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"Man tut den Leuten wirklich gut"

"Man tut den Leuten wirklich gut"

St. Wendel. Sie sind eine tragende Säule des Vereines Christliche Hospizhilfe im St. Wendeler Land. Die Rede ist von den 50 ehrenamtlichen Hospizhelfern des Vereines. Ohne sie könnten die hauptberuflichen Koordinatorinnen Bärbel Ludwig und Manuela Tscherleniovsky-Schuch ihre Arbeit nicht bewältigen

St. Wendel. Sie sind eine tragende Säule des Vereines Christliche Hospizhilfe im St. Wendeler Land. Die Rede ist von den 50 ehrenamtlichen Hospizhelfern des Vereines. Ohne sie könnten die hauptberuflichen Koordinatorinnen Bärbel Ludwig und Manuela Tscherleniovsky-Schuch ihre Arbeit nicht bewältigen.30 von ihnen unterstützen Schwerstkranke und ihre Familien im ambulanten Dienst, also Zuhause. 20 sind in stationären Einrichtungen wie zum Beispiel in Altenheimen eingesetzt. Die ehrenamtlichen Hospizhelfer kommen, wenn dies gewünscht ist, ein bis zwei Mal in der Woche zu Besuch. Sie reden mit den Schwerkranken, lesen ihnen vor, sind einfach für diese da. In dieser Zeit werden die Angehörigen entlastet, können Einkäufe erledigen oder einfach mal ein bisschen Zeit für sich haben.

Die Besuche der Hospizhelfer sind übrigens kostenlos. Alle haben eine Schulung gemacht, die ein halbes Jahr dauert und zu der auch ein Praktikum gehört. Die körperliche Pflege der Kranken gehört nicht zu ihren Aufgaben.

Was aber motiviert Frauen und Männer, Todkranke beim Sterben und ihre dadurch stark belasteten Familien zu begleiten? Was gibt Ihnen Kraft? Die SZ hat mit drei ehrenamtlichen Helferinnen gesprochen: Kordula Fuchs, 59 Jahre alt, aus St. Wendel ist seit sieben Jahren dabei, Heike Fries aus Kastel, 51 Jahre alt, seit fünf Jahren, und Marliese Marx aus Urweiler, 70 Jahre alt, eine Hospizhelferin der ersten Stunde.

Alle drei haben ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Tod von Angehörigen gemacht und sich entschlossen, anderen Schwerstkranken und ihren Familien zu helfen. Am Anfang stand dann der Besuch eines entsprechenden Kurses der Christlichen Hospizhilfe. "Ich wollte wissen, wie geht das mit der Trauer? Und das, was ich dann erfahren habe, wollte ich auch weitergeben", erklärt Kordula Fuchs. "Wir haben nicht mehr die Familienstrukturen früherer Zeiten", ergänzt Marliese Marx. "Hilfe von außen ist da oft notwendig." Ein neutraler Gesprächspartner könne helfen.

Ein Beispiel: "Soll ich mit meinem Mann über dessen bevorstehenden Tod reden?" Diese Frage ließ seine Frau fast verzweifeln. War damit doch indirekt die Aussage verbunden, dass es keine Hoffnung mehr auf ein Weiterleben gibt, dass sie ihn aufgegeben haben könnte. Mit Hilfe der Hospizhelferin kam es aber doch zu diesem wichtigen Gespräch und anschließend zu einem viel offeneren Umgang miteinander.

Die Hospizhelferinnen wissen, dass am Ende ihrer Hilfe kein Happy End steht, sondern der Tod. Das ist unausweichlich. Und müsste doch eigentlich jeden frustrieren. Tut es aber nicht. Heike Fries drückt es so aus: "Was mich antreibt: Man tut den Leuten wirklich gut. Da kommt so viel zurück". Und weiter: "Es ist für die Kranken und ihre Angehörigen wichtig, dass man mit jemanden reden kann." Marx ergänzt: "Die Kranken wissen, es ist jemand für sie da, sie sind nicht allein."

Die ehrenamtlichen Hospizhelfer begleiten die Schwerstkranken und helfen ihren Angehörigen. "Die Familie braucht Entlastung" unterstreicht Marliese Marx. Wer Tag und Nacht für einen Schwerstkranken da ist, der brauche auch einmal eine Auszeit, müsse auftanken können. Und dies ohne schlechtes Gewissen. Das könne man tun, wenn der Hospizhelfer im Haus ist. Die Kranken selbst wünschten sich oft Gespräche. Da werde auch mal vorgelesen und gesungen. Und wenn sie wollen, dann wird auch gebetet. Trotz guter Vorbereitung, die Begleitung von Sterbenden ist auch für die Hospizhelfer nicht einfach. Da ist es wichtig, sich untereinander auszutauschen. Jedes Jahr gibt es einen sogenannten Oasentag für die Helfer. Jeden Monat ein Treffen. "Den Tod zu akzeptieren", das haben wir gelernt", sagt Fries. Und oft gebe es Kontakte mit Familienangehörigen lange über den Tod des Schwerstkranken hinaus.

Auf einen Blick

Aufgabe des Vereins Christliche Hospizhilfe ist es, die Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten. Und dies möglichst lange Zuhause. Den Dienst verrichten haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter des Vereines.

Informationen: Christliche Hospizhilfe im Landkreis St. Wendel, Bahnhofstraße 8, St. Wendel, Telefon (0 68 51) 86 97 01, Bürozeiten: montags bis freitags von neun bis zwölf Uhr und nach Vereinbarung. E-Mail: hospizhilfe.wnd@t-online.de, Spendenkonto: Kreissparkasse St. Wendel, Bankleitzahl: 59 251 020, Kontonummer: 612.

Kordula Fuchs
Heike Fries
Marliese Marx

Die Christliche Hospizhilfe, gegründet 1997, ist als eingetragener Verein organisiert. Vorsitzender des Vereines ist seit Sommer 2009 Nikolaus Schorr. vf