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Nationalparkbahn: IG Nationalparkbahn will zusätzlich Schienenverkehr

Nationalparkbahn : IG Nationalparkbahn will zusätzlich Schienenverkehr

Von Thorsten Grim

Die Leiterin der Tourist-Info St. Wendeler Land, Martina Scheer, äußere sich sehr einseitig zum Thema Freizeitweg Freisen-Nonnweiler „und täuscht die Bevölkerung bewusst mit falschen Behauptungen“, heißt es vonseiten der Interessengemeinschaft (IG) Nationalparkbahn zu der Mitteilung aus dem St. Wendeler Landratsamt, dass es nun losgehe mit dem Bau.

Zunächst nimmt die IG die Kosten ins Visier. Von zwölf Millionen Euro für die Reaktivierung der Bahnlinie sei bei den reinen Freizeitweg-Befürwortern die Rede. „Das mag vielleicht für die Reaktivierung nach dem S-Bahn-Standard zutreffen, wo moderne Leit- und Sicherungstechnik, höhere Bahnsteige mit Blindenleitsystem und Reisendeninformation verlangt werden. Nicht aber für eine Reaktivierung als Ausflugsbahn, und nur dies wird zunächst angestrebt“, erklärt der IG-Vorsitzende Felix Jacob. Nach Rechnung der IG würden für den saarländischen Teil der Strecke lediglich Kosten von etwa zwei Millionen Euro entstehen. Jacob rechnet mit folgenden Zahlen: „Die Kosten für den Radweg werden auf fünf Millionen Euro beziffert. Für dieses Geld wären der Bau des Radweges nach unserem alternativen Plan und zusätzlich die Ertüchtigung der Bahnstrecke für Freizeitverkehre möglich. Das könnten die Verantwortlichen dann als touristischen Leuchtturm preisen.“

Auch ärgere den IG-Vorsitzenden die oft kolportierte Behauptung, dass trotz der ehemaligen Zwei-
gleisigkeit der Trasse das verbliebene Streckengleis in Mittellage gebracht wurde und somit ein Radweg neben der vorhandenen Strecke ausgeschlossen sei. „Diese Behauptung gilt für den größten Teil der Strecke nicht und entbehrt jeder Grundlage“, sagt der IG-Chef. „In unserem Alternativ-Plan zeigen wir detailliert auf, wie ein Radweg neben die Bahnstrecke passt.“ Der Plan der IG reduziere sogar die Baukosten, indem bereits vorhandene Feld- und Wirtschaftswege neben der Bahn-
trasse mit einbezogen werden.

Dann knöpft sich Jacob die Studie vor, wonach lediglich drei Prozent der Befragten angaben, mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in den Nationalpark reisen zu wollen, weshalb die Bahnstrecke keinen Sinn mache: „Wir streben nicht die Reaktivierung der Strecke für den ÖPNV an. Die Nationalparkbahn soll als zusätzliche Attraktion die Nationalparkregion interessanter machen und in die Angebote rund um den Nationalpark Hunsrück-Hochwald integriert werden.“

Jacob zitiert aus einer Studie des Alpeninstitutes zum hiesigen Nationalpark, wonach es es neben Übernachtungs- und Gastronomiebetrieben eben wesentlich mehr solcher Attraktionen in der Region brauche. „Der Nationalpark hat einen Entwicklungshorizont von 30 Jahren und gerade zu Beginn der Entwicklung soll eine Bahnstrecke vernichtet werden? Wer vermag zu sagen, ob diese Strecke nicht doch noch gebraucht wird in zehn, 20 oder 30 Jahren?“, fragt Jacob.

Zum Thema Schienen-Anbindung des Flughafens Hahn sagt der IG-Chef: „Das Land Rheinland-Pfalz ist an einer Reaktivierung der Strecke von Langenlonsheim über Simmern zum Flughafen Hahn für den ÖPNV interessiert. Diese Reaktivierung befindet sich derzeit in der Planfeststellung. Niemand liebäugelt mit einer Nahverkehrsanbindung vom Hahn aus über Hermeskeil nach Türkismühle. Wie oben bereits beschrieben, geht es um einen Ausflugsverkehr. Die Option einer ÖPNV-Reaktivierung würde allerdings gewahrt bleiben.“

Eines gibt Jacob abschließend noch zu bedenken: „Weder die Gemeinden Nonnweiler und Nohfelden, noch der Landkreis St. Wendel oder gar das Saarland haben mit der Eigentümerin der Bahnstrecke, der DB Netz AG, Verkaufsverhandlungen geführt. Allerdings wird offiziell der Baubeginn ausgerufen. Wir meinen: Das ist völlig daneben.“