Respekt gegenüber dem Anderen

Freie Meinungsäußerung, ohne Repressalien zu befürchten: Das ist nicht überall selbstverständlich. Und wird bei uns auch zunehmend schwieriger. Nehmen wir das Beispiel eines Türken, der aus seiner Heimat zu uns flüchtete, mittlerweile in Oberthal lebt. Er sprach in seiner Heimat das aus, was er dachte. Darauf wurde er zum Staatsfeind erklärt. Ohne je einen Gedanken daran verschwendet zu haben, andere mit Gewalt von seiner Meinung zu überzeugen. Er setzt sich mit konträren Ansichten auseinander. Das macht Demokratie aus: Toleranz und Respekt gegenüber Andersdenkenden. Hier stößt er damit bei seinen Landsleuten wiederum auf erbitterten Widerstand.

Auch viele Deutsche tun sich mit anderen Meinungen schwer. Wie im Fall des psychisch Kranken, der im St. Wendeler Krankenhaus Feuer gelegt haben soll. Ein traumatisierter Kriegsflüchtling. Seine Nationalität? Tut nichts zur Sache, ist für eine Diagnose irrelevant. So nannten wir sie auch nicht. Ein Anrufer war anderer Auffassung. So weit, so gut. Doch statt sachlicher Diskussion konterte er wutschnaubend, wir wollten die Leser für dumm verkaufen. Dahinter stecke System. Es handelte sich bei ihm übrigens um einen kommunalpolitischen Mandatsträger, dessen Partei die Begriffe demokratisch und sozial im Titel führt. Ähnliche Äußerungen eines Politikers, der das große C vor sich herträgt. Dieser ließ zu einem anderen Thema via Internet wissen: "Diesen freien Journalismus brauchen wir hier nicht." Welch absurdes Demokratieverständnis.

Jemanden verteufeln, weil er anders denkt? Ihn davonjagen, weil er Ansichten vertritt, die den eigenen widersprechen? Ihn in letzter Instanz etwas antun, wenn er nicht pariert? So erging es doch auch einer gewissen Gestalt aus der Bibel: Jesus. Der, weil er nicht der angeblich vorherrschenden gesellschaftlichen Richtung entsprach, gelyncht wurde. Nein, an dieser Stelle keine moralinsaure Kirchenpredigt zum Osterfest. Nur so viel: Auch Menschen, die mit dem Christenbuch schlechthin nichts am Hut haben, stützen sich nur allzu gern auf Gesetze, reklamieren Regeln, Pflichten und Freiheiten unserer Gesellschaft für sich, die auf Inhalte dieses Glaubenswerkes fußen: Toleranz und Respekt. Das sollte uns allen bewusst sein, erst recht dann, wenn jemand nicht unseren Ansichten folgt.