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Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

Wir haben eh schon genug von denen hier. Die liegen uns nur auf der Tasche." Oder: "Wieder ein Boot mit Flüchtlingen im Mittelmeer untergegangen? Gut so! Kommen wenigstens ein paar Schmarotzer weniger zu uns."Solch widerwärtige Beiträge sind keine Seltenheit.

Nicht nur unter nazistischen Gesinnungsgenossen am Stammtisch im kleinen Kreis der dörflichen Spelunke. Sondern vielmehr als Kommentar im weltweit frei zugänglichen Internet - vor ganz großem Publikum. Leider erreichen auch die Lokalredaktionen der Saarbrücker Zeitung als Reaktion auf Berichte über Flüchtlingshilfe vor Ort derartige Statements. Früher unter Pseudonym, wie im Verborgenen. Heute prahlen sie ganz unverhohlen unter Angabe des vollen Namens in aller Öffentlichkeit. Mit erzürntem Unterton. Ergänzt ums Totschlägerargument: "Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!"

Hier schnauft die Pegida-Front und wähnt sich im Recht gegen die Lügenpresse. Echauffieren sich jene, die sich keinen Deut darum scheren, welche Not Menschen antreibt, sogar unter Lebensgefahr ihre Heimat zu verlassen. Ja, auch aus Existenznot, weil das Essen zum Überleben fehlt. Abwertend: Wirtschaftsflüchtlinge tituliert. Diesen stünde es nicht zu, hier um Aufnahme zu bitten.

Dann wird die große Rundum-Keule ausgepackt, vermengt, was rein gar nichts miteinander zu tun hat: Asylanten bekommen Wohnungen, während deutsche Obdachlose auf der Straße hausen. Asylanten kriegen Geld, das deutschen Rentnern zusteht. Asylanten nehmen den Deutschen Jobs weg.

Sollen wir derartigen Äußerungen Paroli bieten? Nein. Wir müssen es sogar. Immer dann, wenn der völkische Wutschaum die Tastaturen erstickt und Finger vor lauter Liken des braunen Gesülzes wund werden.