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Kinder sind neugierig auf die Natur

Kinder sind neugierig auf die Natur

Bliesen. Irgendwann und irgendwo soll sich diese Geschichte zugetragen haben. Eine Mutter macht mit ihrem Kind Einkäufe im Supermarkt. Vor einer Kiste mit Äpfeln bleibt das Kind nachdenklich stehen und fragt die Mutter: "Sag' mal, warum macht sich der Opa im Garten immer so viel Arbeit mit seinen Apfelbäumen? Im Supermarkt gibt es doch genug Äpfel zu kaufen

Bliesen. Irgendwann und irgendwo soll sich diese Geschichte zugetragen haben. Eine Mutter macht mit ihrem Kind Einkäufe im Supermarkt. Vor einer Kiste mit Äpfeln bleibt das Kind nachdenklich stehen und fragt die Mutter: "Sag' mal, warum macht sich der Opa im Garten immer so viel Arbeit mit seinen Apfelbäumen? Im Supermarkt gibt es doch genug Äpfel zu kaufen." Die 34 Jungen und Mädchen der beiden dritten Klassen der Bliesener Grundschule werden eine solche Frage niemals stellen. Sie haben nämlich miterlebt, was Mutter Natur Jahr für Jahr hervorbringt. Wie aus Blüten Fruchtansätze entstehen, die im Laufe des Sommers immer größer werden, bis sie im Herbst als ausgereifte Früchte geerntet werden können.Um den Kindern Werden und Wandel in der Natur sichtbar zu machen, haben sich die Klassenlehrerinnen Marion Werle und Beate Laub Anfang Mai mit ihnen auf den Weg in eine Streuobstwiese am Rand des Dorfes gemacht. Die meisten Bäume standen gerade in voller Blüte. Klaus Stein, der Umweltbeauftragte der Stadt St. Wendel, der mit dabei war, machte an diesem Tag Bekanntschaft mit vielen begeisterten kleinen Zuhörern. Er erzählte ihnen von den Bienen, die die Blüten bestäuben, von den Käfern, die umherkrabbeln, und von den Meisen, die in den Nistkästen brüten und bald Nachwuchs erwarten. Um das Naturerlebnis komplett zu machen, brachte der Förster Thomas Müller zwei ausgestopfte Tiere mit, eine Eule und ein Eichhörnchen. Den Werdegang der Äpfel von der Blüte bis zur Ernte wollten die Grundschüler in diesem Jahr besonders aufmerksam verfolgen. Der Schulgarten mit seinen verschiedenen Apfelsorten bot den Sommer über die beste Gelegenheit dafür. Fächerübergreifender Unterricht der Klassenlehrerinnen und ab dem neuen Schuljahr auch durch die Fachlehrerin Uta Sullenberger vermittelte den Kindern weiteres Wissen. Dann war der Tag der Ernte gekommen. Im Obstgarten der Schule holten sie die rot- und gelbbackigen Früchte zusammen mit ihren Lehrerinnen von den Bäumen und füllten fünf Bollerwagen damit. Am nächsten Morgen stand ein kleiner Wandertag mit Bollerwagen von der Schule zum Kelterhaus auf dem Programm, wo die Äpfel zu 180 Litern Saft gepresst wurden. Gleich vor Ort konnte der gesunde Trank probiert werden. 60 Liter Saft wurden mit in die Schule genommen und tags darauf bei 80 Grad zu einem länger haltbaren Apfelsaft gekocht und abgefüllt. Wenn die Herbstferien vorbei sind, wird der Saft viele Wochen lang Bestandteil des Klassenfrühstücks sein. Ausgedacht hatten sich dieses Projekt die Bund-Naturschutzgruppe Bliesen, der Obst- und Gartenbauverein und das Umweltamt der Stadt. Der ein halbes Jahr lang dauernde Naturkundeunterricht hat den Kleinen nicht nur viel Wissen vermittelt. Er hat sie auch neugierig gemacht. gtr