Pointen in Twittergröße

Wahlkampfauftakt und Fastnachtsendspurt - wie geht das zusammen? Doch eigentlich prima. Denn eine kräftige Portion Humor täte oder tut beiden ganz gut. Die Kommunalpolitiker halten sich mit ihren Wahlkampfreden bis Dienstag noch etwas zurück, wohl auch aus Furcht, sie könnten mit Büttenreden verwechselt werden. Zumal politische Themen wieder vermehrt Einzug in die närrischen Umtriebe und auf Bühnen gehalten haben. Steile Vorlagen gibt es derzeit ja von allen Seiten, vor allem von jenseits des großen Teichs, aber durchaus auch auf regionaler Ebene. Pointen in Twittergröße sind genau das Maß für gelungene Reden in den Narrhallas. Und wohl auch bei den Wahlkampfauftritten. Verwechslungen sind nicht ausgeschlossen. Denn hier wie dort zählen vor allem griffige Slogans und Pöbeleien auf die (politischen) Gegner, wobei 140 Zeichen dafür immer ausreichen. Fast alle Kommunalwahlkämpfer zeigten sich auf Kappensitzungen, Bällen oder stiegen gar selbst in die Bütt. Zum Üben. Ab Aschermittwoch können unsere heimischen Politiker dann in echt und ernst weitermachen. Doch beim Vertilgen ganzer Heringsschwärme muss ja der Spaß nicht aufhören.

Die Wahlplakate, die rechtzeitig zur Straßenfastnacht aufgehängt wurden, verstärken jedoch eher den Eindruck, dass das Wahlvolk weiterhin zum Narren gehalten wird. Wie anders kann man die dämlichen Sprüche einiger Parteien verstehen? So kann übergangslos die närrische Zeit etwas verlängert werden. Oder etwa nicht? Wir Wähler sollten uns nach Fastnacht die Verzagtheit abschminken, uns anhören, was die Kandidaten zu sagen haben, und ihr Gezwitscher kritisch hinterfragen. Hannelore Hempel