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Bilder aus dem deutschen Lourdes

Bilder aus dem deutschen Lourdes

Am vergangenen Wochenende eröffnete Marpingens amtierender Bürgermeister Werner Laub die Ausstellung „Marpingen – das deutsche Lourdes. 140 Jahre Härtelwald“ im Kulturzentrum Alte Mühle. Zahlreiche Dokumente, Bilder und Gemälde zeugen von der kolportierten Marienerscheinung dreier Mädchen 1876, die den Ort weit über seine Grenzen hinaus bekannt machte.

Das Marpinger Kulturzentrum Alte Mühle beherbergt von nun an die Ausstellung "Marpingen - das deutsche Lourdes. 140 Jahre Härtelwald". Zur Eröffnung eines der Höhepunkte während der Marpinger Pilgerwoche begrüßte Bürgermeister Werner Laub die Gäste: "Ich bin froh, nach Jahrzehnten des Sammelns, der Öffentlichkeit diese Ausstellung präsentieren zu können."

Die Stiftung Marpinger Kulturbesitz hat mit Unterstützung des St. Wendeler Kultur- und Bildungs-Instituts, der Sparkassenstiftung St. Wendel, dem Ortsrat und weiterer teils privater Sponsoren die Ausstellung auf die Beine gestellt. Zusammengetragen wurden zahlreiche Dokumente, Zeitungsartikel, Gebetsbilder. Im Erdgeschoss der Alten Mühle zeugen Bilder von den Geschehnissen rund um die Marpinger Marienerscheinungen von 1876 bis 2013. Infotafeln geben Aufschluss über den Zusammenhang. Ein Stockwerk darüber wird unter anderem die Marpinger Wallfahrtsgeschichte skizziert. Im historischen Esszimmer liegen Zeitungsartikel aus verschiedenen Zeiten aus.

Bedeutend für die Geschichte der Marpinger Marienerscheinungen von 1876 ist der damalige Pfarrer Jakob Neureuter (von 1865 bis 1895), dem das Obergeschoss der Alten Mühle gewidmet ist. Mit Möbeln der Gründerzeit wurde ein Schlafzimmer eingerichtet. Auf dem Schreibtisch sind Kopien von Neureuters Tagebuchs nachzulesen. "Gendarme in Mäntel gehüllt dort Streben zu Waldeshöh' - sie ziehen mürrisch am Pfade fort, Verfluchend den tiefen Schnee" lautet ein Vers aus seinem Gedicht "Weihnachten in Marpingen ", das auf einer erleuchteten Tafel vor der Stube prangt.

Die Ausstellung konzentriert sich auf die Erscheinungen von 1876: Drei achtjährige Mädchen sagen 1876 die "weiße Frau", die Inkarnation der heiligen Gottesmutter Maria, sei ihnen im Härtelwald erschienen. Unter preußischer Regierung ein unerhörtes Geschehen. Truppen rückten an. Für die katholische Kirche ein Ding der Unmöglichkeit, die Erscheinungen während des Kulturkampfes anzuerkennen.

Die Geschichte ging 1999 weiter: Drei Frauen behaupten, ihnen sei ebenfalls die heilige Maria erschienen - Zehntausende pilgern nach Marpingen , wollen hören, was den sogenannten Seherinnen eingegeben worden sei. Die Dorfbevölkerung selbst bleibt skeptisch: Bei einer Volksbefragung lehnen 82 Prozent ab, den Ort zum offiziellen Wallfahrtsziel machen zu wollen.

Pilgerziel Härtelwald

Jahre ziehen ins Land, Busse mit Pilgern reisen weiterhin am Härtelwald an. Die Marien-Verehrungsstätte und der Brunnen werden saniert. Die Marienerscheinungen von Marpingen wurden nie von der katholischen Kirche anerkannt. Der Trierer Bischof Reinhard Marx verfasst 2005 ein Schreiben an den damaligen Marpinger Pfarrer Leo Hoffmann, worin er die Gebetsstätte als wichtigen Ort im Gesamtgefüge einer Diözese benennt: "Ohne solche Orte wäre die Kirche ärmer und das Glaubensleben kälter und unfruchtbarer." Er bittet Hoffmann, alle Menschen, die in Marpingen beten wollen, pastoral zu begleiten. Wortgottesdienste, Andachten und Gebetszeiten könnten weiterhin im Härtelwald stattfinden.

Für die Marpinger hat der Härtelwald weiterhin eine große Bedeutung. Dazu der heutige Pfarrer Volker Teklik: "Der Ort hat eine besondere Gebetsausstrahlung." Auch fernab der Erscheinungen habe der Härtelwald eine große Anziehungskraft für die Dorfbevölkerung.

Die Ausstellung "Marpingen - das deutsche Lourdes. 140 Jahre Härtelwald" ist sonntags zwischen 15 und 18 Uhr sowie dienstags bis donnerstags von 9 bis 12 Uhr geöffnet. Führungen sind auf Anfrage möglich, Tel. (0 68 53) 40 02 42.