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Leo Kornbrust, Bildhauer und Ehrenbürger von St. Wendel, feierte 90.

Herzliche Glückwünsche : Küsschen für das Geburtstagskind

Rund 100 Gratulanten wünschten dem Bildhauer und St. Wendeler Ehrenbürger Leo Kornbrust zu seinem 90. Geburtstag alles Gute.

Die Sonne strahlte an diesem Samstag über der Damra. Im Garten erhoben sich neben den Skulpturen drei Pavillons vom Grün des Rasens. Zwei davon boten Tischen und Bänken Schatten, der dritte diente als eine Art Bühne. An diesem „magischen Ort“, wie Kultusminister Ulrich Commerçon (SPD) das Gelände unterhalb des Symposiums zwischen St. Wendel und Baltersweiler beschrieb, sollte gefeiert werden – der 90. Geburtstag des Bildhauers Leo Kornbrust.

Der Jubilar nahm auf einem Stuhl Platz. In einem schicken Anzug mit Krawatte begrüßte er die Gäste. Seine Augen funkelten dabei vor Freude. Dann – ganz plötzlich – blitzten Tränen darin auf. Er hatte sie entdeckt: Edyta Janic. Jene Frau, die ihn nach seinem Schlaganfall 2013 lange betreut hatte. Aus Polen war sie extra für diesen Tag angereist – als Überraschungsgast. Lediglich Cornelieke Lagerwaard, Vorsitzende des Vereins Straße des Friedens und enge Vertraute des Künstlers, war in die Pläne eingeweiht. „Es war ein emotionaler Moment. Alle hatten feuchte Augen“, sagte Lagerwaard. In ihrer Heimat kümmert sich Edyta Janic jetzt um ihre kranke Mutter. Aber der Kontakt zu dem Bildhauer sei nie abgerissen. „Er ist so ein wunderbarer Mensch“, hauchte Edyta leise. Und wieder kullerte eine Träne über ihre Wange. Sie habe es als großes Glück empfunden, Leo Kornbrust kennen gelernt zu haben. „Er ist immer in meinem Kopf und meinem Herzen.“

Letzteres ließen die Gäste in ihren Grußworten sprechen. Künstlerkollegen, Weggefährten, Politiker, Freunde und Familie waren gekommen, um ihren Leo zu würdigen, seinen runden Geburtstag mit ihm zu feiern. Sie teilten persönliche Erinnerungen miteinander. Kornbrusts Münchner Galerist Rubert Walser erzählte vom Kennenlernen Anfang der 1980er-Jahre, berichtete von ersten Besuchen in St. Wendel. Mit zittriger Stimme schloss er mit den Worten: „Ich gratuliere Dir und uns allen zu Dir.“ Künstlerkollege Alf Schuler sah 1969 zum ersten Mal ein Werk des Jubilars. „Seine Skulptur hat mich zum Staunen gebracht“, blickte Schuler zurück. Auf dem Sockel habe er dann den Namen des Schöpfers gelesen: „Leo Kornbrust aus St. Wendel.“ „Schon wieder so ein Österreicher“, habe er im ersten Moment gedacht, bald darauf aber den Künstler und dessen tatsächliche Heimat kennengelernt.

Viele Bildhauer-Ratschläge habe er ihr gegeben, bekannte Künstlerin Dorothee von Windheim, die Kornbrust seit 35 Jahren kennt. Die Kunst selbst und besondere Erlebnisse habe sie in all diesen Jahren verbunden. So habe sie dem Bildhauer beim Verlegen der Pflastersteine in St. Wendels Altstadt über die Schultern sehen dürfen. Als sie zuletzt die Kreisstadt besuchte und mit gesenktem Blick vor der Basilika verharrte, habe sie ein Mann angesprochen, ob ihr nicht wohl sei. „Ich sagte, ich betrachte hier die Kunst“, berichtete von Windheim. Daraufhin sei der Mann kopfschüttelnd seines Weges gegangen.

