegner am meisten schätzt, aber noch nie auszusprechen wagte.

Es hat ihn schon lange gereizt, politische Verantwortung zu übernehmen. Doch sein Engagement als Trainer beim Handball hat ihn davon abgehalten. Er wollte sich nicht verzetteln - sportliches Hobby, berufliche Verpflichtung als Kfz-Meister und Politik: Das gehe für ihn nicht ohne Abstriche, sagt Manfred Wegmann.

Seit anderthalb Jahren ist er Marpingens Ortsvorsteher, ungefähr seitdem hat er das Coachen an den Nagel gehängt. Dass der politische Quereinsteiger schon immer gestalterische Ambitionen hat, beweist seine jahrzehntelange Mitgliedschaft in der CDU : "Seit 35 Jahren bin ich dabei", berichtet der 57-Jährige. Jetzt sei für ihn der Zeitpunkt gekommen, Einfluss zu nehmen, seinem politischen Tatendrang freien Lauf zu lassen. Die Taten möchte er allerdings nicht im stillen Kämmerlein ausbaldowern, sichert er zu. Wegmann: "Ich will mehr Kommunikation ." Womit er mit seiner Kritik an dem scheidenden Amtsinhaber Werner Laub (SPD ) ansetzt. Sachlich ruhig, in leisem Ton, dennoch nicht weniger bestimmt, beanstandet er die Amtsführung des bisherigen Rathauschefs. Der CDU-Kandidat sagt: "Was mir gewaltig stinkt: in viele Entscheidungsfindungen nicht eingebunden zu sein." Die Bürger sollten gehört werden, wenn etwas ansteht. Und der Gemeinderat sei mitzunehmen, bevor die endgültige Entscheidung über ein Vorhaben ansteht. Wegmann: "Die Mitglieder müssen vorher informiert werden und nicht erst mit der Sitzungsvorlage Kenntnis erlangen." Darum fordert der Bürgermeister-Kandidat: "Streiten muss sein." Allerdings gehe es ihm auch zu weit, wenn sich der Rat bei Debatten im Detail verliere: "Oft diskutiert er um des Kaisers Bart."

Zielführende Dispute findet er für die "Entwicklung der Ortsteile" vorrangig. Da sieht Wegmann erheblichen Nachholbedarf. "Marpingen hinkt im Vergleich zu Oberthal, Eppelborn und Tholey meilenweit hinterher." Mit persönlichem Einsatz wolle er dies ändern. Klinken putzen nennt er das. Bei Geldgebern aus der Wirtschaft und bei den zuständigen Entscheidungsträgern auf Landesebene. Es drängten sich Investitionen auf, um beispielsweise in der Marpinger Ortsmitte Straßencafés zu forcieren. In Urexweiler, Berschweiler und Alsweiler entsprechende Strukturen schaffen und erhalten, so eine Infrastruktur zur Nahversorgung - das ist sein bekundeter Wille.

"Mit Visionen herangehen" beschreibt er die Aufgabe eines Bürgermeisters. Um unter anderem auch die Vereine zu stützen. Eine Kulturhalle schwebt ihm da vor. Aber Wegmann ist überzeugt, dass er dafür einen langen Atem braucht - monetär als auch zeitlich. Das brauche Vorbereitung. Er rechnet mit acht bis zehn Jahren, damit ein Saal für 300 bis 400 Menschen geschaffen wird. "Das ist bestimmt nicht in zwei, drei Jahren zu erfüllen."

All diese Projekte setzen seiner Ansicht voraus, dass die Gemeinde Grundstücke in den Ortslagen ankauft. "Wir dürfen uns Filetstücke nicht durch die Lappen gehen lassen." Um dort ein Mehrgenerationenhaus entstehen zu lassen. "Das muss aber nicht in Marpingen direkt stehen." Warum er darauf Wert legt? Hier könnten die Älteren Erfahrungen vermitteln und Jüngere ihre Lebensweise kundtun, damit gegenseitiges Verständnis daraus erwächst. Jungen Familien seine Gemeinde schmackhaft machen, das will er mit einem Leerstandskataster. Um Geld zu sparen, denkt er über die Kooperation mit Tholey und Oberthal nach. "Ich habe schon Vorstellungen, aber die werde ich noch nicht sagen", hüllt er sich zu konkreten Vorhaben in Schweigen.

Und dann hat er sich fest vorgenommen, die Wirtschaft zu forcieren. "Wenn Unternehmer kommen, muss der Bürgermeister kommen und sagen: Was kann ich für Euch tun?" Dafür will er einen Wirtschaftsstammtisch gründen, der mindestens zweimal im Jahr zusammenkommt. Wo sehen Sie die Stärken Ihrer Gemeinde?

Manfred Wegmann: In der Vielfalt der rund 200 Vereine und der Aufgeschlossenheit der Menschen.

Was geht Ihnen mächtig gegen den Strich und würden Sie am liebsten sofort ändern?

Die Verkehrs- und Parkplatzsituation in allen Ortsteilen.

Ihr Verhältnis zur Macht?

Ich habe kein Verhältnis zur Macht, aber ich nehme gerne Verantwortung wahr. Und mit dieser Verantwortung möchte gern gestalten und einiges verändern.

Wo liegen Ihre Schwächen?

Ungeduld, vieles geht mir nicht schnell genug.

Was würden Sie durchsetzen, wenn Sie einen Tag lang Bundeskanzler wären?

Den Kommunen mehr Finanzkraft geben, um die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen.

Welcher Politiker ist Ihr Vorbild und warum?

Angela Merkel wegen ihrer Geradlinigkeit und Klaus Bouillon wegen seiner klaren Worte.

Welche Filmrolle wäre Ihnen wie auf den Leib geschneidert?

Da ich gerne tanze, sollte es dann auch ein Tanzfilm sein.

Haben Sie eine Lebensphilosophie/einen Leitgedanken?

Nicht reden - handeln!

Was bringt Sie eigentlich auf die Palme?

Wenn man mich ständig unterbricht und Menschen, die nur kritisieren und nicht mitmachen.

Worüber können Sie richtig von Herzen lachen?

Über einen guten Witz.

Was schätzen Sie an Ihren politischen Gegnern, worauf sind Sie bei Ihnen neidisch?

Den Mut, die Aufgabe als Bürgermeister anzugehen. Neid kenne ich nicht, ich kann gut gönnen,

Zum Thema:

Zur PersonName: Manfred WegmannGeburtsdatum: 20. März 1959Geburtsort: MarpingenWohnort: MarpingenFamilienstand: verheiratetKinder: eine TochterBeruf: Kfz-Meister, TeamleiterParteizugehörigkeit: CDU , seit 35 JahrenParteiämter und politische Aufgaben: Ortsvorsteher von MarpingenHobbys: Handball , Fußball, Tennis, Tanzen, Skifahren red