Gärten sind Herausforderungen

Marpingen. Säen, gießen und jäten, veredeln, schneiden und ernten - der Kreislauf im Gartenjahr ist ein ewig gleicher. Wer ein Stück Land sein Eigen nennt, der wird nie mehr um Beschäftigung verlegen sein. Nie besteht die Gefahr, dass die Arbeit im Garten allzu gering wird

Marpingen. Säen, gießen und jäten, veredeln, schneiden und ernten - der Kreislauf im Gartenjahr ist ein ewig gleicher. Wer ein Stück Land sein Eigen nennt, der wird nie mehr um Beschäftigung verlegen sein. Nie besteht die Gefahr, dass die Arbeit im Garten allzu gering wird. "Ein Garten fordert einen jeden Tag", gestand der 79-jährige Erich Becker, als ihn die SZ zum "Tag der offenen Gartentür" in der Alsbachstraße besuchte. "Zwei Stunden muss ich ihm mindestens täglich widmen, häckeln, gießen, das Ungeziefer und das Unkraut aufspüren."Das private Gartenreich von Erich und Marlene Becker ist eine Augenweide und hat überdies eine alte Geschichte. Der Marpinger hat ihn einst von seinen Eltern übernommen und vergrößert. Nach und nach entstand ein Nutz- und Ziergarten, der in inniger Harmonie zeigt, was Gartenkultur bedeutet. Im Einklang mit der Natur hat das Ehepaar mit seinem Garten einen grünenden Liebesbrief an den Schöpfergott geschrieben. Begrüßt werden die Besucher von dem "Mohrde"-Brunnen. Es ist ein Rundbecken, in dessen Mitte eine große kupferne Möhre das Wasser sprudeln lässt. Daneben gedeihen vier sorgfältig geschnittene Säulenwacholder und setzen parkähnliche Akzente. Wer unter dem Rosenbogen hindurchgegangen ist, begibt sich auf eine Entdeckungsreise. Während sich linker Hand eine gepflegte Rasenfläche mit einem Rosenbeet und Bucksbäumchen ausdehnt, entfaltet der Nutzgarten gegenüber all seine Pracht. Kartoffeln der Sorten "Christa" und "Granola" wachsen und blühen üppig. In der Kohlecke warten verschiedene Sorten auf ihre Erntezeit im Spätsommer und Herbst. Die Möhren in den beiden Beeten sind mit einem dichten Netz eingepackt, damit die gefürchtete Möhrenfliege keine Chance mehr hat. Stangen- und Einbohnen, Rote Bete, Zwiebeln und mehrere Salatsorten zeigen, dass sie hier einen idealen Standort haben. Auf der Rabatte am Gartenzaun entlang holt sich das Beerenobst in diesen warmen Sommertagen seine letzte Süße. Himbeeren, Stachelbeeren und Johannisbeeren wetteifern um die schönsten Früchte. "Die Brombeeren sind noch etwas zurück, weil der Winter so kalt war", hat Erich Becker beobachtet. Zwetschen und Äpfel zeigen gute Fruchtansätze. "Meine schönste Ecke ist die Bank dort drüben unter dem Strauchwerk", verriet der Gartenfreund. Sie ist flankiert von einem Wasserfass und einer Pumpe. "Das Wasser aus dem Erdreich ist manchmal so kalt, dass ich vor dem Gießen warten muss, bis es ein wenig temperiert ist." Für die Blumen ist Marlene Becker zuständig. Sie hegt und pflegt nicht nur das große Beet am oberen Ende des Gartens. Sie hat auch an vielen weiteren Stellen im Garten farbige Blickfänge gepflanzt. Für den "Tag der offenen Gartentür" hatte die Hobbygärtnerin eine Reihe Clivien herangezüchtet, die sie den Besuchern als Erinnerungsgeschenke mitgab - solange der Vorrat reichte. Als Allround-Handwerker hat Erich Becker nicht nur ein wunderschönes Gartenhaus gebaut, sondern auch eine Laube mit einem Weintraubengeflecht. Das Jahr über werden hier Familienfeste gefeiert. Am Gartentag aber wurden dort die vielen Gäste durch die Mitglieder des Marpinger Obst- und Gartenbauvereins bewirtet. Bei Kaffee und Kuchen tauschten sich die Besucher aus und fachsimpelten über die Gartenthemen. "Der Garten ist für mich ein Jungbrunnen. Er hält mich fit, gesund und froh", sagte Erich Becker mit dem Lächeln eines glücklichen Gartenbesitzers um den Mund. "Aber er ist nicht nur zum Arbeiten da, sondern auch zum Erholen."