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Leben und Leid der Ostertaler Auswanderer

Leben und Leid der Ostertaler Auswanderer

Hoof. Der 82-jährige Peter Glöckner aus Backnang ist im südungarischen Mórágy geboren und aufgewachsen. Er ist ein Nachfahre ehemaliger Ostertaler Auswanderer und wurde mit den anderen deutschstämmigen Bewohnern 1946 ausgewiesen. Glöckner weiß über das Leben und Schicksal der Auswanderer und ihrer Nachkommen zu berichten

Hoof. Der 82-jährige Peter Glöckner aus Backnang ist im südungarischen Mórágy geboren und aufgewachsen. Er ist ein Nachfahre ehemaliger Ostertaler Auswanderer und wurde mit den anderen deutschstämmigen Bewohnern 1946 ausgewiesen. Glöckner weiß über das Leben und Schicksal der Auswanderer und ihrer Nachkommen zu berichten.Im Jahre 1724 machten sich sechs Familien aus dem Ostertal auf den Weg, um nach Ungarn auszuwandern. Sie folgten dem Aufruf des deutschen Kaisers Karl VI., um die in den Türkenkriegen verwüsteten und entvölkerten Gebiete neu zu besiedeln und zu kultivieren. Diese Auswanderer aus Hessen und der Pfalz bauten das Dorf Mórágy auf, das zwei Jahrhunderte später über 2000 Einwohner zählte. "Sie haben in 222 Jahren aus Sumpf und Urwald im südlichen Ungarn ein blühendes deutsches Dorf gebaut", sagte Peter Glöckner. Die Deutschen hätten ihren reformierten Glauben, die deutsche Muttersprache, ihr Kulturgut und ihre ganze Lebensart bewahrt und von Generation zu Generation weitergegeben. Es sei kaum zu ermessen, welchen körperlichen Strapazen und welch seelischem Druck die Auswanderer bei dieser Reise ausgesetzt waren, sagte Glöckner.

Schwere Bündel mit den allernotwendigsten Bedarfsgütern, Geräten, Hausrat und Kleidung über der Schulter, kleine Kinder an der Hand führend, ging es zu Fuß nach Ulm. Eng zusammengepfercht auf den "Ulmer Schachteln", flachen Donaubooten, führte die keineswegs ungefährliche Flussfahrt bis ins südliche Ungarn.

Es war Juli 1724, eilig errichtete Laubhütten konnten kaum vor Regen schützen, geschweige denn gegen Kälte in den schneereichen Wintern ausreichend Schutz bieten. Schon eher Erdlöcher, Felsvorhänge und in den Berg gegrabene Höhlen. Glücklicherweise gab es genug Brennholz, um an primitiven Feuerstellen etwas Wärme zu erzeugen. Der Ansiedlungsvertrag wurde vom Grundherrn und 15 Vertretern der Ansiedler unterzeichnet mit folgenden Namen: vier Glöckner, fünf Müller, je ein Seyler, Brandt, Igel, Köhl, Becker und ein unleserlicher Name. Darin waren auch die Rechte und Pflichten festgelegt. red