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Klangreise durch die Jahrhunderte

Klangreise durch die Jahrhunderte

St. Wendel. Das in der Basilika beheimatete Vokalensemble Cantica Wendalina plant eine Englandreise und hat unter seinem Leiter Stefan Klemm offenbar hart gearbeitet, um in einem Land, dessen hohe Chorgesangskultur bekannt ist, auftreten zu können

St. Wendel. Das in der Basilika beheimatete Vokalensemble Cantica Wendalina plant eine Englandreise und hat unter seinem Leiter Stefan Klemm offenbar hart gearbeitet, um in einem Land, dessen hohe Chorgesangskultur bekannt ist, auftreten zu können. In einer glücklichen Kombination mit Orgeldarbietungen von Hans-Günther Fischer stellten die acht Sängerinnen und Sänger das beachtliche Ergebnis ihrer Proben vor und boten unter dem Thema "Cantemus - lasst uns singen" Musik aus sieben Jahrhunderten. So bildeten zwei Aufforderungen zum Singen aus Renaissance ("Cantate Domino" von Hans-Leo Hassler) und Gegenwart ("Cantemus" von Ilze Arne), ein Psalmtext beziehungsweise eher säkulare Worte "Singen kennzeichnet den Liebenden", den Rahmen. Ein Schwerpunkt des Gesangs waren vier Teile einer Messe des berühmten Josquin D&;prez (1440-1521), denen die im 12. Jahrhundert entstandene Melodie des eucharistischen Hymnus "Pange lingua" zu Grunde liegt. Diese Musik strahlte bei aller Beweglichkeit der Einzelstimmen Ruhe aus, gab den tiefen Lagen viel Raum, etwa im Zwiegesang der Oberstimmen beim "Pleni sunt coeli" des "Sanctus" und endete meist mit herben Quinten. Die eingefügten Orgelsoli aus einer Suite des zweihundert Jahre jüngeren französischen Barockmeisters Louis-Nicolas Cl&;rambault passten dennoch mit ihren schön kolorierten Solostimmen gut dazu. Eine sehr sensibel gesungene homophone Marienklage von Tomaso Ludovico Vittoria leitete über zu Johann Sebastian Bachs Motette "Lobet den Herrn, alle Heiden", die in der kleinen Besetzung durchaus präsentabel war. Dagegen war der fast solistische Klang der Bruckner-Motetten "Locus iste a Deo factus est" ("Dieser Ort ist von Gott gemacht") und "Christus factus est pro nobis oboediens usque ad mortem" ("Christus ist für uns gehorsam geworden bis zum Tode") ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber man konnte hier das Ensemble in überzeugender Dynamik erleben. Bruckner wurde zwischen romantisch-impressionistische Orgelstücke gestellt, Choralvorspiele von Sigfrid Karg-Ehlert und Präludium und Fuge op. 85,3 von Max Reger, die Hans-Günther Fischer schön registrierte und feinfühlig spielte. Bemerkenswert gelangen die nicht gerade einfachen Kompositionen von Olivier Messiaen (1908-1992): "O sacrum convivium" ("Oh heiliges Gastmahl") für Chor und Orgel - ruhige, spannungsreiche Klänge mit sicher gemeisterten Intervallen und Höhen und in thematischer und musikalischer Stimmigkeit "Le banquet c&;leste" ("Das himmlische Gastmahl") für Orgel. Trotz seiner breiten Ausdrucksskala wirkte das "Ave Maria" von Timo Leskelä geradezu entspannt, während "Cantemus" von Ilze Arne mit interessanter Harmonik und in höchste Höhen entschwebenden Sopranen ein effektvoller Schlussakzent wurde.