Flyer "Marpingen und der Nationalsozialismus" wurde vorgestellt

Lokale Geschichte : Marpingen und der Nationalsozialismus

Auf 14 Seiten hat sich der Verein „Wider das Vergessen und gegen Rassismus Marpingen“ mit einem dunklen Kapitel in der Geschichte auseinander gesetzt und lokal runtergebrochen.

„Wer die Vergangenheit vergisst, ist verurteilt, sie zu wiederholen.“ Dieses Zitat des amerikanischen Philosophen George Santayana hat der Verein „Wider das Vergessen und gegen Rassismus Marpingen“ als Überschrift für seinen neuen Flyer gewählt. Dieser setzt sich mit der Geschichte Marpingens in der Zeit des Nationalsozialismus auseinander. Der Flyer wurde anlässlich der elften Marpinger Mühlengespräche in der Alten Mühle vorgestellt.

Bürgermeister Volker Weber (SPD) hob in seiner Begrüßung hervor, dass die Anwesenheit vieler Vertreter der Gremien davon zeuge, dass das Thema auch die Politik in Marpingen bewegt. „Heute sprechen wir über das dunkelste Kapitel unserer Geschichte“, führte der Bürgermeister weiter aus. „Gerade in der heutigen Zeit, in der erneut das rechte Spektrum mit populistischen Parolen unterwegs ist, ist es wichtig, dass wir die wahre Geschichte lebendig halten und die Menschen bilden und über ihre und unsere Geschichte informieren“, so Weber. Der Flyer sei dazu ein wichtiger Beitrag, der die Geschichte Nazi-Deutschlands auf die Gemeinde Marpingen herunterbricht. „Ja – auch in Marpingen gab es Nazis und damit verbundene Verbrechen, über die man berichten muss“, bekannte sich der Bürgermeister zur Gemeindevergangenheit. Er lobte den Verein für seine Aufklärungsarbeit, die jetzt auch in diesem Flyer ihren Niederschlag findet.

Der Vorsitzende des Vereins, Eberhard Wagner, stellte in der Folge den Flyer „Marpingen und der Nationalsozialismus“ im Einzelnen vor. Er erklärte, dass dieser an mehr als 3000 Haushalte in der Gemeinde mit den Marpinger Nachrichten verteilt wird. Das Wissen über die NS-Zeit lebendig zu halten, angesichts der aktuellen Entwicklungen sei mit das Anliegen. Am Beispiel von Einzelschicksalen wird deutlich gemacht, dass Täter und Opfer auch aus der Gemeinde Marpingen kamen und keine fiktiven Gestalten aus Romanen, Film und Fernsehen sind. So kann man im Flyer beispielsweise ein Foto von einem militärischen Festmarsch durch Urexweiler am 23. Juli 1939, nur wenige Wochen vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, sehen. Das Bildmaterial beinhaltet auch alte Straßenschilder aus der damaligen Zeit und Dokumente, aus denen exemplarisch hervorgeht, wer die Täter aus Marpingen waren. Auch die Arbeit des Widerstandes gegen das NS-Regime wird beleuchtet und die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wird wachgehalten.

Alles in allem ist der Flyer eine Dokumentation auf 14 Seiten über die Geschichte Marpingens in den Zeiten des Nationalsozialismus. Im Anschluss an die Präsentation kam es zu einer regen Diskussion. Die Veranstaltung wurde musikalisch gestaltet von Jürgen Brill (Gitarre, Gesang), Jacob Brill (Klarinette), Clemens Brill (Geige) und Clara Brill (Geige, Gesang). Am Flyer mitgewirkt haben neben dem Vereinsvorsitzenden Eberhard Wagner, Christoph Zahn, Wienand Bärschneider, Anne Thome-Brill, Heinz Wendelgaß und Thomas Gantner.

www.widerdasvergessen.de

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