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Gemeinschaftsschule Marpingen im Landkreis Vorreiter beim Alltagsradfahren

11 748 geradelte Kilometer : Schüler schwingen sich auf ihre Räder

Die Marpinger Gemeinschaftsschule hat sich an der Aktion Stadtradeln beteiligt. Ihr Fazit: Der Landkreis St. Wendel sei nicht gerade fahrradfreundlich.

Saarbrücken baut sein innerstädtisches Radwegenetz aus, Luxemburg und Metz werden zu Vorreitern in Sachen Radmobilität, Trier ist traditionell bereits eine Radfahrerstadt. „Während die großen Städte in Saar-Lor-Lux die Infrastruktur für Radfahrer erweitern, sieht es im Landkreis St. Wendel damit noch sehr mau aus“, findet ein Sprecher der Marpinger Gemeinschaftsschule. Im Sommer sei erstmals eine Radspur in der St. Wendeler Innenstadt ausgewiesen worden. Ansonsten dominiere weiterhin die Automobilität.

Dabei werde das Fahrrad gegenwärtig zunehmend als Sportgerät entdeckt, E-Bikes würden das St. Wendler Land auch für weniger Geübte zum Zweirad-Eldorado machen. Doch für Alltagsfahrten – sei es zur Schule, zur Arbeit, zum Einkaufen – werde zumeist auf den motorisierten Untersatz zurückgegriffen. Stadtradeln will das ändern – und die Gemeinschaftsschule Marpingen ebenfalls. Sie hat daher an der Aktion teilgenommen. „Es ging bei dem 21-tägigen Projekt darum, möglichst viele Alltagswege mit dem Fahrrad zu erledigen“, erläutert der Sprecher. Ziel sei es gewesen, den Alltag ökologischer zu gestalten, sich bewusst für die umweltfreundliche Alternative bei der Alltagsmobilität zu entscheiden und damit auch Druck auf politische Entscheidungsträger auszuüben, das Wohnumfeld fahrradfreundlicher zu gestalten. 2020 haben bundesweilt fast 500 000 Radler mitgemacht und mit den registrierten Radkilometern mehr als 15 000 Tonnen CO2 eingespart. Auf Initiative des stellvertretenden Schulleiters Thomas Alt nahm die Gemeinschaftsschule Marpingen bereits zum zweiten Mal an dieser Aktion teil und hat es 2020 geschafft, dass sich 137 Schüler und Lehrer sowie einige Eltern angemeldet haben. „Für den – was die Alltagsbenutzung des Fahrrades angeht – unterrepräsentierten Kreis St. Wendel ist das ein bemerkenswertes Ergebnis“, freut sich der Sprecher.

Der in Eigeninitiative aufgebaute, improvisierte Fahrradständer an der Schule sei überfüllt gewesen. Er habe in den 21 Tagen des Projektes symbolisiert, dass es auch anders gehe. Viele junge Leute würden sich bewusst für das klima- und umweltfreundliche Fortbewegungsmittel entscheiden und damit auch nach außen zeigen, dass ein Umdenken notwendig sei. „Es gehen immer noch viel zu viele unserer Schüler davon aus, dass Mobilität gleich Auto bedeutet“, bemerkt Georg Wilhelm, seit Jahren Unterstützer des Alltagsradelns in der Schule.

Gerade wer von Alsweiler oder Berschweiler komme, könne zur Schule gut ausgebaute Radwege benutzen. Mit kräftigen Waden oder elektrischer Unterstützung lasse sich auch der ein oder andere größere Hügel bewältigen. „Das alles ist heute kein Problem mehr“, ist der Schul-Sprecher überzeugt. Schwieriger sei es dagegen, manche Autofahrer zu einem rücksichtsvolleren Fahrverhalten gegenüber Radfahrern zu bewegen. Und auch der ein oder andere Rennradler kümmere sich wenig um den übrigen Straßenverkehr. „Wie dem auch sei, das Projekt will auch und vor allem Autofahrer sensibilisieren, dass die Straße nicht alleine den motorisierten Gefährten gehört – und Politiker dazu auffordern, endlich auch im Kreis St. Wendel mehr in das Alltagsradfahren zu investieren“, betont der Sprecher. Eine Radspur in St. Wendel ist seiner Ansicht nach zu wenig. In Marpingen gebe es noch nicht einmal einen optischen Hinweis darauf, dass auch Radfahrer am Verkehr teilnehmen.

Die 137 Schüler und Lehrer der Marpinger Schule setzen daher ein Zeichen, dass alltägliche Fahrten auch mit dem Rad erledigt werden können und sollten. Sie wollten nicht nur verbal, sondern auch praktisch den Klima- und Umweltschutz in den Alltag integrieren. „Dass damit auch die persönliche Gesundheit profitiert, ist mehr als ein Nebeneffekt“, sagt der Sprecher. Im Wettbewerb Stadtradeln sei die Gemeinschaftsschule Marpingen auf jeden Fall ganz vorne mit dabei. Die 19 Teams, darunter auch der Schulförderverein, und die insgesamt sage und schreibe 11 748 geradelten Kilometer würden da ihre eigene Sprache sprechen. „Auch mit eigener Muskelkraft kommt man von A nach B, es braucht dazu nicht das Auto“, betont der Sprecher.

Der improvisierte Fahrradständer auf dem Schulhof ist während des Projektes ganz schön überfüllt. Foto: Markus Mörsdorf/Schule

Thomas Alt gibt sich daher zuversichtlich: „Wir sind, was das Fahrrad angeht, Vorreiter und hoffen, dass sich nicht nur weitere Schüler, sondern auch viele Marpinger, Tholeyer, Oberhaler und St. Wendler an dieser Aktion beteiligen, sodass Alltagsfahrten mit dem Rad selbstverständlich werden.“ Wenn dann auch der Schulträger diesem Trend Rechnung tragen würde, könnte die Marpinger Schule mit der seit langem schon in Aussicht gestellten Fahrradabstellanlage ausgestattet werden, ergänzt er.