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Wochenkolumne von Thorsten Grim aus der SZ-Lokalredaktion in St. Wendel

Wochenkolumne : Da hilft nur noch eine herbe Medizin

Von Corona zum Glück verschont geblieben, doch von der Freck voll erwischt: SZ-Redakteur Thorsten Grim hat es nicht leicht in diesen nichtsommerlichen Tagen. Da kann nur noch ein althergebrachtes und liebevoll gebrautes Zaubermittel helfen.

Was war denn das bitte für eine bescheidene Woche? Der Sommer hat sich offenbar in eine Schmollecke zurückgezogen, die Deutsche Nationalelf. . . reden wir nicht drüber. Und kaum ist die Luft ein wenig raus aus der Corona-Pandemie, weshalb die AHA-Regeln wohl nicht mehr ganz so strikt befolgt wurden, hat mich die Freck voll erwischt. Und wir wissen alle, was das heißt: Ich bin tödlich verwundet. Die Nase läuft, der Kopf brummt, der Hals kratzt, die Lunge rasselt. Doch Mitleid bekommt man in diesen Zeiten nicht. Die Kolleginnen schlagen mir die Bürotüren vor der laufenden Nase zu und reden nur durchs Telefon mit mir. Wegen der vermeintlichen Ansteckungsgefahr. Meine bessere Hälfte verweigert mir ebenfalls Nähe und nur der Hund reicht mir tröstend eine Pfote. Wobei, es könnte auch sein, dass er bloß um Leckerlis bettelt. Darauf deutet zumindest sein Blick hin, der zwischen mir und der Futterdose fordernd hin und her pendelt. Der Katze ist mein Leid jedenfalls egal – sie ignoriert mich wie eh und je. Und so bleibt mir in dieser prekären Situation nur eines: Selbstmitleid. Wikipedia erklärt, dass Selbstmitleid bedeutet, auf Missgeschicke, eigenes Versagen oder Unfähigkeit negativ zu reagieren (im Extrem: „alles hat sich gegen mich verschworen“). Dieses Gefühl der Selbstbetrauerung könne sich zu einer Posttraumatischen Verbitterungsstörung entwickeln. Naja, so weit will ich es dann doch nicht treiben. Zumal weiter unten in jenem Artikel steht, dass glückliche Gedanken die Auswirkungen von Selbstmitleid verringern können. Also mache ich mir jetzt mal glückliche Gedanken. Dabei könnte mir eventuell ein Zaubertrank zupasskommen, den wir unter der Woche in der St. Wendeler Zeitung vorgestellt haben: In Handarbeit hergestellter Hopfen- und Blütentee. Schwarzenholzer Hexe heißt das Bräu. Eine herbe Medizin. Aber was macht man nicht alles, um schnell wieder fit zu werden. In diesem Sinne, ein herzliches Prost!