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Kreisvorsitzender des Bauernverbands in St. Wendel spricht über Ernte

Kostenpflichtiger Inhalt: Bauern im St. Wendeler Land : Landwirte beklagen erhebliche Ernteausfälle

Es war ein hartes Jahr für die Bauern im Landkreis St. Wendel. Sie hatten mit Trockenheit und Wildschweinen zu kämpfen.

Einmal im Jahr feiern Christen, was die Natur hervorbringt. Mit Früchten, Getreide und Obst schmücken sie Altäre und danken Gott für die Ernte. So auch an diesem Sonntag, 6. Oktober. Trotz des Festes wird bei vielen Landwirten die Stimmung jedoch getrübt sein. „Es ist das zweite Jahr in Folge, das sehr trocken ist“, schildert Peter Scherer, der Kreisvorsitzende des Bauernverbands in St. Wendel. Die Ernte sei „unterdurchschnittlich mit Schwankungen nach oben und unten“ ausgefallen.

Dabei habe das Jahr gut angefangen. Aufgrund der zufriedenstellenden klimatischen Bedingungen, die noch im Frühjahr herrschten, sei die Ernte der Wintergerste sehr gut ausgefallen, erklärt Scherer. Dieses Getreide habe lange von der Frühjahrsfeuchte profitieren können. Auch die Roggenernte habe sich zufriedenstellend gestaltet, da die Pflanzen bei Einbruch der trockenen Hitze bereits ausreichend entwickelt gewesen sein wären.

Im Laufe des Sommers hatte „das unheimliche Niederschlagsdefizit allerdings erhebliche Ernteausfällen“ zur Folge. Der Boden sei gerade ab der zweiten Jahreshälfte schlichtweg zu trocken gewesen. „Wir sind abhängig von jedem Tropfen Wasser, der fällt“, erklärt der Landwirt und fügt hinzu: „Durch die gelegentlichen, gewitterartigen Schauer, die punktuell herunterkamen, kann der Ertrag von Dorf zu Dorf unterschiedlich sein.“ Dass es Bauern im Landkreis gebe, bei denen die Ernte rundum gut ausfiel, sei jedoch mehr als unwahrscheinlich.

„Dieses Jahr war noch schlechter als das vorherige“, klagt Scherer. Es gebe keinen Wasservorrat im Boden. Dies führte dazu, dass sowohl die Erträge von Sommergetreide und Hafer sowie von Kartoffeln schlecht ausfielen. „Selbst der Mais, eine Pflanze, die Trockenheit für gewöhnlich gut verträgt, musste unter dem Druck der dreimonatigen Trockenheit kapitulieren“, weiß Scherer. Das habe Ausfälle von rund 40 Prozent verursacht.

Gerade der Mangel an Mais, der häufig als Futterpflanze in der Tierzucht eingesetzt wird, würde große Probleme bei den Viehhaltern verursachen. Doch damit nicht genug. Wo der erste Grasschnitt im Mai laut Scherer noch gut und auch der zweite zufriedenstellend ausfiel, lohnte sich eine dritte Ernte für die meisten Landwirte nicht. Seither ist das Gras nicht sonderlich gewachsen, was in der Konsequenz Futterlücken bei den Viehbetrieben aufwirft. Mancherorts würden sich die Bauern gezwungen sehen, Stroh in die Rationen einzumischen oder mit Klee zu füttern, teilt Scherer mit. Im Extremfall müssten sie sogar von außerhalb Futter nachkaufen. „Man kann sich nicht mehr auf die Grundlagen verlassen, die man einmal gelernt hat“, bringt der Landwirt seine Unzufriedenheit zum Ausdruck. Die vergangenen Jahre seien immer unberechenbarer geworden.

Doch nicht nur das Wetter spielte der aktuellen Ernte übel mit. Landwirte sehen sich über das ganze Jahr im Konflikt mit Wildschweinen, deren Population laut Scherer stetig weiter ansteige und kaum mehr zu handhaben sei. „Das Problem ist nicht, dass sie eine Pflanze fressen, sondern, dass sie auf dem Weg zu dieser Pflanze 30 weitere niedertrampeln“, erklärt er. Kartoffeln und Mais seien hierbei begehrte Ziele. Allerdings würden die Schweine durch ihr Herumwühlen auch den Grasschnitt gefährden. „Beim Mähen kommt Schmutz ins Futter und das ist für die Tiere nicht gut“, beklagt Scherer. Die schlechten Erträge beeinflussen die Produktpreise zum Leidwesen der Landwirte allerdings kaum. Ihre Hoffnung, dass durch die geringe Ernte zumindest ein besserer Preis erzielt werden könne, wird durch die global gute Ernte sowie die Vernetzung zum Weltmarkt enttäuscht. Die finanzielle Situation bleibt für sie daher weiterhin angespannt.

Positives lässt sich hingegen über die Strohernte sagen. „Die Trockenheit ließ eine Schimmelbildung nicht zu und erlaubte allgemein, dass man die Ernte gut und ohne großartige Unterbrechungen abspulen konnte“, erläutert Scherer. Immerhin hier spricht er von einer Entlastung der Situation.

Auch für Speise- und Verarbeitungskartoffeln ziehen die Landwirte eine ernüchternde Erntebilanz. Foto: dpa/Uwe Anspach

Nach eigenen Aussagen wünscht sich der Kreislandwirt lange und andauernde Regenfälle, die den trockenen Boden aufweichen und den Wasserspeicher über den Winter hinweg auffüllen sollen. Der kürzlich gefallene Regen sei für die anstehende Winteraussaat zumindest ein gutes Zeichen. Scherer erinnert daran, wie wichtig es sei, die Winterfeuchtigkeit mehr ausnutzen. Aus diesem Grund sollten Landwirte über den Winter sogenannte Zwischenfrucht aussähen, wie etwa Grasmischungen mit Klee. Scherer hofft darauf, im Oktober noch einmal Grasschnitt einfahren können.