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Landkreis St. Wendel schaltet Info-Telefon zum Coronavirus

Info-Telefon zum Coronavirus : Sie haben ein offenes Ohr für die Sorgen der Bürger

Der Landkreis St. Wendel hat ein Info-Telefon zum Coronavirus geschaltet. Die SZ hat bei den Telefonisten nachgehört, mit welchen Anliegen die Anrufer sie konfrontieren.

Die Angst vor dem Coronavirus breitet sich genauso schnell aus wie die Krankheit selbst. Kunden räumen in Supermärkten die Regale leer, um ihre Vorräte aufzustocken. Immer mehr Menschen trauen sich nur noch mit Atemmasken vor die Tür. Der Ansturm auf die Testzentren im Saarland ist gigantisch. „Die Leute sind verunsichert“, sagt Philipp Wagner, Gesundheitsaufseher im Landkreis St. Wendel. Denn die derzeitige Situation werfe unzählige Fragen auf. Fragen, auf die es teilweise noch keine Antworten gibt.

Um den Bürgern in dieser schwierigen Zeit wenigstens ein paar ihrer Sorgen und Nöte abzunehmen, hat der Landkreis ein Infotelefon zum Coronavirus eingerichtet (wir berichteten). Dieses ist bereits seit dem 10. März geschaltet – und wird von den Menschen im St. Wendeler Land gerne in Anspruch genommen. Im Schnitt nehmen zehn Mitarbeiter der Verwaltung die Anrufe entgegen. Sie sitzen verteilt in zwei Räumen im Landratsamt und arbeiten in zwei Schichten. So ist gewährleistet, dass die Hotline von montags bis freitags, je 8 bis 16 Uhr, besetzt ist. „Die Mitarbeiter sind geschult. Außerdem bringen wir sie zwei Mal am Tag auf den neuesten Stand in Sachen Corona“, verrät Wagner. Dadurch seien die Damen und Herren am Telefon meist dazu in der Lage, die Fragen der Bürger selbst zu beantworten.

Die Hotline des Landkreises ist allerdings nur für allgemeine Themen gedacht. „Wer Krankheitssymptome zeigt, sollte sich telefonisch beim Hausarzt melden“, betont Wagner. Wenn die Mitarbeiter mal keine Antwort parat hätten, würden sie die Anrufer an das Gesundheitsamt weiterleiten. Das sei aber nur selten notwendig. „Meistens stellen uns die Leute dieselben Fragen“, erzählt eine der Telefonistinnen, die nicht namentlich genannt werden wollen. Wie lange dauert es, bis das Testergebnis vorliegt? Ein Verwandter ist positiv getestet worden, was soll ich nun tun? Was ist der Unterschied zwischen verordneter Quarantäne und häuslicher Absonderung? Und wie verhalte ich mich, wenn ich Kontakt zu einem Infizierten hatte? Dies seien die meist gestellten Fragen.

„Die Anrufer sind oft sehr besorgt. Sie freuen sich, dass sie mit uns über ihre Ängste reden können und einen Ansprechpartner haben“, sagt eine Verwaltungsangestellte. Sie erinnert sich an ein Telefonat mit einer jungen Frau. Diese sei so verzweifelt gewesen, dass sie die ganze Zeit geweint hätte. In solchen Situationen müssen die Telefonisten auch schon mal als Seelentröster fungieren. Und auch Kreativität in Sachen Beschäftigungs-Tipps ist in dem Job hin und wieder gefragt. „Einmal hatte ich ein Kind am Apparat, das nicht mehr mit seinen Freunden spielen durfte und mich gefragt hat, was es denn nun machen soll“, berichtet eine Mitarbeiterin.

Trotz der Krise seien die Menschen am Telefon meist freundlich und würden sich nur selten im Ton vergreifen. Skurrile Fragen hingegen kommen immer mal wieder vor. „Ein Mann hat sich beschwert, dass im Baumarkt so viel Betrieb ist. Er wollte wissen, ob wir das Geschäft nicht schließen können“, erzählt eine Mitarbeiterin. „Als ich fragte, wo er denn gerade sei, antwortete der Mann: ‚Na im Baumarkt’.“ In solchen Situationen können sich die Telefonisten das Lachen nur schwer verkneifen. Sie alle haben sich freiwillig für den Dienst am Infotelefon gemeldet, gehen gewöhnlich anderen Aufgaben in der Verwaltung nach. Nun helfen sie aus, wo sie gebraucht werden.

Neben dem Infotelefon für besorgte Bürger bietet der Landkreis noch eine Hotline für Eltern, die Fragen zu den Schul- und Kitaschließungen haben. Um Anliegen von Firmeninhabern kümmert sich die Wirtschaftsförderungsgesellschaft (siehe Info-Box). So sollte für so ziemlich jede Angelegenheit rund um das Coronavirus im St. Wendeler Land ein passender Ansprechpartner zur Verfügung stehen. „Aber eine Frage beantwortet garantiert keiner der Mitarbeiter“, sagt Gesundheitsaufseher Wagner. Er hat festgestellt, dass immer wieder Menschen anrufen, die beispielsweise den Namen und Wohnort der Infizierten wissen möchten. „Aber darüber erteilen wir keine Auskünfte. Die gehen niemanden etwas an“, erklärt Wagner.