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Bündnis der Waldbürgerinitiativen sieht Forstwirtschaft als Hauptproblem

Bündnis macht anderen Störfaktor aus : „Hunde sind nicht das Hauptproblem“

Bündnis der Waldbürgerinitiativen ordnet Forstwirtschaft als Störfaktur für Waldtiere in der Brut- und Setzzeit ein.

Die Brut- und Setzzeit bis 30. Juni dient dem Schutz der heimischen Tierwelt. Störungen in dieser Zeit gefährden trächtige Tiere und brütende Vögel sowie deren Nachwuchs. Darum sollten Hundebesitzer ihre Lieblinge in dieser Zeit auf Spaziergängen in Feld, Flur und Wald anleinen – so der Vierbeiner denn nicht auf Kommando reagiert beziehungsweise nicht auf den Waldwegen bleibt. Allerdings fragt Nicole Brill, Sprecherin des Bündnisses Saarländischer Waldbürgerinitiativen, ob denn der Hund hier das Hautproblem sei? Und sie gibt die Antwort: „Ein klares Nein seitens des Bündnisses. Natürlich sollen sich Hundebesitzer, wie alle anderen Erholungssuchenden auch, so verhalten, dass weder die Natur mit ihrer Tierwelt gestört wird, noch die Felder unserer Landwirte durch Hundekot verunreinigt werden.“

Das Bündnis hat aber einen ganz anderen Störfaktor ausgemacht, der für die Tierwelt wesentlich bedrohlicher ist, „und zwar die ganzjährige Waldnutzung“. Was für einen Privatmann, der seine Hecke nach dem 1. März schneiden möchte, verboten und bußgeldbewährt ist, sei für die Forstwirtschaft ganzjährig durch das sogenannte Forstwirtschaftsprivileg erlaubt. „Ganzjährige Holzerntemaßnahmen gelten pauschal als ordnungsgemäße Forstwirtschaft und unterliegen nicht dem Eingriffstatbestand nach Naturschutzgesetzgebung“, erklärt Brill.

Früher war Holz nur im Winterhalbjahr, also von Oktober bis Ende Februar geerntet worden. „Nicht wegen Naturschutzauflagen, sondern weil es einfach vernünftig ist. Heutzutage wird das ganze Jahr auf riesiger Fläche, auch unter Einsatz lärmender Großmaschinen, geholzt. Vor allem in älteren Wäldern, die für den Artenschutz eine besondere Bedeutung haben, ist dies ein Problem für die Tiere und ihre Fortpflanzung.“

Dabei seien die negativen Auswirkungen für die Tierwelt bekannt. Beispielsweise komme die Bundesregierung zu dem Schluss, dass das sogenannte Forstliche Flächenmanagement nach der intensiven Landwirtschaft die zweithöchste Beeinträchtigung für alle Brutvogelarten in Deutschland bedeutet. Brill bezieht sich dabei auf den Vogelschutzbericht der Bundesregierung aus dem Jahr 2013. „Unser Bündnis fordert deshalb, dass sich auch die saarländische Forstwirtschaft zu den Naturschutzzielen bekennt, das heißt: die Brut- und Setzzeit beachtet.“

Konkret bedeute dies, dass die Holznutzungen „in unseren ohnehin kranken Wäldern“ mit Beginn des Monats März unterbleiben müsse. Ausnahmen wie das Fortführen bereits begonnener Arbeiten oder ähnliches dürfen nach Ansicht der Bürgerinitiativen nur im größten Ausnahmefall zugelassen werden. Damit käme der öffentliche Wald auch der ihm zugewiesen Aufgabe nach, denn das Bundesverfassungsgericht habe bereits Anfang der 1990er-Jahre festgestellt, dass die Bewirtschaftung des Körperschafts- und Staatswaldes der Umwelt- und Erholungsfunktion des Waldes diene und nicht der Sicherung von Absatz und Verwertung forstwirtschaftlicher Erzeugnisse.

Die staatliche Forstpolitik solle im Gegensatz zur Landwirtschaftspolitik weniger die Betriebe und die Absetzbarkeit ihrer Produkte fördern, als vielmehr die Leistungsfähigkeit des Naturhaushalts.

Nicole Brill ist Sprecherin des Bündnisses Saarländischer Waldbürgerinitiativen, ein Zusammenschluss saarländischer Bürgerinitiativen (BI), die sich für eine naturgemäße Waldnutzung einsetzen. Mitglieder sind: BI Wir für den Wald Winterbach, BI Merzig Unsere Stadt unsere Zukunft, BI Wald statt Forst, BI Pro Saar Wald, BI Pronatur Merzig, Saarländische Waldakademie, BI Pro Betzenhölle und BI Saarschleife-Cloef-Schutz/Für Mensch und Natur. Kontakt zu Nicole Brill per E-Mail an: wirfuerdenwald@gmx.de.