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Wachsam sein statt Panik schieben

Wachsam sein statt Panik schieben

Haben wir es nicht immer schon gewusst? Die Gesellschaft verroht zunehmend. Das Risiko, Opfer einer Gewalttat auf offener Straße zu werden, steigt. Nicht nur im Molloch der Großstädte, sondern gleichfalls auf dem platten Land.

Das belegen diese Woche bekannt gewordene Angaben aus der Kriminalitätsstatistik der Polizei für den eigentlich sehr betulich wirkenden Landkreis St. Wendel, dessen Verantwortliche aus Politik und Gesellschaft mit dem Attribut der Beschaulichkeit und Sicherheit gern einmal kokettieren.

Kein Wunder, dass es im St. Wendeler Land nicht anders zugeht als im übrigen Deutschland. Leben schließlich hier keine anderen Menschen als sonstwo. Gibt es hier ebenso unterschiedliche Charaktere wie in den Ballungszentren, die gern einmal von Landeiern als der Hort des Bösen, des Verwahrlosten schlechthin herangezogen werden.

Dabei ist die Zunahme an gewalttätigen Übergriffen kein alleiniges Problem an mangelnder Staatsautorität, kein Manko, welches der schwindenden Polizeipräsenz in der Fläche anzulasten ist. Es sind falsche Verhaltensmuster jener, die in der Region leben. Denn der viel kritisierte Mangel an Ordnungshütern vor Ort ist keine Aufforderung an potenzielle Schläger, die Faust zu erheben. Vielmehr sind es gesellschaftliche Konventionen, Gewalt zu ächten, die ins Hintertreffen geraten. Darüber sollten sich alle Gedanken machen, es sollten alle ihr eigenes Verhalten hinterfragen, ob sie entschieden genug jenen Paroli bieten, die Selbstjustiz als probates Mittel verstehen. Egal, ob es um Eigeninteressen oder gemeinschaftliche Anliegen geht.

Trotz der offensichtlich wachsenden Bereitschaft, seinen Willen mit körperlichen Attacken durchzusetzen, sollten wir nicht in Panik verfallen. Heile Welt wäre sicher zu viel des Guten, aber noch können wir uns in unserer Heimat recht sicher fühlen. Damit es aber so bleibt, sollten wir wachsam sein, ohne es zu übertreiben und zu Denunzianten zu mutieren.