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Gottesdienst zum Jahrestag des Marpinger Gelübdes mit Bischof Ackermann

Gottesdienst in Marpingen : Von der Pest-Epidemie zu Corona

Bischof Stephan Ackermann feiert Gottesdienst zum Jahrestag des Marpinger Gelübdes.

Zum Jahrestag des Marpinger Gelübdes aus dem Jahre 1699 hat Bischof Stephan Ackermann gemeinsam mit Pfarrer Volker Teklik einen Gottesdienst in der Marpinger Pfarrkirche Maria Himmelfahrt gefeiert. „Dieser Tag verbindet in ganz besonderer Weise Vergangenheit und Gegenwart“, sagte Bischof Ackermann. Während einer Pest-Epidemie gelobte Familien aus Marpingen vor mehr als 320 Jahren, jeden Samstagnachmittag zur Mutter Gottes zu beten und darum zu bitten, von der Pest und anderen Krankheiten sowie deren Auswirkungen verschont zu bleiben.

„In der Zeit der Corona-Krise kann man sich noch besser vorstellen, wie es den Menschen damals ergangen sein muss“, sagte Bischof Ackermann in seiner Predigt. „Wir sind heute in einer besseren Situation als die Menschen damals. Erkenntnisse der Wissenschaft und Medizin sind fortgeschritten, wir kennen die Gründe für die Pandemie und haben die Mittel, sie zu bekämpfen.“ Menschen des 21. Jahrhundert hielten sich mehr an wissenschaftliche Erkenntnisse, dennoch gebe es gerade auch in Bezug auf die Corona-Krise viel Unsicherheit, so der Bischof weiter. Es gebe keinen seriösen Mediziner oder Politiker, „die behaupten würden, einen Masterplan für diese Situation in der Tasche zu haben“. Das Gegenteil sei der Fall. Oft werde herausgestellt, dass die genauen Auswirkungen von Covid-19 nicht bekannt sind. Politiker müssten die „Balance halten“, einerseits klar zu handeln und andererseits keine falsche Sicherheit zu verbreiten.

Daher würden politische Entscheidungen immer wieder auf die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse abgestimmt. Gerade deshalb halte er „Theorien einer Weltverschwörung für ebenso falsch wie unheilvoll“, betonte Ackermann. Diese Theorien „werden aus Angst geboren und versuchen selbst, Angst zu verbreiten“. Es greife zu kurz, wenn jemand behaupte, es gebe „den einen großen Plan. In dem, was wir erleben, steckt eine Dynamik, die selbst die Mächtigsten dieser Welt nicht überschauen“. Deshalb komme in dieser Situation dem Glauben eine ganz besondere Rolle zu. „Der Glaube erinnert uns an die Verantwortung, die wir haben, und zeigt uns gleichzeitig unsere Grenzen auf.“

Der „Geist vom Geist Gottes“ ermögliche es dem Menschen, Dinge wie Impfstoffe zu entdecken. Die darin liegende Verantwortung müsse der Mensch wahrnehmen. „Wir sind aber auch begrenzt und nicht die Herrinnen und Herren dieser Welt. Wir leben nicht nur von dem, was wir ins Werk setzen.“ Deshalb müssten und dürften wir uns immer wieder mit unseren Bitten an Gott wenden. „Das Gebet ist unersetzlich bei allem Fortschritt: weil es das Bekenntnis ist, dass es Dynamiken gibt, die uns übersteigen, und wir die schützende Macht Gottes, dass er uns zu Hilfe kommt, brauchen.“ Ackermann rief in besonderer Weise Maria als Fürsprecherin Gottes an. Wegen der Beschränkungen durch die Pandemie konnte in diesem Jahr keine Pilgermesse mit anschließendem Gang zur Marienkapelle im Härtelwald stattfinden. Bischof Ackermann erteilte deshalb zum Ende des Gottesdienstes den Segen vor der Marienstatue in der Kirche.