Die Gedanken sind frei

Es war ja klar, dass die Millionen-Spende der Globus-Familie Bruch für die neue Sporthalle in St. Wendel auch sonstwo Begehrlichkeiten weckt. Schließlich gibt es landauf landab Sportstätten, Schulen und Kindergärten, die dringend instand gesetzt gehören. Auch SZ-Leser lässt der Hallenbau samt Spende nicht kalt. Einer fordert etwa, dass die Globus-Familie das Tierheim in Niederlinxweiler finanziert. Denn es sei ja so, dass viele Tierhalter bei Globus Futter für ihre Lieblinge kaufen. Wenn das Argument zieht, müsste die Unternehmerfamilie aber eher Kindergärten unterstützen und Schulen, immerhin kaufen viele Eltern dort Utensilien für Kita und Unterricht ein. Das geht dann doch ein bisschen zu weit. Andererseits. Auch ich bin Kunde in den Warenhäusern der St. Wendeler Unternehmerfamilie. Und ich habe einen Garten, den ich gerne ein wenig verschönern würde. Eine Terrasse anlegen, einen Gemüsegarten. Ein Gartenhäuschen vielleicht. Das kostet Zeit. Und Geld. Wäre es nicht möglich, dass …?

Nein, Spaß beiseite. Selbst wenn sie wollen würden: Die Bruchs können meinen Garten nicht retten - und die Welt erst recht nicht. Denn wo sollten sie da anfangen, wo aufhören? Keine Frage ist es indes, dass St. Wendel großes Glück hat, diese heimatverbundene Unternehmerfamilie zu ihren Einwohnern zählen zu dürfen. Ohne Wenn und Aber.

Ich erlaube mir dennoch, jetzt mal ein wenig zu spinnen. Was wäre, wenn wir in einem Land leben würden, in dem die Steuerlast anders verteilt wäre? Wenn sich das reichste Prozent der Deutschen, das laut Deutschem Wirtschaftsinstitut DIW etwa ein Drittel des gesamten Privatvermögens im Land besitzt, über eine fühlbar höhere Vermögens- und Erbschaftsabgabe stärker am Steueraufkommen beteiligen würde? Es geht hier nicht um Neid. Nein. Ehre, wem Ehre gebührt - beziehungsweise Geld. Dennoch konnten viele Geldadelige ihr Vermögen unter anderem deshalb mehren, weil sie in einem Rechtsstaat leben, in dem gut ausgebildete Menschen leben. Weil die Deutschen fleißige Bienchen sind, wie Exportzahlen belegen. Und sie im Gros dennoch zu wenig verdienen. Auch das legen verschiedene Studien nahe.

Vielleicht hätte die öffentliche Hand dann genug Kraft, um nicht nur den neuen St. Wendeler Sporttempel zu bauen, sondern auch das Tierheim finanziell auf solide Beine zu stellen. Sie würde Hallen sanieren. Schulen. Kein Klagen mehr über zu wenige Kita-Plätze. Es gäbe genug Sozialarbeiter, Pädagogen. Krankenhauspersonal würde anständig bezahlt. Vielleicht ginge sogar ein bedingungsloses Grundeinkommen? Damit der Mensch sich nach seinen individuellen Fähigkeiten, nach den Talenten, die Gott ihm mitgeben hat, entfalten kann. Angstfrei. Zum Wohle aller. Das ist Unsinn, sagen Sie? Utopisch? Hab ja nur mal vor mich hingesponnen. Die Gedanken sind frei.

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