Ob am Boden oder inmitten der Natur – Kornbrusts Kunst gehört zum Stadt- und Landschaftsbild so sehr dazu, dass sie bisweilen gar nicht mehr auffällt. Dabei hat sie doch eine so wichtige Botschaft. Die Skulpturen des 1971/72 von Kornbrust initiierten Symposiums, an dem Bildhauer aus elf Nationen teilnahmen, widmete er als einen Teil der „Straße des Friedens“ der Vision seines Künstlerkollegen Otto Freundlich. Der 1943 von den Nazis in einem Konzentrationslager ermordete Freundlich hatte die Idee von begehbaren Skulpturen, die als Symbol des Friedens in einer Achse von  Norden nach Süden  sowie von Moskau nach Paris platziert werden sollten. Sein Vermächtnis füllten Kornbrust und der Verein Straße des Friedens mit Leben.

Commerçon, Schirmherr dieser außergewöhnlichen Kunstinitiative, war dabei, als einer der Schlusssteine der inzwischen 5000 Kilometer langen Straße des Friedens in St.Aubin-sur-Mer in der Normandie gesetzt wurde. Kornbrust selbst habe nicht dabei sein können.  Der Minister, dessen sorgfältig vorbereitetes Grußwort zuhause auf dem Schreibtisch lag, passte sich der allgemeinen Stimmung an und erinnerte an private Begegnungen mit dem Künstler bei einem Plausch bei Königsberger Klopse sowie an die vielen Briefe in seinem Büro, die Kornbrust „mit zittriger Hand, aber klarem Verstand“ geschrieben habe und die er in Ehren halte.

Landrat Udo Recktenwald (CDU) würdigte Leo Kornbrust als einen „Botschafter der Region“, „bodenständigen Weltenbürger“, der stets die Spannung zwischen „der Ruhe in der Heimat und dem hektischen Treiben in den Großstädten“ gesucht habe. Er, der Kreative, habe Anträge für Fördergelder auf Küchenpapier eingereicht, anstelle des Betrags stets eine Lücke gelassen. Leo Kornbrust war eben für das Visuelle zuständig, wie Cornelieke Lagerwaard es formulierte. Und seine Frau Felicitas Frischmuth, genannt Fee, für das Wort. Das habe sie zu einem unschlagbaren Team gemacht. Immer wieder wurde an die 2009 verstorbene Lyrikerin erinnert, schien ihr Geist über der Damra zu schweben. So folgte auch Recktenwald den Spuren der Schriftstellerin. In einem selbst verfassten Gedicht beschrieb der Kommunalpolitiker Leos Skulpturen wir folgt: „Steinern, doch mit Herz und Seele weisen sie unverrückbar uns den Weg zum Ziel, zu Frieden, zu uns selbst.“

Als Professor an der Akademie für Bildende Künste in München hat Kornbrust so manchem Schüler auf den eigenen künstlerischen Weg geholfen. Einige von ihnen sind zum Ehrentag ihres einstigen Lehrers nach St. Wendel gekommen. So auch der Südkoreaner Jinmo Kang, den Kornbrust stellvertretend zu sich rief. Eines seiner Werke ziert das Stadtbild St. Wendels, ist Teil der Straße des Friedens. So folgte er seinem Lehrer auf diesem Weg.

Der führte auch nach Moskau, wo eine Pyramide Kornbrusts steht. Wie St. Wendels Bürgermeister Peter Klär (CDU) verriet, wolle die Kreisstadt, deren Ehrenbürger Kornbrust ist, dessen Vorbild folgen und eine Verbindung nach Russland schaffen. „Wir wollen eine Stadt nahe Moskau finden, die zu St. Wendel passt und eine Städtepartnerschaft mit ihr eingehen“, sagte Klär. Ein entsprechender Vorschlag soll dem Stadtrat in einer der nächsten Sitzungen vorgelegt werden.

 Künstler Jinmo Kang schießt ein Selfie mit Leo Kornbrust.
Künstler Jinmo Kang schießt ein Selfie mit Leo Kornbrust. Foto: B&K/Bonenberger/

Der Bürgermeister hatte ein ganz besonders Geschenk für den Künstler, beziehungsweise einen Vorgeschmack darauf, mitgebracht. Auf einem Fernseher flimmerte ein kurzer Ausschnitt aus einer 30-minütigen Dokumentation, die das Leben des Bildhauers nachzeichnen soll. „Kommt da noch mehr?“, fragte Leo Kornbrust neugierig, als der Abspann lief. Ja.