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Alwine Rohner feiert in Urexweiler ihren 100. Geburtstag

Runder Geburtstag : Alwine Rohner wird 100 Jahre alt

Jahrhundert vollgemacht: Doch wegen der Corona-Pandemie wird der Geburtstag von Alwine Rohner nur klein gefeiert.

„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ war ein  Roman des schwedischen Schriftstellers Jonas Jonasson. Das Buch handelt von einem Herrn, der an seinem 100. Geburtstag aus dem Fenster seines Seniorenheimes klettert, um allen Festivitäten zu entgehen. An diesem 5. Mai wird das Jahrhundert, das Alwine Rohner vollendet, nicht mit einem großen Fest und zahlreichen Gästen gefeiert. Nur im engsten Familienkreis wird sie Aufmerksamkeit und Zuwendung finden. Die Coronakrise hat alle sonstigen Planungen zunichte gemacht.

Geboren wurde die Jubilarin 1920 in Urexweiler als eines von zehn Geschwistern, wovon zwei im Kindesalter starben. Noch heute lebt sie in ihrem Geburtshaus. Auch vor 100 Jahren herrschten stürmische Zeiten, die Folgen des Ersten Weltkrieges waren in allen Lebensbereichen deutlich spürbar und die Zukunft sehr unsicher. Nach der Volksschule absolvierte sie die Handelsschule in St. Wendel. Den Schulweg legte sie täglich mit dem Fahrrad zurück. Es folgte das damals übliche Landjahr in Duderstadt. Anschließend fand sie eine Bürostelle in der Militärverwaltung, die sie zum Dienst in Holland und in Königsberg/Preußen verpflichtete. Dort war sie als Bürokraft im Pferdelazarett tätig.

Kurz vor Kriegsende flüchtete sie alleine mit einem Pferd und einer kleinen Kutsche durch ein vom Krieg gezeichnetes Land bis an den Rhein. Die dortigen Militärs beschlagnahmten Pferd und Karren und sogar ihren Wintermantel. Von dort aus machte sich die junge Frau zu Fuß unter äußerst gefährlichen Umständen auf den Weg in die Heimat. Wieder zu Hause, fand sie Arbeit im St. Wendeler Textilhaus Houy. Doch ihr Mut und das Angebot, sich beruflich zu verändern, führten sie nach dem Krieg über die Grenzen des Saarlandes hinaus nach Wiesbaden, wo sie im Hotel „Mutter Rosa“ eine Anstellung fand. Dort lief ihr ein echter Hanjob über den Weg, der in Wiesbaden im Hotel „Schwarzer Bock“ als Page arbeitete. Dieser Wink des Schicksals sollte in einer langen glücklichen Ehe mit ihrem Mann Heinrich Erfüllung finden.

Alwines Schwiegermutter Magdalena Rohner war die erste Hebamme in Urexweiler und in dieser Funktion auch zwei Mal Geburtshelferin bei den Kindern Günter und Rosita. Leider hat durch den Unfalltod von Günter im Alter von 24 Jahren auch ein tragischer Schicksalsschlag dunkle Schatten auf die Familie geworfen.

Gerne erinnert sich Alwine Rohner an die schönen Erlebnisse. Viele Urlaubsreisen im eigenen Auto mit ihrem Mann nach Wien, Paris oder mal ganz spontan am Morgen nach Bremen und am Abend wieder zurück, haben Alwines Leben unvergessliche Erlebnisse beschert. Ihr Humor und ihr Interesse am Tagesgeschehen prägen auch heute noch ihren Tag. Sie spaziert täglich in den Brühl, um dort in der gewohnten Umgebung die Natur und die Begegnung mit den Menschen zu genießen. Auch die Stricknadeln lässt sie noch klappern, wenn auch nicht mehr ganz so schnell. Dank der Unterstützung und liebevollen Betreuung in der Geborgenheit der Familie ihrer Tochter Rosita kann Alwine ihren Alltag noch in relativ großer Selbständigkeit genießen.  So kann Alwine den großen Ehrentag im engsten Familienkreis mit Tochter Rosita, Schwiegersohn Peter, den drei Enkelkindern und drei Urenkeln mit Partnern in geistiger und körperlich erstaunlicher Gesundheit feiern. Und nach der Coronakrise werden wahrscheinliche viele Gratulaten kommen.