Weitsicht oder Größenwahn?

Keine Frage: Das St. Wendeler Land hat sich in den zurückliegenden Jahren zu einer saarländischen Hochburg der Leibesübungen gemausert. Marathon, Radsport, Golfen, Rallyemeisterschaften - um nur einige wenige Disziplinen zu nennen, die sogar international für Aufmerksamkeit sorgen. Und auch die Bliesener Volleyballer haben ein hehres Ziel vor Augen, so denn man Peter Klär (CDU), Chef im Kreisstadt-Rathaus, Glauben schenkt: den Aufstieg in die Zweite Bundesliga.

Damit nicht nur Hobby- und Profiathleten von diesem Engagement profitieren, sollen auch Schulen für genügend Bewegung beitragen: im Turnunterricht. Dafür braucht es entsprechend Raum auf Plätzen und in Hallen.

Damit dies auch künftig reibungslos funktioniert, arbeiten Stadt, Kreis und Landesregierung gemeinsam an einem Großprojekt: an einer neuen Kombihalle für Sport und anderweitige Veranstaltungen, in die bis zu 1300 Zuschauer auf zwei Tribünen passen. Doch tun solche Dimensionen der Kreisstadt gut? Sind sie sinnvoll? Handelt es sich dabei, wie SPD-Politiker abschätzig wettern, um eine überdimensionierte Monsterhalle? Oder ist das Projekt mit Blick auf das sportliche Renomme der Region absolut gerechtfertigt?

Unabhängig davon, ob in diesem konkreten Fall Gegner von ländlichem Größenwahn oder Befürworter von politischer Weitsicht reden: Der Streit darüber unterstreicht, dass es einen landesweiten Entwicklungsplan geben muss, um die Sinnhaftigkeit solcher Vorhaben an den jeweilig vorgesehenen Standorten zu hinterfragen und die Entscheidungen darüber fachlich abzuwägen. Denn es bleibt ja längst nicht nur bei den Einmalkosten für den Aufbau. Erinnern wir uns an die Zeiten, als jedes Dorf eine Mehrzweckhalle für sich reklamierte. Flächendeckend mehr oder weniger rasch hochgezogene Trutzburgen aus Beton entstanden. Wie an einer Perlenschnur aneinandergereiht. Oftmals in benachbarten Orten. Heute leben wir mit erheblichen Folgekosten, die für Erhalt und Reparaturen anfallen. Solch einen Wettstreit um die Ausstattung der Kommunen mit Prestigeobjekten darf es nicht mehr geben.

Mehr von Saarbrücker Zeitung