1. Saarland
  2. St. Wendel
  3. Marpingen

Ein Stück Dorfgemeinschaft geht verloren

Ein Stück Dorfgemeinschaft geht verloren

Alsweiler. Abschiedsstimmung im Alsweiler Hiwwelhaus. Am Freitag trafen sich dort letztmals die Mitglieder des Handwerkervereins St. Josef, der beschlossen hat, sich nach fast 50 Jahren aufzulösen. Aber die Handwerker waren an diesem Abend nicht allein. Der Verein für Heimatkunde und viele Bürger waren dabei und wollten den Abschied ein wenig leichter machen

Alsweiler. Abschiedsstimmung im Alsweiler Hiwwelhaus. Am Freitag trafen sich dort letztmals die Mitglieder des Handwerkervereins St. Josef, der beschlossen hat, sich nach fast 50 Jahren aufzulösen. Aber die Handwerker waren an diesem Abend nicht allein. Der Verein für Heimatkunde und viele Bürger waren dabei und wollten den Abschied ein wenig leichter machen. Bei dem "Historischen Abend" war natürlich das Handwerk das Hauptthema. Und das hat auch in Alsweiler eine lange Tradition.Schritt für Schritt wurden die 50 Gäste mitgenommen auf dem Weg durch die Geschichte. Klaus Brill, der Vorsitzende des Heimatkundevereins, erzählte von den Handwerksberufen, die es früher im Dorf gab und wie sich im 19. Jahrhundert nach und nach ein Wandel vollzog. Das Handwerk habe immer mehr an Attraktivität verloren. Gruben und Hütten hätten die Familienväter angezogen. Es sei die Zeit gewesen, so Brill, in denen sich Vereine gegründet hätten, um die Handwerksberufe für die Zukunft zu stärken.Aus der Zeit des im Jahre 1960 gegründeten Alsweiler Handwerkervereins wusste sein Mitgründer Robert Laub viel zu erzählen. "Einigkeit statt Konkurrenz" sei als Motto bei der Gründungsversammlung festgelegt worden. Über Jahrzehnte hinweg habe der Verein das Dorfleben mitgeprägt, sich an Veranstaltungen beteiligt, die Geselligkeit gepflegt und viele Fahrten unternommen. "Das Interesse daran ist kleiner geworden und es hat sich ein Wandel vollzogen. Deshalb haben wir unsere Auflösung beschlossen", sagte Robert Laub. Adolf Spaniol aus Tholey, der früher Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft war, wartete mit einem aufschlussreichen Referat und interessanten Zahlen auf. 1960, kurz nach der Rückgliederung des Saarlandes, habe im Handwerk rund um den Schaumberg viel Pessimismus geherrscht. Die Zahl der Betriebe im Landkreis sei von 931 im Jahre 1960 auf 693 im Jahre 1978 zurückgegangen. Bis 2008 habe die Zahl der Handwerksbetriebe allerdings wieder zugenommen und betrage jetzt 824. Das hänge auch damit zusammen, dass es viele neue Handwerksberufe gebe. Dagegen seien die alten Handwerke stark geschrumpft. Dazu zählten zum Beispiel auch die Bäcker, deren Zahl sich von 114 im Jahre 1960 auf 26 im Jahre 2008 verringert habe. In Alsweiler seien heute etwa 20 Handwerker ansässig. "Es sieht im Grunde nicht schlecht aus mit dem Handwerk", sagte Adolf Spaniol. "Die Pessimisten haben nicht Recht behalten. Das Handwerk hat mit Tradition und Fortschritt überlebt." Der Alsweiler Ortsvorsteher Paul Schäfer bedauerte die Auflösung des Handwerkervereins und sprach von einem verloren gegangenen Stück Dorfgemeinschaft. "Deshalb ist das Handwerk im Dorf aber nicht tot." Pfarrer Wolfgang Breininger erinnerte in seiner Ansprache an den heiligen Josef, der Zimmermann gewesen sei. Der erste Handwerker jedoch sei Gott gewesen. Als Töpfer habe er nach dem biblischen Bericht die ersten Menschen aus Ackerboden geformt.Viele historische Fotos warfen noch einmal einen Blick auf die Aktivitäten der Alsweiler Handwerker. Dann folgte der letzte Akt: die Unterlagen des aufgelösten Vereins wurden vom Verein für Heimatkunde für das Archiv übernommen. Die ihm überlassenen 1000 Euro an verbliebenem Vereinsvermögen verwendet er für seine Arbeit. Mit einer Bronzeplastik des heiligen Josef wurden Albert Ohlmann und Rudi Schlick ausgezeichnet. Es war ein Dank für ihre Verdienste um den ehemaligen Handwerkerverein.