Es wird Hell

Überraschung bei der HSG Marpingen/Alsweiler: Der in der Handballszene weitgehend unbekannte Thorsten Hell ist neuer Trainer des Frauenhandball-Oberligisten. An diesem Samstag gegen den Tabellenzehnten TSG Bretzenheim will er seinen Einstand mit einem Sieg feiern.

Einige Namen waren gehandelt worden, aber seiner war nie dabei. Am Donnerstag leitete Thorsten Hell sein erstes Training bei Handball-Oberligist HSG Marpingen-Alsweiler. Wer bitte? Der 40-jährige Nachfolger des vor einer Woche zurückgetretenen Übungsleiters Tobias Frei ist ein nahezu unbeschriebenes Blatt, hatte in den vergangenen Jahren nichts mehr gemacht.

Wie es zu seiner Verpflichtung bis Saisonende kam? "Wir wollten zunächst mit einer internen Interimslösung bis zur Winterpause weitermachen", erklärt der HSG-Ausschussvorsitzende Manfred Wegmann. Während der Überlegungen fielen die Namen der üblichen Verdächtigen. "Klar, dass wir auch über Trainer diskutiert haben, die momentan noch vertraglich gebunden sind", schildert Wegmann.

Moskitos-Manager Reimund Klein kam dann bei einer Unterredung der Name Thorsten Hell über die Lippen, den er aus alten Zeiten noch vom TV Dirmingen her kannte. Dort saß Hell in der Saison 2005/06 beim Frauen-Saarlandligisten auf der Trainerbank, sein damaliger Mannschaftsbetreuer hieß Ralf Wagner, der diesen Posten seit Jahren bei den Moskitos bekleidet. Hell, der selbst bei den HF Illtal gespielt hat, betreute später noch den Männer-Verbandsligisten Illtal II und verschwand anschließend für Jahre von der Seitenlinie.

Ein Telefonat stieß nun den Überraschungscoup an, die Interimslösung war passé. "Intern waren wir uns einig, mal einen ganz neuen Weg mit einem gänzlich unvoreingenommenen Trainer zu gehen, der ganz frischen Wind mitbringt", sagte Wegmann. Fehlende Referenzpunkte wie langjährige Erfahrung und sportliche Erfolge hätten deshalb bei den Einstellungsgesprächen mit dem nicht lizensierten Übungsleiter keine Rolle gespielt.

Zum ersten Gedankenaustausch trafen sich beide Seiten am Montag. "Mittwochabend habe ich zugesagt. Ein gewaltiger Teil hat dazu die Tatsache beigetragen, dass ich Reimund Klein schon sehr lange kenne", sagt Hell. Für ihn sei es eine überaus spannende Aufgabe, nun einen Oberligisten trainieren zu können. Der dabei übernommenen Verantwortung und der Tatsache, dass er aus dem Nichts heraus jetzt im Rampenlicht steht, ist er sich durchaus bewusst. "Die Spielgemeinschaft Marpingen-Alsweiler ist eine Topadresse im Saar-Handball", betont Hell. Er müsse sich schnell ein Bild von der Mannschaft machen und den Draht zu den Spielerinnen finden.
Viele Video-Abende stehen an

"Ganz locker", berichtet Spielführerin Nadine Klein, hätten die Moskitos die turbulente Woche mit dem Trainerwechsel erlebt. "Es war ja klar, dass Tobias geht und wir sind jetzt froh, dass Thorsten da ist", sagt sie. Einen Heimerfolg zum Hell-Einstand wollen die Moskitos an diesem Samstag um 20 Uhr in der Alsweiler Sporthalle gegen die SG Mainz-Bretzenheim II landen. "Ein Sieg wäre für alle Beteiligten sicher das optimale Ergebnis", so Hell. Seine richtige Arbeit würde nach der Partie beginnen. "Ich muss mir alle anderen Mannschaften auf Video ansehen", sagt der in Tholey wohnende Informatiker.

In der zweiten Runde des Saarlandpokals müssen die Männer der HSG Nordsaar an diesem Samstag, 20 Uhr, bei Liga-Konkurrent HC Diefflen antreten.