Apropos – Die tägliche Kolumne Mausiger Dank der stolzen Katze

Der Stuben-Tiger dankt seinem Retter oft mit einem lebendigem Geschenk.

Stuben-Tiger dankt seinem Retter mit lebendigem Geschenk
Foto: Robby Lorenz

Unsere Katze ist ein stolzes Tier. Und manchmal ein bisschen schoogesisch, was sie aber mit hocherhobenem Köpfchen zu überspielen versucht. Doch vor Kurzem gab es nichts zu überspielen, weil sie schlicht und ergreifend in der Klemme saß. Aus der kam sie nicht raus. Oder besser: Sie kam nicht mehr runter. Es war schon spät am Abend, die Uhrzeiger näherten sich der Geisterstunde, als ich aus dem Garten ein klägliches Maunzen hörte. Also ab in die Dunkelheit, immer dem Klagelied nach. Und da saß sie. Im Kirschbaum in gut vier Metern Höhe. Den Stamm rauf war sie gekommen, runter nicht. Ich redete ihr gut zu und streckte ihr die Arme entgegen, damit sie sich zu springen traute. Tat sie nicht. Lotte sah mich stattdessen nur vorwurfsvoll an und knurrte hörbar verärgert – vermutlich über meine Dummheit. Denn sie ist ein weibliches Wesen und ich männlich – und somit, das hat mich das Leben gelehrt, schuld an ihrem Unglück. Nach langem Hin und Her konnte ich den Mini-Tiger schließlich überzeugen, dass der Vierkant-Holzpfosten, den ich angestrengt in die Höhe hielt, als Notabstieg taugen würde. Wenngleich sie mir darauf mehr entgegen rutschte als lief. Als ich sie vom rettenden Pfosten herunterhob, bedankte sich das Samtpfötchen, indem es mir unsanft die Arme zerkratzte, weglief und mich am folgenden Tag ignorierte. Dann zeigte sie sich aber doch erkenntlich: Liebevoll blinzelte sie mir zu, als sie mich dabei beobachtete, wie ich versuchte, die Maus zu fangen, die sie mir als lebendes Geschenk ins Wohnzimmer gesetzt hatte.