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Helfer errichten Notfall-Zentrum in Marpinger Turnhalle

Coronavirus im Landkreis St. Wendel : Helfer errichten Notfall-Zentrum in Marpinger Turnhalle

Auf dem Pausenhof der Marpinger Gemeinschaftsschule parken riesige Einsatzfahrzeuge. Helfer in Uniformen schleppen Holzkisten mit Decken und Feldbetten in die kleine Turnhalle. Den Boden haben sie bereits mit einer grauen Schutzplane ausgelegt. Jetzt folgt der Aufbau der Liegen.

„Wir wollen für den Notfall gerüstet sein“, sagt Landrat Udo Recktenwald (CDU). Daher habe der Krisenstab des Landkreises St. Wendel entschieden, vorsorglich eine externe Behandlungsstelle für Corona-Kranke einzurichten.

In der ist Platz für zirka 400 Patienten. Denn neben der kleinen Turnhalle sei es auch möglich, die große Sporthalle einzubinden. „Für den Anfang stellen wir erst einmal 50 bis 70 Liegen auf“, erläutert Paul Haupenthal, Wehrführer der Gemeinde Freisen. Er leitet den Aufbau, behält den Überblick und fungiert als Bindeglied zwischen den Freiwilligen vor Ort und dem Krisenstab in der Kreisstadt. Sein Blick schweift durch die Halle. „In etwa zwei bis drei Tagen wird das Zentrum hier einsatzbereit sein“, verkündet Hauptenthal zufrieden. Aber nutzen wolle man es nur im Notfall, wenn alle Stricken reißen.

Die Behandlungsstelle sei eine Art Bypass, um stationäre Gesundheitseinrichtungen zu entlasten. „Sollten die Kapazitäten der Krankenhäuser an ihre Grenzen stoßen, verfügen wir über eine Ausweichmöglichkeit“, sagt Landrat Recktenwald. Er betont jedoch, dass die Kliniken ihr Limit noch lange nicht erreicht hätten. In der aktuellen Situation plane man allerdings in vielen Bereichen voraus. „Es ist uns wichtig, vorbereitet zu sein. Und jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um diese Maßnahme in die Realität umzusetzen“, ergänzt Dirk Schäfer, der als Leiter des operativen Stabs für die Koordination des Notfall-Zentrums zuständig ist. Er ist stolz, dass der Landkreis St. Wendel damit Vorreiter im Saarland ist. Gleichzeitig gesteht er: „Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man so etwas plant und es dann wirklich umsetzen muss.“

30 Ehrenamtliche helfen am Donnerstagmorgen, die Sporthalle umzufunktionieren. Sie verteilen in Folie verschweißte Decken und Kissen, schieben eine Krankentrage in Position und deponieren medizinische Utensilien in einer Hallenecke. Auch Andree Kulesha vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) ist im Einsatz. „Die Halle wird ausgelegt, um Patienten der Gruppe drei aufzunehmen“, erklärt er. Dabei handele es sich um Infizierte, die bereits im Krankenhaus behandelt wurden, kurz vor der Entlassung stehen und keine intensive Betreuung mehr brauchen.

Die Ausstattung der Turnhalle sei nicht vergleichbar mit der eines Krankenhauses. „Wir werden zwar Beatmungsgeräte vorhalten, damit wir im Notfall schnell reagieren können“, sagt Kulesha. Doch sollte sich der Zustand eines Patienten verschlechtern, werde er wieder in eine Klinik gebracht. Es sei geplant, die Kranken im Schnitt ein bis zwei Tage in Marpingen unterzubringen. Die maximale Aufenthaltsdauer betrage 60 Tage. Um ihre Versorgung sollen sich Mitglieder verschiedener Hilfsorganisationen kümmern. „Aber wir werden definitiv auf die Unterstützung von Fachkräften angewiesen sein“, betont Kulesha.Gesucht würden noch Ärzte und Pflegekräfte.

Landrat Recktenwald setzt in diesem Bereich auch auf die Bundeswehr. Neben Personal könnte die auch weiteres Material zur Verfügung stellen. Bisher kommen Decken, Kissen und Feldbetten aus den Beständen des Katastrophenschutzes des Landkreises. Sollte dieser Vorrat zur Neige gehen, könnte die Bundeswehr Nachschub auftreiben. Einen entsprechenden Antrag habe die Verwaltung bereits an das zuständige Kommando in Berlin weitergeleitet (wir berichteten). Die Bearbeitung sei in Gange.

„Ich hoffe, wir werden diese Halle hier niemals als Behandlungsstätte nutzen müssen“, sagt Recktenwald. Aber sollte es doch dazu kommen, stünde sie nicht nur Bürgern aus dem St. Wendeler Land zur Verfügung, sondern auch Menschen aus den angrenzenden saarländischen Landkreisen. Das hält Marpingens Bürgermeister Volker Weber (SPD) ebenfalls für selbstverständlich. Er erklärt: „Wenn wir uns gegenseitig solidarisch unterstützen können, sollten wir das tun. Denn Gesundheit macht nicht an Gemeinde- oder Landkreisgrenzen Halt.“