Interessengruppen für Erhalt der Gleise von Tükismühle nach Nonnweiler

Streit um die Schiene : Verkehrsexperte plädiert für Wende in Sachen Hochwaldbahn

Die Plattform Mobilität wirft Rehlinger Beharren in alten Denkmustern vor. Der Abriss der Hochwaldbahn falsch.

Erhard Pitzius, Pressesprecher der Plattform Mobilität SaarLorLux, wirft Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) vor, ein Verkehrskonzept für den Nationalpark Hunsrück-Hochwald auszubremsen. Pitzius unterstellt Rehlinger, die Hochwaldbahn „vernichten“ zu wollen, „anstelle den Gästen und Besuchern eine ökologische Alternative zum Auto anzubieten“. Etwa durch die Verknüpfung der Hochwaldbahn mit einem parallel verlaufenden Rad- und Wanderweg in der Region Naturpark Saar-Hunsrück und dem Nationalpark Hunsrück-Hochwald.

Vielmehr werde die Chance eines Nationalparkbahnhofes Türkismühle leichtfertig vertan. Daher sagt Pitzius: „Wer mit dem Namen Anke Rehlinger die Zukunft der Mobilität verbinden möchte, der muss sich gewaltig anstrengen, um überhaupt zukunftsorientierte Akzente in ihrer Verkehrspolitik der vergangenen Jahre auszumachen“. Es stelle sich die Frage, was Rehlinger, die die neue SPD-Kommission „Zukunft der Mobilität“ leiten soll, in ihrer Verantwortung als Verkehrsministerin im Saarland bislang Zukunftsweisendes erreicht habe.

Statt den öffentlichen Personennahverkehr auch auf der Schiene (ÖPNV und SPNV) zu fördern und die dringend notwendige Verkehrswende voran zu treiben, habe „das Team Rehlinger“ – die Ministerin mit Staatssekretär Jürgen Barke und Abteilungsleiterin Verkehr, Astrid Klug – in den vergangenen Jahren „Autopolitik“ gemacht. ÖPNV/SPNV, Radverkehr und Fußverkehr seien beim Ministerium „eine Nullnummer und es ist noch immer keine Bewegung in Richtung Zukunft in Sicht“.

Gelder für Radwege würden nicht abgerufen, Reaktivierungen von Bahnstrecken wie Homburg-Zweibrücken ausgebremst oder Bahnstrecken wie die Hochwaldbahn vernichtet. „Die Förderung des Radverkehrs ist Stückwerk und ohne Blick auf das Ganze“, bemängelt Pitzius. Zudem kritisiert er, dass der im Oktober 2016 initiierte Verkehrsentwicklungsplan (VEP) 2030 für das Saarland schon fast drei Jahre vor sich hin dümpele. „Immer mehr Projektbeiratsmitglieder bleiben den Sitzungen fern, weil immer noch keine konkreten Ergebnisse erzielt wurden.“

Weder Rehlinger noch Barke seien bis dato bei einer Sitzung des VEP aufgetaucht und hätten sich für die Themen und die Menschen im Beirat und den Fokusgruppen interessiert. Und die von der Ministerin angekündigte Tarifreform im saarländischen ÖPNV „ist wieder irgendwo in den Schubladen des Ministeriums verschwunden“.

Er bezweifele, dass sich die künftige Kommissions-Chefin „von ihren alten Ritualen lösen kann und will“. Das Autoland Saarland und das Autoland Deutschland müssten aber dringend verändert werden. „Wir brauchen ein Zusammenspiel aus ÖPNV/SPNV, Radverkehr und Fußverkehr und einen sich drastisch verringernden Teil des Individualverkehrs, egal welcher Antrieb die Fahrzeuge bewegt.“ Ins selbe Horn stößt die Interessengemeinschaft (IG) Nationalparkbahn Hunsrück-Hochwald. Deren Sprecher Patrick Pandel moniert, dass „Entscheidungen zur Einstellung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) im Saarland in der Vergangenheit oft fragwürdig waren“.

Die IG erinnert an eine im Mai vom Verband der Verkehrsunternehmen (VDV) und der Allianz pro Schiene vorgestellten Liste mit Reaktivierungsvorschlägen. Dort werde auch die Folgenutzung von stillgelegten Eisenbahnstrecken thematisiert. In vielen Fällen wurden Gleise entfernt und die Trassen zu Radwegen umgebaut. Dabei habe die Art der Folgenutzung erhebliche Auswirkungen auf die Kosten einer Reaktivierung.

Die Verbände stellten fest: „Bei Radwegen wäre im Falle zweigleisig trassierter Strecken eine Koexistenz mit eingleisig wiederaufgebauten Bahnstrecken möglich.“

Betrachte man nun die Hochwaldbahn von Türkismühle über Nonnweiler nach Hermeskeil, befinde sich diese zwar nicht unter den 186 für eine Reaktivierung empfohlenen Strecken. „Jedoch könnte auch sie in Zukunft ein Verkehrsbedürfnis aufweisen“ Daher gelte es, die Trasse für die Zukunft zu sichern. Damit „die Kosten bei einer Reaktivierung nicht unnötig in die Höhe getrieben werden“. Das bedeute „dass der Radweg auf der ehemals zweigleisigen Trasse zwischen Türkismühle und Nonnweiler in Koexistenz mit dem noch vorhandenen Gleis gebaut werden muss“.

Es könne nicht sein, „dass bundesweit über die Reaktivierung von Bahnstrecken zum Erreichen der klimapolitischen Ziele diskutiert wird, und eine Nationalparkregion sich zeitgleich selbst dieser Zukunftsoption beraubt“. Der kurzsichtige Abriss einer Eisenbahninfrastrukur zugunsten eines Radwegs werde inzwischen vielerorts als Fehler angesehen. „Der sollte entlang der Hochwaldbahn nicht wiederholt werden.“

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